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Frankreich erklärt die Welt

Mit "France 24" bricht jetzt ein europäischer Nachrichtensender die News-Vormacht des US-Kanals CNN.

Der US-Nachrichtensender CNN hatte den Zuschauern seinerzeit den Applaus vorenthalten, mit dem im UNO-Sicherheitsrat die Rede des französischen Außenministers gegen den Irak-Krieg honoriert wurde. Frankreichs Präsident Jacques Chirac hatte dies derart gefuchst, dass ein schon lang gehegter Plan aktuell wurde.

Schon als Premier hatte Chirac vor fast 20 Jahren davon geträumt, via Fernsehen der Welt rund um die Uhr die französische Sicht der Dinge nahe zu bringen. Nun geht der präsidiale Wunsch nach einem "CNN à la française" in Erfüllung. Heute startet Frankreichs internationaler TV-Nachrichtensender "France 24", der sich bei der "weltweiten Schlacht der Bilder" (Chirac) mit dem großen US-Konkurrenten, aber auch BBC World und dem arabischen Sender Al Jazeera messen will. Ein hoher Anspruch.

Zu Beginn backt "France 24" eher kleine Brötchen. Zunächst ist der Sender nur in Europa einschließlich Frankreich, dem Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika für 250 Millionen potenzielle Zuschauer empfangbar. In den USA bleibt Frankreichs Stimme bis auf zwei Prestige-Inselchen in New York und Washington noch stumm. Der Rest der Welt - Asien, Nord- und Südamerika - soll frühestens 2008 nach und nach dazu stoßen.

Auch das Budget ist eher bescheiden. Mit 80 Millionen Euro - ausschließlich aus Steuermitteln - liegt "France 24" , das über Kabel, Satellit und Internet zu empfanden ist, weit unter den Etats von BBC World oder CNN International. Zum Vergleich: Allein die Deutsche Welle, die in Deutschland nicht empfangbar ist, verwaltet einen Haushalt von ungefähr 200 Millionen Euro.

Von einem futuristischen Glasbau in der Pariser Medien-Vorstadt Issy-les-Moulineaux aus wird vom Start weg rund um die Uhr auf zwei Kanälen, französisch und englisch, gesendet. 2007 sollen vier Stunden pro Tag auf Arabisch dazukommen. Mit der Deutschen Welle plant "France 24" Kooperationen. Dabei versteht sich der Sender keineswegs als Sprachrohr seines Herrn.

"Wir sind die Stimme von niemandem", heißt es in der Sender-Charta selbstbewusst unter der Kapitelüberschrift "Unabhängigkeit". "Wir nehmen Befehle von niemandem entgegen", sagt auch Programmdirektor Gerard Saint-Paul, zuvor Chefredakteur des deutsch-französischen Senders Arte.

170 Journalisten, alle zweisprachig und um die 30 Jahre jung, füllen das Programm. Neben dem "europäisch-französischen Blick" auf den Globus sollen auch französische Kultur und Lebensart ihren Platz haben. Dabei kann sich "France 24" sowohl auf das Netz der Auslandskorrespondenten des privaten Senders TF 1 als auch auf das der öffentlichen Sender stützen. Dieses gemischt privat-öffentliche Konstrukt hatte im Vorfeld für Zündstoff gesorgt. Premier und Präsident haben ziemlich schubsen müssen, um die Widerstände beim öffentlichen TV gegen die Zusammenarbeit mit Europas größtem Privatsender zu überwinden.


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