zuletzt aktualisiert vor

Letzte Chance für das Mickelmeer

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Zusammengeschrumpft auf wenige Meter ist die offene Wasserfläche des Mickelmeers. Im Bild Siegfried Forstreuter, Leiter der Revierförsterei Freren. Foto: Ludger JungeblutZusammengeschrumpft auf wenige Meter ist die offene Wasserfläche des Mickelmeers. Im Bild Siegfried Forstreuter, Leiter der Revierförsterei Freren. Foto: Ludger Jungeblut

. Die offene Wasserfläche des Mickelmeers im Wald zwischen Baccum und Thuine südlich der B 214 hat nur noch die Größe eines Wasserlochs.

Das wurde bei der Besichtigung des Umweltausschusses und des Ortsrates Baccum deutlich. Pfeifengras und Flatterbinsen dominieren jetzt die fünf Hektar große Niederung, die früher zumindest teilweise unter Wasser stand. „Diese Pflanzenarten sind Indikatoren für entwässerte Moore“, erläuterte Karin Schreiner, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Lingen.

Nach ihren Worten ist das Mickelmeer bereits 15000 Jahre alt. Es entstand während der Eiszeit in einer Dünensenke. Es bildete sich eine wasserundurchlässige Bodenschicht aus Geschiebelehm, die auf eine Ausblasungsmulde zurückzuführen ist. Vor mehr als 50 Jahren wurde es als Naturdenkmal ausgewiesen. Bis heute ist es Lebensraum für teilweise seltene Tiere und Pflanzen wie zum Beispiel das Sumpfblutauge, die Moorlilie, die Glänzende Binsenjungfer, die Hochmoor-Mosaikjungfer (beide sind Libellen), der Moorfrosch, der Moosbeerenbläuling (ein Tagfalter) und die Kreuzotter.

Doch möglicherweise droht dem Mickelmeer in den nächsten Jahren der Garaus. Offenbar begünstigt durch die niederschlagsarmen Jahre seit 2003 (Ausnahme war nur 2007), siedeln sich Gehölze an und entziehen dem Naturdenkmal noch mehr Wasser. Ein Teufelskreis. „Im Herbst wollen wir deshalb erneut Büsche entfernen lassen“, kündigte Frau Schreiner an. Ob die Austrocknung nur auf die geringen Niederschlagsmengen zurückzuführen ist oder zum Beispiel auch durch Gräben mitverursacht wurde, soll jetzt mithilfe eines knapp 10000 Euro teuren Gutachtens des Ingenieurbüros Hofer & Pautz aus Altenberge untersucht werden. Vorgesehen sind eine aktuelle Vegetationskartierung, eine GPS-Vermessung, das Setzen von drei Moorwasserpegeln und die Erfassung der Stratigrafie (Schichtenkunde). „Wir müssen der Sache auf den Grund gehen“, betonte die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde.

Die Ergebnisse der Untersuchung sollen im Spätherbst vorliegen. Dann erhofft sich der Ausschuss Klarheit darüber, ob das Mickelmeer noch zu retten ist. Auch der Leiter der Revierförsterei Freren, Siegfried Forstreuter, erwartet von dem Gutachten klare Aussagen. Bernd Teschke warf die Frage auf, ob es nicht ohnehin besser sei, der Natur ihren Lauf zu lassen.

In der Sitzung des Umweltausschusses im Rathaus erläuterte Karin Schreiner Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in 2010. Die Erhaltung von geschützten Naturschutzflächen ist eine Pflichtaufgabe der Naturschutzbehörde. Insgesamt handelt es sich um etwa 170 Einzelmaßnahmen in 100 Gebieten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN