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Beharrlich und bürgernah

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Ursula Flick ist tot. Osnabrücks frühere Oberbürgermeisterin starb mit 81 Jahren im Kreis ihrer Familie in Celle.

Ursula Flick hat das Thema der Gleichberechtigung nicht kämpferisch vor sich hergetragen, sondern eher pragmatisch behandelt: "Wir sind Kollegen", so sagte sie über die Verhältnisse in der lange Zeit männerdominierten Politik.

Gleichwohl war es in den bewegten 80er Jahren noch eine Sensation, als Ursula Flick zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde: Viele sprachen damals im Überschwang von der "ersten Oberbürgermeisterin", manche rühmten sie auch als die "beste Oberbürgermeisterin".

Was Ursula Flick von derlei Superlativen gehalten hat, ist nicht überliefert. Im Gedächtnis geblieben sind vielmehr ihre Warmherzigkeit, mit der sie den Bürgern begegnete - und andererseits auch die Beharrlichkeit, mit der sie sich auch in konfliktträchtigen Situationen gegen alle Widerstände durchzusetzen wusste.

Beide Tugenden muss sie schon in früher Jugend erworben haben: Nach dem Abitur pflegte sie als Schwesternhelferin im Wehrmachtslazarett von St. Angela in Haste verwundete Soldaten; dann gehörte sie als junge Studentin in Bonn (Germanistik und Geschichte) zu den Mitbegründern des Ringes Christlich Demokratischer Studenten und arbeitete im Büro des damaligen Bundestagsabgeordneten Kurt Georg Kiesinger. Dieser Schritt habe ihr ganzes Leben bestimmt, sagte sie später einmal rückblickend auf ihren Werdegang.

Ursula Flick kam 1968 für die CDU in den Osnabrücker Rat und hatte das Mandat bis 1991. Von 1967 bis 1986 vertrat sie die Stadt Osnabrück zudem als Abgeordnete im Niedersächsischen Landtag. Hinzu kamen verschiedene Ehrenämter, sowohl in der CDU wie auch im Diakonischen Werk oder den Evangelischen Stiftungen. Kurze Zeit war sie zudem Präsidentin des Deutschen Städtetages. Der Höhepunkt ihrer Karriere war gewiss die Zeit als Oberbürgermeisterin von 1985 bis 1991.

In den letzten Jahren allerdings war es still um sie geworden. Konsequent zog Ursula Flick sich ins Privatleben zurück und trat nur noch selten in die Öffentlichkeit: Etwa wenn ihr der britische Botschafter im Auftrag der Queen den Orden eines "Officer of the Order of the British Empire" verlieh. Wobei sie allerdings davon selbst wenig Aufhebens machte und in Osnabrück niemanden informierte.

Ein Lebenskreis hat sich geschlossen. Wie Ursula Flick anfangs die Herausforderungen der Zeit beim Aufbau der jungen Demokratie angenommen hat, so geschah es auch am Ende ihrer aktiven politischen Zeit: In ihre Amtszeit als Oberbürgermeisterin fielen die Städtepartnerschaft mit Greifswald und die Wende in der damaligen DDR: Dass ein freiheitliches Gemeinwesen niemals ohne die Mitwirkung der Bürger bestehen könne, diese Überzeugung hat Ursula Flick vorgelebt. Die Stadt Osnabrück ehrte sie dafür 1998 mit der Mösermedaille.


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