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Die Wildpferde sind als Landschaftspfleger da

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Zunächst mutet es etwas kurios an, dennoch ist es weder ein April-Scherz noch eine Zeitungsente. Im Naherholungsgebiet Wacholderhain in Haselünne werden Wildpferde zur Landschaftspflege eingesetzt.

Am Samstag, 15. Mai, wird die kleine Herde in ihre Haselünner Freiheit entlassen. Wer sich dieses Schauspiel nicht entgehen lassen möchte, sollte sich rechtzeitig um 11 Uhr auf dem Parkplatz Wacholderhainsee einfinden.

Neue Wege auf dem Gebiet des Naturschutzes und der Landschaftspflege beschreitet die Bürgerinitiative zum "Schutz der Natur im Naherholungsgebiet Wacholderhain" in Haselünne. Auf einem Areal von 65 Hektar sollen die Wildpferde, es handelt sich um Rückzüchtungen von Tarpanen, gemeinsam mit den Hochlandrindern den Wacholderhain beweiden und damit helfen, den ursprünglichen Naturraum zu erhalten. Das wohl einmalige Projekt in Deutschland zeichnet sich dadurch aus, das erstmalig die mausgrauen Tarpane, die ursprünglich in der südrussischen Steppe beheimatet waren, zur Landschaftspflege eingesetzt werden. Peter Berlin, erster Vorsitzender der Bürgerinitiative, erklärt, warum die Wahl ausgerechnet auf den Tarpan fiel: "Es sind robuste Pferde, die ganzjährig draußen gehalten werden können und die keine Pflege benötigen, auch keine Hufpflege. Einmal im Jahr muss lediglich eine Wurmkur verabreicht werden. Außerdem zeichnen sich Tarpane durch ihre Umgänglichkeit aus."

Die Mischbeweidung von Pferden und Rindern hat auf der Fläche Tradition. Bereits 1937 wurde das Gebiet, das an Ausdehnung, Eigenart und Artenreichtum als wohl einmalig in ganz Deutschland gilt, als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Seit altersher diente die Fläche den Haselünner Bürgern als gemeinschaftliche Kuhweide. Ernst Plenz, zweiter Vorsitzender der Bürgerinitiative, der 1953 als Kind mit seinen Eltern nach Haselünne kam, kann sich noch gut daran erinnern, wie früher die Kuh und das Pferd der Familie zusammen mit den anderen Tieren des Ortes auf die Gemeinschaftsweide gebracht wurden.

Der Wacholderhain zeichnet sich durch den wohl größten zusammenhängenden Wacholderbestand in Deutschland aus, der der Naturschutzfläche auch seinen Namen gab. Weitere Besonderheit sind der Sandrasen sowie seltene Gräserarten, wie zum Beispiel das Borstgras. Einen ganz besonderen Reiz stellen die alten Arme der Hase dar, die das Gebiet durchziehen und den Tieren als Wasserquelle dienen. Jetzt sollen die Tarpan-Stuten Nokia, Nele und Maike, die übrigens alle in Kürze Nachwuchs erwarten, zusammen mit den Hochlandrindern dafür sorgen, dass die Natur im Wacholderhain intakt bleibt. Damit der Tarpan-Nachwuchs gesichert ist, gesellt sich nach der Niederkunft der drei Pferdedamen noch ein Hengst dazu, der ebenfalls beim Züchter Dr. Georg-Wilhelm Gaede angekauft wurde. Der pensionierte Tierarzt aus Wiesmoor hat es sich zum Lebenswerk gemacht, die ausgestorbenen Tarpane zurückzuzüchten. Als Basis dienten ihm polnische Koniks.

Das Areal des Wacholderhains kann von Besuchern auf ausgewiesenen Wegen durchquert werden. Ein Lehrpfad klärt über Pflanzen, Tiere und ökologische Eigenarten auf.


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