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Steine gegen das Vergessen

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Im Dezember 2006 hat der Rat der Stadt Haren einstimmig beschlossen, die Erinnerung an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft geworden sind, ehrend wachzuhalten. Dabei wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die zusammen mit dem Künstler Gunter Demnich die Verlegung von „Stolpersteinen“ vorbereitete.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“: Diese Aussage steht hinter der Idee, mit der Gunter Demnig an die Opfer der NS-Zeit erinnern möchte. Sogenannte „Stolpersteine“, eingelegt in das Bürgersteigpflaster vor den einstigen Wohnungen der jüdischen Mitbürger, tragen auf glänzenden Schildchen die Namen der von den braunen Machthabern Ermordeten. Während der Nazi-Diktatur wurden sie einfach nur als „die Juden“ bezeichnet.

In den Konzentrationslagern wurden sie zu Nummern, die ihnen sogar eingebrannt wurden. Jetzt geben die „Stolpersteine“, die inzwischen in über 450 Orten Deutschlands sowie in Österreich, Ungarn und in den Niederlanden verlegt sind, ihre Namen zurück“, sagte Bürgermeister Markus Honnigfort bei der Verlegung der Steine. Er dankte der Harener Gruppe, die in den letzten Jahren intensiv recherchiert habe, um die Opfer und deren letzten Wohnorte ausfindig zu machen. In einem ersten Schritt wurden nun zwölf Stolpersteine für die Angehörigen der Familien Sally de Vries an der Wesuweer Straße sowie Isaac Frank und Levy Sternberg, Lange Straße, verlegt.

Demnig setzte sie in das Pflaster ein, während ein Instrumentaltrio das „Jerusalem“ intonierte. Sally de Vries wohnte und arbeitete als Handlanger bei Maurermeister Wilhelm Menke an der Emmelner Straße. Er und seine Familie wurden gezwungen, in das Lingener Judenhaus umzusiedeln. Von dort wurden sie im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Während Sally de Vries im KZ Buchenwald ermordet wurde, starben Bela und Minna in Auschwitz.

Von Zeitzeugen erfuhr die Gruppe „Stolpersteine“, dass es auch in Haren mutige Bürger gegeben hat, die unter Lebensgefahr jüdische Mitbürger mit Lebensmitteln versorgten. Die Familie de Vries wurde besonders von der Familie Johann Kötter über Mittelsmänner und Umwege unterstützt. Isaac Frank war Gemeindevorsteher in Haren. Während sein Sohn Alexander nach Schweden flüchtete, konnte Tochter Ruth mit ihrem Mann Phillip Sternberg in die USA fliehen. Levy Sternberg betrieb im Haus Lange Straße 21 eine Fleischerei und war Synagogenvorsteher. In der Reichspogromnacht am 10. November 1938 wurde er von der SA (Sturmabteilung), einer paramilitärische Kampforganisation der NSDAP, und deren Sympathisanten krank aus dem Bett geholt, geschlagen und gedemütigt: Man zerriss ein Kopfkissen, schüttete ihm die Federn über den Körper und setzte ihm einen Kaktus als Krone auf den Kopf. Kurz vor seiner Ausweisung in das Judenhaus in Lingen verstarb seine Frau Selma. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof an der Landegger Straße. Von Lingen aus wurde Levy Sternberg nach Theresienstadt deportiert.

Die Recherche nach dem Verbleib und den Schicksalen der übrigen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern Harens soll nach Angaben von Bürgermeister Markus Honnigfort fortgesetzt werden. Und sofern sich gesicherte Erkenntnisse ergeben, sollen auch für sie „Steine gegen das Vergessen“ verlegt werden.


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