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Post von der Post: Portemonnaie wieder da

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"Post von der Post?" staunte dieser Tage ein Lotter Bürger über einen Umschlag. Absender war der Postservice in Marburg. Verwundert hielt der Adressat kurz darauf sein verlorenes Portemonnaie in den Händen. "Das ist unser Klassiker", hieß es dazu bei der Deutschen Post. Sie verschickt identifizierte Fundsachen kostenfrei.

Der Lotter hatte bereits seine grauen Zellen gemartert, wo er die Geldbörse mit Bank- und anderen Karten sowie Personalausweis verloren haben könnte. Dann war er sicher: Es war der Parkplatz vorm Discounter an der Alt-Lotter Jahnstraße. "Beim Einkauf in den Abendstunden muss ihm das Portemonnaie aus der Tasche gefallen sein", vermutete er und ließ die Bankkarte sperren.

Im Lotter Ordnungsamt keimte Hoffnung auf, als er hörte, dass er sich mit dem Neuantrag für einen Personalausweis gedulden solle. "Manchmal erhalten wir drei Wochen nach Verlust den Ausweis zugeschickt", hieß es dort.

Also abwarten - und dann vorsorglich doch eine Ersatzbankkarte geordert. Die hatte der Verlierer bereits komplett mit PIN-Nummer zu Hause, als die Überraschungssendung vier Wochen nach dem Verlieren eintraf. Aber wie kam die Geldbörse ins hessische Marburg?

Die WT erkundigte sich bei Postpressesprecher Stefan Heß. "In Marburg ist die Zentrale für solche Sendungen", erklärte er. "Solche Sendungen" sind beispielsweise Schlüssel, die beim Frankieren aus einem aufgerissenen Umschlag fallen, oder Briefe und Päckchen, die wegen fehlender Adresse "unanbringlich" sind. Und auch Portemonnaies ohne Geld wie das des Lotter Bürgers.

"Es geschieht häufig, dass der Finder die Euro herausnimmt und die Geldbörse dann samt Inhalt in einen Postkasten wirft", berichtete Heß. Nach dem Leeren kommt die Sendung in eines der bundesweit 84 Briefzentren.

Für den Bereich 49 ist das in Osnabrück zuständig. Aber: "Die Institutionen vor Ort dürfen adressenlose Sachen nicht öffnen. Dazu sind nur die Kollegen in Marburg befugt", erklärte der Postler.

Aus dem Grund reiste das Lotter Portemonnaie nach Marburg. Dort fanden die "Fahnder für Unanbringliches" die Adresse auf dem Personalausweis und schickten die Fundsache nach Lotte - Fall gelöst. "Das ist bei uns ein Klassiker und das kostenfreie Zusenden unser Service", sagte Stefan Heß.

100 Marburger Postmitarbeiter bekommen jährlich durchschnittlich 12000 derartige Fälle auf die Tische. "Bei Einschreiben und Geldbörsen ist die Aufklärungsquote mehr als 90 Prozent, weil in Letzteren häufig Karten oder Ausweise stecken", betonte Heß. Gehen Autoschlüssel verloren, setzten die Kollegen darauf, dass die Betroffenen einen Nachforschungsantrag stellen. In solchen Fällen könnten zirka 50 bis 60 Prozent den Eigentümern wieder zugestellt werden.

"Beim Öffnen von adressenfreien Päckchen kommen die eigentümlichsten Dinge zum Vorschein. Wir haben schon vieles gefunden - vom Kuscheltier bis zur Pornografie", meinte Heß schmunzelnd.

So oder so: Dem Lotter bleibt ein bitterer Beigeschmack. Zwar sei er froh, das Portemonnaie samt Karten wiederbekommen zu haben. Aber: "Ganz so weit ist es heutzutage mit der Ehrlichkeit nicht her, sonst wäre das Geld drin geblieben. Oder der Finder hätte es direkt in meinen Briefkasten werfen können, weil ja der Personalausweis drin war", meinte er dennoch halbwegs versöhnt, weil er nun die Hintergründe für die Post von der Post kennt.


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