zuletzt aktualisiert vor

Über 25000 Tote in Emslandlagern Frühere KZ-Häftlinge bei der Eröffnung der Gedenkstätte Esterwegen dabei

Von Carsten van Bevern

Der Überlebende Henk Verheyen zeigt auf ein Bild von ihm in der neuen Gedenkstätte. Foto: Mike RöserDer Überlebende Henk Verheyen zeigt auf ein Bild von ihm in der neuen Gedenkstätte. Foto: Mike Röser

Esterwegen. Mit einem Festakt sowie einem ökumenischen Gottesdienst ist in Esterwegen die zentrale Gedenkstätte für die 15 Emslandlager eröffnet worden. Mehr als 200000 Menschen aus vielen Staaten Europas waren zwischen 1933 und 1945 in den 15 Lagern im Emsland sowie in der Grafschaft Bentheim inhaftiert. Mehr als 25000 Häftlinge, darunter Kriegsgefangene und Widerstandskämpfer, sind in dieser Zeit dort ums Leben gekommen.

„Ich denke heute an meine Kameraden, die die Zeit in deutschen Konzentrations- und Strafgefangenenlagern nicht überlebt haben. Dies ist ein bedeutender und sehr emotionaler Tag für mich“, betonte der heute 86-jährige ehemalige Nacht-und-Nebel-Gefangene Henk Verheyen aus Belgien in seinem Gefangenenvermächtnis. Er sprach für die ehemaligen Häftlinge, die an diesem Tag noch einmal ins Emsland gekommen waren. „Ich bin überwältigt, dass heute so viele Überlebende hier sind.“

„Wenn irgendwann die letzte Stimme eines Zeitzeugen verstummt ist, kann und muss eine Stätte wie diese dafür sorgen, dass die Erinnerung erhalten bleibt“, erklärte Staatsminister Bernd Neumann (CDU) vor rund 650 Ehrengästen. Esterwegen sei ein würdiger Ort des Gedenkens, und auch die äußere Gestaltung der Gedenkstätte setze bundesweit neue Maßstäbe. Als „außergewöhnlich“ bezeichnete er das hohe Engagement des Landkreises. „Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass ein solcher Einsatz eines Landrates und einer ganzen Region für eine Gedenkstätte bundesweit eher die Ausnahme ist.“

„Rechtsstaat und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit, das wird hier an diesem Ort der Erinnerung, des Gedenkens sowie des Lernens deutlich“, betonte Ministerpräsident David McAllister (CDU), der sich anschließend auch Zeit für Gespräche mit ehemaligen Häftlingen sowie einen Rundgang durch die neue Dauerausstellung nahm.

Nach Kriegsende diente das Gelände des ehemaligen Konzentrations- und Strafgefangenenlagers Esterwegen unter anderem als Flüchtlingslager und zuletzt bis 2001 als Bundeswehrdepot. Bei Aufgabe des Depots übernahm der Landkreis das Gelände. „Der Kreistag sah sich sofort in der Verantwortung, diese wahrscheinlich letzte Chance zu nutzen, an einem historischen Ort eine Gedenkstätte einzurichten“, erklärte Landrat Hermann Bröring an seinem letzten Arbeitstag. Er selbst habe noch Erinnerungen an beschwichtigende, ausweichende und distanzierende Umschreibungen zur Funktion dieser Lager: „Die emsländische Bevölkerung hat sich bis in die 80er-Jahre schwergetan, sich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen.“ Seite 3