zuletzt aktualisiert vor

Dennoch hält der Reisekonzern am Verkauf seiner Restbeteiligung fest Hapag-Lloyd rettet TUI-Bilanz

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Hannover. Europas größter Reisekonzern TUI hat sich in die schwarzen Zahlen gerettet – aber nur dank des Booms seiner Reedereibeteiligung Hapag-Lloyd. Trotz der hohen Belastungen wegen der Aschewolke nach dem Vulkanausbruch in Island schloss die TUI das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2009/2010 mit Gewinn ab. Die Beteiligung an der noch vor einem Jahr von Insolvenz bedrohten Containerreederei Hapag-Lloyd bewahrte TUI vor Verlusten, dennoch will sich der Konzern davon trennen.

Unterm Strich standen 114 Millionen Euro Gewinn – fast 45 Prozent weniger als vor Jahresfrist, wie der Konzern gestern mitteilte. Der Vorjahreswert enthielt jedoch den Buchgewinn aus dem Mehrheitsverkauf von Hapag-Lloyd, wofür die TUI rund eine Milliarde Euro erlöste. In diesem Jahr trug die Reederei, an der TUI noch 43,3 Prozent hält, mit ihrem boomenden Geschäft 150 Millionen Euro zum Gewinn bei.

Obwohl die nach der Krise wieder florierende Containerschifffahrt die Konzernbilanz rettete, hält TUI-VorstandsChef Michael Frenzel an dem Plan fest, die Beteiligung abzustoßen. „Hier gibt es kein Zurück“, sagte er. Hapag-Lloyd sei wieder in sicherem Fahrwasser unterwegs: „Wir verfügen dadurch über Mittel und Optionen, die wir vor einem Jahr kaum für möglich gehalten haben.“ Der hohe Einsatz der Tui zur Rettung der Schifffahrtsgesellschaft in der Krise habe sich gerechnet.

In der Gesellschafterversammlung der Hapag-Lloyd sei mit dem Hamburger Eigentümerkonsortium vereinbart worden, einen Börsengang oder den Verkauf von Hapag-Lloyd an Investoren zu prüfen. Dabei werde ein Börsengang vorgezogen, sagte Frenzel. „Wir sehen dafür in 2011 gute Chancen.“Zur Verwendung des Verkaufserlöses gebe es noch keine Beschlüsse. Frenzel geht aber davon aus, dass er sowohl zum Schuldenabbau als auch zum Ausbau des Reisegeschäfts genutzt werde. Auf dem Konzern lasten noch immer2,3 Milliarden Euro Schulden.

Das TUI-Veranstaltergeschäft geriet im vergangenen Geschäftsjahr tiefer in die roten Zahlen. Die Tochter TUI Travel machte ein Minus von 124 Millionen Euro. Der Umsatz in den touristischen Segmenten des Konzerns ging um 1,5 Prozent auf 16,3 Milliarden Euro zurück. Durch eine restriktive Kapazitätsplanung hätten Überangebote und ruinöse Preiskämpfe vermieden werden können.

Neben dem schwächelnden britischen Reisemarkt und hohen Restrukturierungskosten vor allem in Großbritannien und Frankreich litt die Reise-Tochter entscheidend unter der Sperrung des Luftraums nach dem Vulkanausbruch in Island. Die Kosten dafür bezifferte Tui auf 127 Millionen Euro.Noch „schmerzhafter“ als die Aschewolke hätten den Konzern die systematischen Buchungsfehler getroffen, die bei TUI Travel vor einigen Wochen entdeckt worden seien, sagte Frenzel. Sie zogen Wertberichtigungen von 122 Millionen Euro nach sich, der Finanzvorstand bei Tui Travel wurde ausgetauscht. Es sei vereinbart worden, dass einige Rechnungswesen-Funktionen von London nach Hannover verlegt würden, sagte der Tui-Chef.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN