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Trauer um US-Diplomat Richard Holbrooke Der Macher ist tot

Von dpa

Richard Holbrooke: Diplomat für heikle Missionen. Foto: dapdRichard Holbrooke: Diplomat für heikle Missionen. Foto: dapd

Washington. US-Präsident Barack Obama war im Januar 2009 kaum im Amt, da machte er Richard Holbrooke zu seinem starken Mann in Afghanistan und Pakistan, schickte ihn als Sondergesandten an die Front im Kampf gegen den Terrorismus. Einen versierteren Diplomaten für den Einsatz auf solch schwierigem Terrain hätte der neu gewählte Präsident kaum aufbieten können. Holbrooke konnte eine rund 45-jährige Erfahrung in der Außenpolitik vorweisen – gespickt mit zahlreichen diplomatischen Erfolgen.

Schon unter dem früheren Präsidenten Bill Clinton war er in den 90er-Jahren als Feuerwehrmann bei europäischen Krisen im Einsatz. Als sein „Meisterstück“ gilt das Ende 1995 besiegelte Friedensabkommen von Dayton (US-Staat Ohio) zwischen Serben, Moslems und Kroaten in Bosnien. Die Hoffnung, Außenminister zu werden, blieb ihm aber verwehrt.

Ob bei Konflikten in Bosnien, im Kosovo oder auf Zypern – der Freund klarer Worte agierte in Verhandlungsmarathons mit Hartnäckigkeit und Brillanz – aber immer auch mit einer Portion Kaltschnäuzigkeit.

Holbrooke wurde am 24. April 1941 in New York City geboren. Seine Mutter stammte aus Stuttgart. Doch das war nicht seine einzige Verbindung nach Deutschland. Im September 1993 ging er als US-Botschafter nach Bonn, wo er jedoch nur neun Monate blieb.

Der erfolgsverwöhnte Diplomat war in seinem Leben aber auch ein veritabler Geschäftsmann: 1985 übernahm er für acht Jahre eine leitende Position in der inzwischen pleitegegangenen Investmentbank Lehman Brothers. Mit seinen Ausflügen in die Wirtschaft machte er sich nicht nur Freunde.

Als Sondergesandter in Afghanistan arbeitete er zuletzt vor allem an Kontakten zu Taliban-Führern. Eine tragische Laune des Schicksals, dass er seinen fatalen Zusammenbruch ausgerechnet im State Department erlitt – während eines Treffens mit Außenministerin Hillary Clinton.In seiner diplomatischen Laufbahn kam kam Holbrooke gelegentlich auch ins Stolpern. Der US-Senat ließ den als aggressiv, karrierebewusst und geltungssüchtig beschriebenen Diplomaten mehr als ein Jahr schmoren, bis er ihn zum UN-Botschafter in New York berief. Auch in seiner Rolle als Sondergesandter in Südasien war er nicht unumstritten.Mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai kam er kaum klar, mehrfach kursierten Gerüchte über seine Abbestellung. Aus dem Team des damaligen US-Oberbefehlshabers in Afghanistan, General McChrystal, verlautete im Sommer gar, Holbrooke verhalte sich unberechenbar wie ein „verwundetes Tier“.