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Musikalisches Menü voll anregender Genüsse

Frische Vielfalt, ver setzt mit einer Spur anregender Herbheit und gewürzt mit temperamentvoller Schärfe: Mit seinem „Insalata mista“ servierte der Meller Madrigalchor am Sonntag mehr als nur einen musikalischen Appetithappen. Zwischen Oper, Musical und Filmmelodien entfaltete sich zwei Stunden lang ein gehaltvolles Menü kontrastreichen Klangs.

Flackernder Kerzenschein schuf in der Feierhalle Grönenburg den stimmungsvollen Rahmen für große Melodien: Unter der Leitung von Urs Borer tauchte der Madrigalchor sein begeistertes Publikum auf gewohnt hohem Niveau in ein Wechselbad der Gefühle.

Von der bewegenden Klage bis zur augenzwinkernd dargebotenen Parodie, von der festlichen Klanggewalt der Mozart-Kantate „Dir, Seele des Weltalls“ bis zum launigen „Horch, was swingt von draußen rein“ reichte der musikalische Gaumenkitzel.

Für die Konzertbesucher verwandelten junge Solisten die Feierhalle in eine Opernbühne. Zu einer klangvollen Kostbarkeit avancierte dabei das von Corinna Bähre und Sarah Weller empfindsam dargebotene „Blumenduett“ aus Leó Delíbes „Lakmé“. Mit fesselnder Dramatik beklagte Corinna Bähre als Giacomo Puccinis „Suor Angelika“ den Tod des Sohnes.

In der Rolle von George Bizets „Carmen“ verzauberte Sarah Weller mit der temperamentvoll inszenierten Verführungskunst der „Habanera“. Zur eindringlichen Klage erhob Karolina Eurich zu Urs Borers feinfühliger Klavierbegleitung die „Romanze“ Peter Tschaikowskys.

Wirkungsvoll holten Chor und Solisten, unter ihnen auch Tessa Witthans-Apel und Anatol Thiessen am Schlagzeug, mit den bekanntesten Melodien aus George Gershwins „Porgy and Bess“ die Catfish Row in den Grönegau. Doch das Menü des klangvollen Abends beschränkte sich nicht auf den Ernst der Opernbühne.

Vom Mary Poppins‘ heiter-beschwingtem „Chim Chim Cheree“ bis zum spritzigen Gruß an „Mister Sandman“ begeisterte der Madrigalchor mit bekömmlich-launiger Kost. Immer wieder setzte dabei Felix Rußwinkel mit improvisatorischer Finesse und Wandlungsfähigkeit Akzente: Lässig wandelte er mit dem Kulthit „My Way“ auf den Spuren Frank Sinatras. Mit Swing im Blut gab er Glenn Millers „Moonlight Serenade“ eine individuelle Note.

Für die Musikfreunde hielt der Madrigalchor in seinem Menü so manche Überraschung bereit: Als klangvoll-bissige Satire auf die Evolution erklang Erich Kästners „Entwicklung“.

Zur zwerchfellstrapazierenden Opernparodie vereinten sich trockene Satz- und Tempobezeichnungen in Richard Genées „Insalata italiana“.

Mit den verträumten Klängen aus dem Land der aufgehenden Sonne verwies der Chor zum Abschluss bereits auf sein nächstes Projekt: Denn zu seinem Weihnachtskonzert begrüßen die Sängerinnen und Sänger erstmals Gäste aus Japan.


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