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Leben an der Grenze im Moor Wie Niederländer und Deutsche eine Landschaft veränderten

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Am Rande der Tagung: Josef Grave, Herman Lübbers, Christof Haverkamp, Francine Lübbers, Peter Kraan, Horst-Heinrich Bechtluft und Willi Rülander. Foto: Manfred FickersAm Rande der Tagung: Josef Grave, Herman Lübbers, Christof Haverkamp, Francine Lübbers, Peter Kraan, Horst-Heinrich Bechtluft und Willi Rülander. Foto: Manfred Fickers

Zwartemeer. Über die deutsch-niederländische Grenze und ihre Bedeutung für die Menschen im Bourtanger Moor haben in Zwartemeer niederländische und deutsche Geschichtsforscher miteinander gesprochen. Einig waren sie sich, dass man die alten Grenzsteine als kulturhistorisch bedeutsame Monumente erhalten und pflegen sollte.

Die Historisch Vereeniging Zuidoost Drenthe war Gastgeberin des dritten Treffens dieser Art, das sie gemeinsam mit dem Emsländischen Heimatbund und der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte veranstaltet. Im Dorfgemeinschaftshaus des niederländischen Grenzortes Zwartemeer erzählte Horst-Heinrich Bechtluft zunächst die Geschichte der Grenzziehung im Bourtanger Moor bis zu ihrer weitgehend bis heute geltenden Linienführung von 1824. Die in diesem Zusammenhang ab 1573 entstandenen Kartenwerke zeigen zahlreiche Gewässer im Moor wie das Hebelermeer, das Zwartemeer, das Kleine Heseper Meer und das Große Heseper Meer, die alle im Rahmen der Trockenlegung des Moores verschwunden sind. Nur ein Rest des Kleinen Heseper Meeres sei im Naturschutzgebiet Meerkolk erhalten geblieben.

Die Niederländerin Francine Lübbers beschrieb, wie von Westen her das Moor bis zur Grenze nach Deutschland abgetorft und besiedelt wurde, ein Vorgang, der um 1400 bei der Stadt Meppel begann und zwischen 1870 und 1879 mit der Entstehung von Veenkolonien an der Grenze seinen Abschluss fand. Kanalbau, Abtorfung und die anschließende landwirtschaftliche Nutzung waren die stetige Abfolge. Der Arbeitskräftebedarf und die Siedlungsmöglichkeiten führten zur Zuwanderung von Menschen aus allen Teilen der Niederlande und aus Deutschland, vornehmlich aus dem Emsland und dem Osnabrücker Land. Ihr Vater Herman Lübbers stellte die Entwicklung des 1871 gegründeten Zwartemeer vor. Von den Kanälen aus wurden Wieken ins Moor gegraben, von dort aus Gräben gezogen und so der Torfabbau möglich gemacht. Das Hauptziel Torfgewinnung bei der Erschließung habe zu den Unterschieden in der Siedlungsstruktur zu den benachbarten deutschen Ortschaften Hebelermeer und Schöninghsdorf geführt.

Christof Haverkamp machte auf die bis heute große Bedeutung des in Meppen 1824 geschlossenen Grenztraktats aufmerksam. Damals trafen das Königreich der Niederlande und das Königreich Hannover ein Abkommen, um Grenzstreitigkeiten friedlich regeln zu können. Man hatte bei der schnurgeraden Grenzziehung im Moor wenig Rücksicht auf die Grenzen privater Ländereien genommen. Deshalb garantierte zum Beispiel ein Artikel den Landbesitz im jeweiligen Nachbarstaat. Besonders wichtig und bis heute aktuell war die Frage des Wasserhaushalts. Oberflächenwasser sollte möglichst in dem Land abgeführt werden, wo es anfiel. Keine leichte Aufgabe für die deutsche Seite, denn um 1824 wurde das Bourtanger Moor hauptsächlich durch die Runde und die Ruiten Aa auf niederländischer Seite entwässert. Erst mit dem Bau des Walchumer Schloots durch den Freiwilligen Arbeitsdienst um 1930 seien die entsprechenden Artikel im Abkommen erfüllt worden.

Für Diskussionen sorgte Haverkamps Bericht über das Schicksal der deutschen Landwirte mit Besitz in den Niederlanden. 1945 hatte das Königreich deutschen Besitz entschädigungslos beschlagnahmt. Angesichts des Leids, das Deutsche den Niederländern im Zweiten Weltkrieg zugefügt hatten, habe es lange gedauert, bis sich die Erkenntnis durchsetzte, dass man im Falle der Traktatbauern gegen geltendes Recht verstoßen hatte, was zum 1963 in Kraft getretenen Ausgleichsvertrag führte.


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