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Zahlte Zeitarbeitsfirma sittenwidrigen Lohn? Arbeitsgericht soll entscheiden

Klage eingereicht: Die Industriegewerkschaft Bau will gegen einen Personaldienstleister vorgehen, der einen sittenwidrigen Lohn zahlen soll.Klage eingereicht: Die Industriegewerkschaft Bau will gegen einen Personaldienstleister vorgehen, der einen sittenwidrigen Lohn zahlen soll.

Nach rund 50 Stunden Arbeit hatte Hubert W. aus dem Landkreis Osnabrück „die Schnauze voll“, wie er es formuliert. Er hatte bei einem Personaldienstleister als Fahrer angeheuert, fuhr die Zeitarbeiter mit seinem Privatwagen zu ihren Einsatzorten, den Sprit zahlte er selbst. Und am Ende bekam er wohl noch weniger Lohn als die 3,50 Euro pro Stunde, die im Arbeitsvertrag notiert waren.

Im Namen von Hubert W. wird die Industriegewerkschaft Bau deswegen jetzt Leistungsklage vor dem Arbeitsgericht Osnabrück einreichen. Der vereinbarte Lohn sei sittenwidrig, monieren die Arbeitnehmervertreter. Wie hoch das Gehalt war, ist dabei gar nicht so leicht festzustellen.

W. legt seine Lohnabrechnung vor: Drei Euro werden auf dem Schreiben pro Stunde ausgewiesen. Laut Arbeitsvertrag sollte er noch 3,50 Euro erhalten.

Nimmt man die von W. errechneten 50 Dienststunden, wird aber selbst dieses geringe Gehaltsniveau unterschritten. 100,50 Euro sind als eine Art Lohn für seine Aushilfstätigkeit ausgewiesen. Hinzukommen noch 278,80 Euro, die als Reisekosten aufgeführt sind.

Von der Gesamtsumme werden dann wiederum 150 Euro als nicht näher definierter Vorschuss abgezogen, sodass W. nach seinen zwei Wochen mit 50 Stunden Arbeit und fast 2000 gefahrenen Kilometern 227,29 Euro übrig blieben.

Spritgeld musste W. selbst zahlen

Wie sah W.’s Tätigkeit aus? Mit seinem Privatwagen habe er die Arbeiter hin und her gefahren. „Nach 400 Kilometern habe ich nachgefragt, wie das denn mit dem Tanken aussieht“, erinnert sich W. Sein Vorgesetzter habe ihm entgegnet, dass die Fahrer einen Vorschuss für Spritgeld beantragen sollen, der dann später wieder vom Lohn abgezogen werde.

1690 Kilometer in zwei Wochen

W. führte sehr genau Buch. Nicht zuletzt, weil die Firma auf einer Art Fahrtenzettel damit drohte, bei zu hoch angesetzten Kilometerzahlen, Strafen vom Lohn abzuziehen. W. hat seine Fahrten nachträglich addiert und kommt zu dem Ergebnis, dass er 1960 Kilometer in den zwei Wochen zusammengefahren hat.

Auch die Uhrzeiten hat er sich notiert. Allein am 19. März fuhr W. nach eigener Aufstellung insgesamt sechs Touren. Die erste startete nach seiner Auflistung um 0.15 Uhr, es folgten weitere um 4.30, 12.30, 13, 16.30 und um 19.15 Uhr. „Das schaffe ich nicht mehr lange“, habe W. zu seinem Vorgesetzten gesagt. Die unregelmäßigen Arbeitszeiten hätten sich nicht mit seinem Diabetes vertragen.

Insgesamt sei der Fahrdienst chaotisch organisiert gewesen, zu wenige Fahrzeuge für zu viele Arbeiter. „Am Wochenende gab es eine SMS vom Vorgesetzten: ,Denkt dran, heute ist Wochenende‘“ erinnert sich W. Damit hätten die Fahrer angehalten werden sollen, sämtliche Arbeiter mitzunehmen, vermutet er. „Manchmal sind nachts nämlich welche stehen geblieben.“

Lesen Sie die ganze Geschichte am Donnerstag in Ihrer Zeitung.


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