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Raus aus den Federn, rein ins Studio

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Nein, Frühaufsteher sind sie eigentlich nicht; das geben Jan Malte Andresen und Elke Wiswedel gerne zu. ,,Das tut weh, das ist körperlicher Schmerz," stöhnt der 28-Jährige und freut sich trotzdem auf seinen neuen Job. Bald heißt es für ihn und seine 30-jährige Kollegin jeden Morgen um 3 Uhr: Raus aus den Federn und ab ins Studio. Die Moderatoren präsentieren ab Dienstag jeden Morgen von 5 bis 10 Uhr das neue Morgenmagazin auf NDR 2. Dafür nehmen sie die Umstellung ihres Lebensrhythmus gerne in Kauf, denn: ,,Das ist der Olymp", schwärmt Wiswedel.

Drei Jahre lang hat Uwe Bahn die Morgenschicht gefahren, in den Stunden, in denen am meisten Radio gehört wird. ,,Wahrscheinlich möchte Uwe einfach mal wieder länger schlafen," spekuliert Andresen beim Redaktionsbesuch in unserer Zeitung über Bahns Entscheidung, aufzuhören und sich mehr dem Sport zuzuwenden. Angst vor den Fußstapfen ihres beliebten Vorgängers haben beide Moderatoren jedenfalls nicht; vielmehr strahlen sie Selbstbewusstsein und gute Laune aus.

Und was wollen sie anders machen? Mehr mit den Menschen vor den Geräten reden zum Beispiel. Künftig sind beide Moderatoren für jeden NDR-2-Hörer im Studio erreichbar. Der Schwerpunkt soll auf Service und Information liegen. Aber auch der Bereich ,,Comedy" fehlt nicht. Die Schröder-Parodie ,,Die Gerd-Show" zum Beispiel - ein Publikumsrenner - bleibt natürlich im Programm. Nachrichten gibt es wie bisher jede halbe Stunde - gesprochen von den Redakteuren Stefan Schlag und Kathrin Schlaß. Fünfter im Team ist Albrecht Lachmann. Er ist für den Verkehrsservice zuständig.

Natürlich seien auch aktuelle Korrespondentenberichte im Programm, erzählen die Moderatoren. Aber: in einem Block von 20 Minuten muss alles drin sein: Information, Service, Musik, Comedy. Denn nur so lange verbringt der Durchschnittshörer zu dieser Zeit vor dem Radio. Viel Zeit für eine Reportage aus dem Nahen Osten bleibt da nicht; ,,Durchhörbarkeit" heißt das Stichwort. Dass das so ist, sehen die beiden gelassen. Für ausführliche Wortbeiträge gebe es eben andere Sender wie NDR 4. Und doch: Dass während der Schlagzeilen zur halben Stunde Musik als Untermalung läuft, findet Andresen ,,nicht schön" und äußert damit leise Kritik am ,,Formatradio".

Kennengelernt haben sich Andresen und Wiswedel erst für ihre neue Aufgabe. ,,Und ich glaube, wir werden uns gut verstehen," sagt der 28-Jährige. In den vergangenen Wochen sah man die beiden öfters zusammen in der NDR-Kantine, Moderationen üben. Das Duo muss aufeinander eingestimmt sein, wenn für beide im Studio erstmals das rote Licht angeht. Zuletzt wurde eine Woche zur Probe gesendet - unter Realbedingungen, inklusive Weckerrasseln um drei.

Als Stars sehen sich die beiden nicht und sie wollen es auch nicht sein. ,,Obwohl natürlich eine gewisse Eitelkeit in unserem Beruf immer dazu gehört", wie Wiswedel zugibt. ,,Es ist aber ja nicht so, dass bei uns die Fans im Vorgarten übernachten", sagt die 30-Jährige. Andresen kann sich da nur an eine Geschichte aus einem Bekleidungsgeschäft erinnern. Da wurde er erkannt - anhand seiner EC-Karte: ,,Ach, sind sie der aus dem Radio?"

Einmal ,,der aus dem Radio" zu sein - davon hat der ,,waschechte Norddeutsche" schon als Kind geträumt. ,,Damals habe ich immer schon Verkehrsnachrichten auf Tonband nachgesprochen", erzählt der Vater einer viereinhalbjährigen Tochter. Seit Anfang 1996 moderiert er auf NDR 2 und seit 1999 macht er Abstecher zum Fernsehen, präsentiert gelegentlich das regionale ,,Schleswig-Holstein-Magazin".

Elke Wiswedel, in Gummersbach geboren, ist neu bei NDR 2. Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin moderierte vorher bei Radio ffn und dem NDR-Jugendsender N-Joy Radio. Mit ihr soll auch die Frauenrolle im Sender aufgewertet werden. Als ,,intelligente, selbstbewusste Frau, die Paroli bietet", kündigt sie der NDR an. Die 30-Jährige wird sich vor allem um die Themen Musik und Unterhaltung kümmern. Den 18 Monate alten Sohn versorgt ihr Mann. Der ist im Erziehungsurlaub.

Unter Quotendruck des Senders sehen sich beide nicht. Allerdings: Nach drei Jahren soll geprüft werden, ob das Konzept stimmt und die Moderatoren gut ankommen. Falls nicht, hieße das dann wenigstens wieder: Ausschlafen. Einstweilen aber hat sich Andresen ein neues Verdunklungsrollo gekauft. ,,Und ins Bett bringen," fügt er verschmitzt hinzu. ,,wird mich jetzt jeden Abend meine Tochter".


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