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Angehörige nutzen Chance

Experten am Telefon: Die Suchttherapeuten Ulla Dierks und Jens Keffel sowie Wolfgang Gehrs vom Kreuzbund (rechts) beantworteten die Leserfragen.Experten am Telefon: Die Suchttherapeuten Ulla Dierks und Jens Keffel sowie Wolfgang Gehrs vom Kreuzbund (rechts) beantworteten die Leserfragen.

Zahlreiche Angehörige haben gestern die gemeinsame Telefonaktion von Caritas, Diakonie und unserer Zeitung zur Suchtwoche genutzt, um das private Gespräch mit Experten zu suchen.

Wolfgang Gehrs vom Kreuzbund zog gestern Abend ein sehr positives Fazit: "Es war eine tolle Aktion." Die Anrufe hätten gezeigt, dass die Hemmschwelle für Angehörige auf dem "neutralen Boden" der Meppener Tagespost, über dieses hochsensible Thema offen zu sprechen, einfach geringer sei.

So habe beispielsweise ein Onkel für seinen alkoholgefährdeten Neffen angerufen. Gehrs werde jetzt das direkte Gespräch mit dem jungen Mann suchen.

Suchttherapeut Jens Keffel zählte ebenfalls mehrere Anfragen. Auch dabei waren es oft Angehörige, die Hilfe suchten. So auch eine Frau, deren Lebenspartner nach einem Entzug seit neuestem wieder zur Flasche greift. Wolfgang Gehrs von der Selbsthilfegruppe des Kreuzbundes kennt die Gefahren des Rückfalls nur allzu gut: "Schon ein Glas Dunkelbier kann über die Geschmacksnerven nach vielen Jahren der Abstinenz wieder bestimmte Verhaltensmuster in Gang setzen."

Suchttherapeutin Ulla Diercks hat in den vergangenen Jahren einen positiven Wandel im Umgang mit dem Thema Alkoholsucht ausgemacht: "Inzwischen wird wesentlich leichter akzeptiert, wenn jemand abstinent lebt." Allerdings mangele es oftmals noch an dem Bewusstsein, dass Alkoholsucht eine Krankheit ist. Zu oft würden Menschen nach einem Rückfall als Versager abgestempelt.

Sorgen bereitet den drei Experten das sinkende Einstiegsalter. Immer öfter müssten sie erfahren, dass selbst 13- und 14-Jährige an Wochenenden bereits regelmäßig hochprozentigen Alkohol konsumierten.


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