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Größte Vorsicht beim Radeln neben Lastwagen

Glimpfliches Ende: Nur ein Fahrrad wurde im Sommer 2007 an der Kreuzung Martini-/Herderstraße zermalmt. Die Radfahrerin konnte sich in Sicherheit bringen. Archivfoto: Arne KöhlerGlimpfliches Ende: Nur ein Fahrrad wurde im Sommer 2007 an der Kreuzung Martini-/Herderstraße zermalmt. Die Radfahrerin konnte sich in Sicherheit bringen. Archivfoto: Arne Köhler

Die Spuren des Abbiegeunfalls am Donnerstag an der Kreuzung Johannistorwall/Kommenderiestraße wurden gestern weiter von der Polizei ausgewertet. Bei dem Unfall war ein 59-jähriger Radfahrer von einem Lastwagen überrollt und getötet worden. Der Lkw-Fahrer hatte nach den bisherigen Ermittlungen erst einen anderen Radler passieren lassen, der rechts vorbei weiter geradeaus gefahren ist. Als er nach rechts Richtung Rosenplatz einbiegen wollte, muss er den 59-Jährigen erfasst haben, der offenbar dem vorausfahrenden Radfahrer folgen wollte.

Diese Unfallverläufe, so Polizeisprecher Jens Jantos, seien nicht überproportional häufig. Aber weil sie meist schlimme Folgen haben, blieben sie besonders im Gedächtnis der Leute haften. Ähnliche Unfälle sind im Stadtgebiet mehrfach vorgekommen: in den Jahren 2001, 2004 und 2006 jeweils mit tödlichem Ausgang, in weiteren Fällen kamen die Radfahrer glimpflicher davon.

Bernd Schneider, Vorsitzender des ADFC in Osnabrück (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) hält die Zahlen dennoch für sehr bedenklich. Ein Berliner Sachverständigenbüro hat nach der Auswertung der Hauptstadtzahlen hochgerechnet, dass deutschlandweit jährlich 200 Radfahrer bei Unfällen mit rechts abbiegenden Lastwagen getötet werden.

Bei der Planung von Straßen und Kreuzungen müsse man schon ansetzen. Wenn ausreichend Platz vorhanden ist, könnten Radfahrer, die geradeaus wollen, und Kraftfahrer, die rechts abbiegen wollen, schon weit vor der Kreuzung die Spur wechseln. An der Autobahnauffahrt der Hannoverschen Straße auf der Fahrbahn Richtung Voxtrup sei das zum Beispiel umgesetzt worden.

Außerdem können Ampelschaltungen entzerrt werden; die Einmündung des Nonnenpfades in den Erich-Maria-Remarque-Ring ist da ein Beispiel. Hier bekommen die Radler erst Grün, dann die Autofahrer. Der ADFC kümmere sich überdies auf Bundesebene darum, dass für Lkw zusätzliche technische Einbauten vorgeschrieben werden, die die Gefahren des toten Winkels reduzieren. Eine Ultraschall-Erfassung von rechts fahrenden Fahrzeugen mit Warnsignal im Lkw-Führerhaus sei seit 2005 serienreif. Ab April 2009 sollen in der EU alle großen Lkw über 3,5 Tonnen mit Spiegeln für den toten Winkel nachgerüstet werden.

Unabhängig davon rät Schneider allen Radfahrern zu besonderer Vorsicht, wenn sie neben anderen Kraftfahrzeugen, vor allem einem Lastwagen, herfahren: Entweder vor oder hinter einem Lkw zu fahren ist wesentlich sicherer. Achtung, wenn der Lastwagen blinkt oder langsamer wird. Niemals rechts überholen, vor allem nicht im Kreuzungsbereich. Wenn der Lkw abbiegt und es zu spät zum Bremsen ist, zur Not mit abbiegen. Sichtkontakt mit dem Fahrer suchen.


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