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Der "Stör-Fall" am Hanekenfähr

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Die Kaplan- Rohrturbine, die für das geplante Wasserkraftwerk am Haneken die Energie liefern sollte, ist für die Stadtwerke Lingen zu einem "Kaplan-Rohrkrepierer" geworden.

Die Prüfung des Antrages durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland hat unter dem Strich sinngemäß ergeben, dass es durch den Bau einer Wasserkraftanlage am linksseitigen Emsufer bei Hanekenfähr zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Fischpopulationen von Steinbeißer, Schlammpeitzger, Bitterling, Groppe, Rapfen, Flussneunauge sowie der nachweislich vorkommenden Arten Lachs und Stör kommen könne.

Zudem könne das Projekt auch nicht ausnahmsweise zugelassen werden, weil es weder sozial noch wirtschaftlich notwendig sei und es gleichzeitig zumutbare Alternativen gebe. Der Landkreis stützt sich dabei auf den paragraf 34c, Abs. 2 NNatG (Niedersächsisches Naturschutzgesetz).

Dr. Joachim Adams, Projektleiter der Wasserkraftanlage, und die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Lingen als Antragstellerin, Arno Ester und Ulrich Boss, quittierten die Stellungnahme des Landkreises mit einem ungläubigen Kopfschütteln.

Geplant war eine Turbine mit einem Laufraddurchmesser von 2,60 Metern und einer Nennleistung von 1,3 MW. Vorgeschaltet sind ein etwa zehn Meter breiter Rechen mit einem Stababstand von 18 Millimetern, zwei über der Anlage angeordnete Abflussrinnen für Treibgut sowie Fischabsteig, zwei Fluchtrohre für tiefabwandernde Fische und eine Fischaufstiegsanlage.

Laut Landkreis sei damit zwar der Schutz für größere Fische gewährleistet, aber eben nicht für alle. Die Fische, die auf welche Weise auch immer den 18 Millimeter breiten Rechen passieren, würden durch die drei Schaufeln des Turbinenrades '"'getroffen, erheblich verletzt oder getötet'"'. Das könnte dazu führen, dass die Population der genannten Arten beeinträchtigt werden.

Vor rund zehn Jahren hatte bereits der Bayer Josef Dennenmoser eine ähnliche Wasserkraftanlage an gleicher Stelle geplant - und vom Landkreis auch genehmigt bekommen. Hintergrund: Damals unterlag dieser Teil der Ems noch nicht der FFH-Richtlinie. Damals stellte die Nutzung der Wasserkraft '"'einen wichtigen öffentlichen Belang'"' dar, und auch in Sachen Fisch wurden '"'keine erheblichen Beeinträchtigungen'"' erwartet.

Um heute der FFH-Richtlinie zu genügen, brachte die Antragstellerin zudem ein Gutachten bei, das der Kaplanturbine eine FFH-Tauglichkeit bescheinigt - dies scheint aber nicht genug gewesen zu sein.

'"'Nachdem unser Antrag beim Landkreis kein Gehör gefunden hat, tragen wir uns mit dem Gedanken, jetzt so genannte archimedische Schrauben am linksseitigen Emsufer zu platzieren'"', erklärten die Geschäftsführer Ester und Boss. Diese könnten allerdings nur etwa ein Drittel der Energie einer Kaplanturbine erzeugen. Allerdings würde, so habe der Landkreis Emsland signalisiert, ein solcher Antrag grundsätzlich positiv gesehen.


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