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Texte frauen- und schwulenfeindlich „Zuhälter-Rap“ soll auf den Index - Bremen wehrt sich gegen Musiker Kollegah

Von Eckhard Stengel


Bremen. Bisher störten sich nur wenige an seinen diskriminierenden und brutalen Texten – jetzt stößt er auf geballten Widerstand: Die Bremer Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe hat sich an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gewandt, um frauen- und schwulenfeindliche Lieder des bundesweit bekannten Rappers Kollegah auf den Index setzen zu lassen. Das erfuhr unsere Zeitung von einer Sprecherin Hauffes.

Kollegah, dessen Musik als „Zuhälter-Rap“ firmiert, will bei seiner jüngsten Deutschlandtournee auch in Bremen auftreten. Doch gegen das Konzert am kommenden Mittwoch regt sich schon seit Tagen Protest, ähnlich wie in Bielefeld, wo der Rapper am Freitag auftritt.

Nach der Bremer DGB-Jugend und der Frauenbeauftragten forderte jetzt auch die SPD eine Absage des Auftritts – wegen der „extrem frauenverachtenden, homophoben und gewaltverherrlichenden Liedtexte“.

Ein Bremer Musikclub hatte das Konzert mit den Worten angekündigt: „Hochkreative Wortspiele, gepaart mit einer herausragenden Raptechnik, verpackt in humorvollen, unterhaltsamen Texten“. Die Kritiker konterten mit Zitaten aus Kollegah-Songs: „Ey, ich schlage hobbymäßig mit ’nem Stock schwule Rapper“ oder „Ich bau Aggressionen ab durch Vergewaltigung von Bordsteinschlampen“.

Der Musikclub wies alle Proteste zurück: „Auch wenn sich uns bei solchen Texten die Haare sträuben, sind sie in der Szene üblich und werden nicht als Aufforderung zu Gewalt gegen Frauen, Homosexuelle etc. verstanden.“ Wenn Kollegah unbeanstandet in anderen Bundesländern auftreten dürfe, wäre es „absoluter Quatsch, nur das Bremer Konzert verhindern zu wollen“.

Kollegahs Plattenfirma Selfmade Records schreibt auf ihrer Internetseite, dass Hip-Hop-Musik nun mal von Grenzüberschreitungen und Übertreibungen lebe. Es sei „nachvollziehbar, dass Kollegahs Texte für Außenstehende nicht vertretbar sind“; aber solange die Songs nicht rechtswidrig seien oder auf dem Index der jugendgefährdenden Medien stünden, seien Verbote nicht gerechtfertigt. Im Übrigen, so die Firma, halte der Musiker jeden für gleichberechtigt, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und sexueller Neigung. „Sollten die Textstellen einen anderen Eindruck vermittelt haben, so bittet Kollegah hierfür um Entschuldigung.“

Sarah Ryglewski, stellvertretende SPD-Landesvorsitzende und Bremer Juso-Vorsitzende, meint dagegen, solche Texte seien „keine Unterhaltung oder Teil der Jugendkultur, sondern schlichtweg menschenverachtend“.

Falls die Bundesprüfstelle den Indizierungs-Vorstoß aus Bremen aufgreift, dürfen Kollegahs Lieder nicht mehr für Jugendliche zugänglich gemacht werden – allen Entschuldigungen zum Trotz.

In Bielefeld hatten die Proteste gegen den Rapper-Auftritt einen etwas anderen Effekt als erwartet: Plötzlich interessierten sich so viele Fans für das Konzert, dass es jetzt in einen größeren Saal verlegt wird.