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Rothertshausen ist 75 Jahre alt

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Die Zeit der politischen Eigenständigkeit gehört seit 1972 der Vergangenheit an, im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform wurde die Gemeinde Rothertshausen aufgelöst und der Einheitsgemeinde Neuenkirchen zugeordnet. Doch den Gemeinsinn, wie ihn die ersten Siedler an den Tag legen mussten, um in der Moorlandschaft überhaupt überleben zu können, den bewahrten sie und die nachfolgenden Generationen bis heute. Das bewies der heitere und beschwingte Festakt mehr als eindrucksvoll.

"Heftige Geburtswehen" habe es vor 75 Jahren gegeben, erinnerte der letzte Rothertshausener Bürgermeister Heinrich Belting, an die Zeit, als das Hochmoor im Südwesten des Landkreises Bersenbrück kultiviert wurde. Heute werde das Moor aus ökologischer Sicht gefeiert, "damals aber war es ein lebensfeindlicher Raum, in dem die Siedler viele Widrigkeiten ertragen mussten, um festen Boden unter die Füße zu bekommen", sagte er. Die ersten Bewohner in dem urbar gemachten Teil des "Vinter Moores" hätten unter spärlichsten Bedingungen gelebt, groß sei die Bereitschaft in der Bevölkerung damals nicht gewesen, sich im Moor eine neue Existenz aufzubauen: "Der Volksmund sagte denen, die es dennoch wagten, den Tod voraus", so Belting weiter. Landrat Dr. Hermann Rothert habe jedoch einen ehrgeizigen Plan in die Tat umgesetzt, als er ab 1914 die Kultivierung vorantrieb. Zwölf Jahre harter Arbeit waren nötig, um die Moorfläche in Acker- und Weideland umzugestalten und damit nutzbar zu machen, bevor 1926 die Geburtsstunde der Gemeinde Rothertshausen schlug. "Heu-te beschreitet hier die vierte Generation den Weg in die Zukunft", gab sich Belting überzeugt: Rothertshausen ist inzwischen zu einem Stück Heimat geworden. "An uns liegt es, das Erbe der Eltern zu bewahren und weiterzugeben." Wagemut, sehr viel Fleiß und großes Gottvertrauen bescheinigte Landrat Manfred Hugo den Gründern der Siedlung Rothertshausen. "Sie haben hier blühenende Landschaften geschaffen", betonte er in seiner Festansprache. Wie Kräfte zehrend und mühsam die Arbeit gewesen sei, lasse sich heute kaum mehr nachvollziehen. Doch die Kultivierung des Moores dokumentiere einen "wunderbaren Gemeinschaftssinn" und ste-he für eine "beispielhafte Opferbereitschaft."

Eigenschaften, die für den Repräsentanten des Landkreises Osnabrück heutzutage wieder aktuell sind. "Weltoffen denken und lokal handeln", dazu die Heimatverbundenheit – so kann sich eine Gemeinschaft weiterentwick-eln", bemerkte Hugo. An Wachsen und Werden der Hochmoorsiedlung erinnerte auch Neuenkirchens Bürgermeister Martin Brinkmann. Er wünschte sich, dass der Gemeinschaftsgeist der Aufbaujahre lebendig bleibe. Da passe es ganz gut, dass das Jahr 2001 zum "Jahr des Ehrenamtes" ausgerufen worden sei. Dieses so "wichtige und unverzichtbare Kapital", sich selbstlos und freiwillig in den Dienst der Gesellschaft zu stellen, lobte der Ratsvorsitzende. In Rothertshausen gebe es viele Bürger, die sich stets engagiert hätten. Im Namen der Gemeinde und der Kirchengemeinde St. Laurentius ehrte Brinkmann Martha Fischer, Magdalene Schürmann, Heinrich Belting, Franz Rüther, Wilhelmine Schwanke und Doris Langelage. Ob sie nun für die Pflege der Kapelle oder des Ehrenmals zuständig oder als Bürgermeister und Küster tätig gewesen seien, "sie haben das für die Menschen in Rothertshausen getan", stellte Brinkmann fest. Den Blick zurück in die Geschichte warf während des Festaktes, den die Jagdhornbläser des Hegerings, die Volkstanzgruppe und die Blaskapelle Neuenkirchen mitgestalteten, der letzte Lehrer der Volksschule, Fritz Baier. In seinem Lichtbildervortrag hatte er viele Episoden und Momente aus dem Leben der einstigen Gemeinde festgehalten.


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