zuletzt aktualisiert vor

OAB verkauft Immobilien

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Osnabrück (mey.)
Von der Bierbrauerei über eine Immobiliengesellschaft zu einem Unternehmen der Unterhaltungsbranche - diese Entwicklung zeichnet sich für die in diesem Jahr 140 Jahre alte OAB ab. Am 1. Juli geht nach bisherigen Planungen die siebenjährige Geschäftstätigkeit der Osnabrücker Anlagen- und Beteiligungs-Aktiengesellschaft (OAB, vormals: Osnabrücker Aktien-Bierbrauerei) auf dem Immobiliensektor zu Ende.

Die OAB-Hauptversammlung beschloss am Montag in Osnabrück die Bildung eines Rumpfgeschäftsjahres vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2000 im Vorgriff auf die geplante Veränderung der Geschäftstätigkeit. Wie berichtet, hatte die Steucon Grundbesitz- und Beteiligungs-AG mit Sitz in Bremen im Dezember vergangenen Jahres 80 Prozent der OAB-Anteile an die Saarbrücker Metrotainment AG verkauft, die im Film, TV- und Musikgeschäft tätig ist. Vorausgegangen war eine Phase, in der bei der OAB hohe Verluste angefallen waren und das Traditionsunternehmen am Rand des Ruins gestanden hatte.

Für das Jahr 1999 allerdings kann die OAB wieder schwarze Zahlen ausweisen und erstmals seit drei Jahren eine Dividende ausschütten. Das verdankt die Gesellschaft jedoch allein der Tatsache, dass sie sich von ihrem zu Beginn der 90er Jahre in der Hoffnung auf hohe Wertsteigerungen erworbenen Immobilien schlagartig trennt. So hat sie die noch verbliebenen 3.200 Quadratmeter Wohnfläche und 1.400 Quadratmeter ausbaufähiger Dachgeschossfläche in der Frankfurter Wohnanlage „Am Dornbusch" zum Jahresende 1999 für 14,4 Millionen DM verkauft. Nach Tilgung des Verlustvortrags in Höhe von 2,4 Millionen DM weist die Bilanz einen Gewinn von gut 415.000 DM aus, der nahezu komplett ausgeschüttet werden soll. Die im Verhältnis 1:20 gestückelten früheren 100-DM-Aktien sollen mit 0,83 DM pro neuer nennwertloser Stückaktie (zuzüglich 0,36 DM Steuergutschrift) bedient werden.

OAB-Vorstand Werner Goldbeck gab auf der Hauptversammlung auch den Verkauf der Gewerbeimmobilie Europark Aachener Kreuz bekannt, die Anfang Juni von der Fondsgesellschaft Falk übernommen werde. Über den dabei erzielten Veräußerungserlös für die OAB machte Goldbeck keine Angaben. Für das Rumpfgeschäftsjahr bis zum 30. Juni sei jedoch ein Bilanzgewinn (vor Steuern und unter Berücksichtigung der Auflösung von Gewinnrücklagen) von mindestens fünf Millionen DM zu erwarten.

Mit der Aussicht auf eine mögliche Verzehnfachung der Dividende noch in diesem Jahr mochten sich einige der auf der Hauptversammlung vertretenen OAB-Streubesitzaktionäre jedoch nicht beruhigen lassen. Die Zukunftsaussichten seien angesichts der im Internet kursierenden Konkursgerüchte über den neuen Mehrheitsaktionär alles andere als rosig, bemängelten Anteilseigner in der Aussprache über den Lagebericht des Vorstands. Dieser hielt sich mit Prognosen für den Zeit nach dem 30. Juni betont zurück und betonte mehrfach, man gehe von der Erfüllung der Vertragsverpflichtungen durch die Metrotainment AG gegenüber Steucon aus.

Kritische Fragen gab es auch zum Verkauf der Frankfurter Wohnanlage an die eigens für den Erwerb gegründete Tricon Grundbesitzgesellschaft Dornbusch GmbH & Co. KG, an deren Kommanditkapital die OAB zu 94 Prozent beteiligt ist. Hier dränge sich der Verdacht auf, dass „die linke Hand mit der rechten verhandelt" hat, sagte ein Aktionärsvertreter. Goldbeck hielt dem entgegen, dass der Kaufpreis durch einen neutralen Gutachter ermittelt worden sei. Bei einer Präsenz von 90,5 Prozent stimmte die Hauptversammlung den Vorschlägen mit großer Mehrheit zu. Unter anderem gegen die Beschlüsse über die Entlastungen von Vorstand und Aufsichtsrat gaben Aktionäre Widersprüche zu Protokoll.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN