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"Das Finanzamt Osnabrück ist besser als sein Ruf"

Der Schriftzug über dem Eingang des Finanzamtes Osnabrück Stadt ist denkmalwürdig. Den Schluss, dass drinnen ebenfalls nach museumsreifen Methoden gearbeitet wird, könnte man nach dem Capital-Finanzämtertest ziehen. Behördenchef Heinrich Berelsmann wehrt sich gegen den Vorwurf.Der Schriftzug über dem Eingang des Finanzamtes Osnabrück Stadt ist denkmalwürdig. Den Schluss, dass drinnen ebenfalls nach museumsreifen Methoden gearbeitet wird, könnte man nach dem Capital-Finanzämtertest ziehen. Behördenchef Heinrich Berelsmann wehrt sich gegen den Vorwurf.

Das Finanzamt Osnabrück Stadt schneidet beim gestern veröffentlichten bundesweiten Finanzämter-Test des Wirtschaftsmagazins Capital nicht berauschend ab: Platz 496 von 572 getesteten Ämtern. Damit liegt das Stadtfinanzamt nicht nur im hinteren Drittel, sondern ist auch vom Finanzamt Osnabrück Land abgehängt. Vorsteher Heinrich Berelsmann, Chef des Finanzamtes Stadt, sieht sich und seine Truppe aber in besserem Licht.

"Ich kann diese Untersuchung nicht beurteilen", sagte Berelsmann gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Er kenne weder die Fragen der Tester noch die Ergebnisse im Detail. Allerdings: Bei der Anzahl der befragten Berater sei er nicht nicht sicher, ob das Ergebnis der Untersuchung repräsentativ sein könne. Runtergerechnet dürften bei insgesamt 2800 Befragten nur etwa acht Berater ihre Ansicht über das Osnabrücker Finanzamt mitgeteilt haben. Die Behörde hat aber mit 700 bis 800 Beratern zu tun.

Und was zum Beispiel das Kriterium Schnelligkeit angehe, brauche sich sein Haus nicht zu verstecken. 70 bis 80 Prozent der Steuerbescheide für Arbeitnehmer gingen in drei bis vier Wochen nach dem Eingang der Unterlagen heraus. Das sei ein gutes Ergebnis und schon aus technischen Gründen derzeit kaum zu unterbieten. Auch die Einkommensteuererklärungen würden recht flott bearbeitet: 7 bis 8 Wochen müssten die Steuerpflichtigen auf die Bescheide warten.

Seit Anfang des Jahres hat das Finanzamt Stadt eine Infothek im Haus. In diesem Bürgerbüro für Steuerpflichtige beraten vier Mitarbeiter im Tagesdurchschnitt rund 200 Rat Suchende. Die Resonanz sei gut, habe ihm das Team der Infothek berichtet.

Es gebe eine Hotline, über die möglichst aktuell die neuesten gesetzlichen Regelungen erläutert werden sollen. Berelsmann räumt ein, dass das für seine Mitarbeiter nicht immer leicht sei. "Wir können ja montags auch nichts Verbindliches über das sagen, was am Wochenende gerade in Berlin diskutiert wurde." Wenn im Fernsehen zum Beispiel wieder einmal Überlegungen zum Thema Rentenbesteuerung gemeldet wurden, sehen sich die Hotline-Mitarbeiter am nächsten Tag einer Flut von Anfragen ausgesetzt, zu denen sie nichts sagen könnten. Durch regelmäßige interne Fortbildung versuche man jedoch zu erreichen, dass alle Mitarbeiter so fit wie möglich sind.

Berelsmann räumt ein: "Wir sind eine Eingriffsbehörde, und da gibt es halt Konfliktpotenzial." Thomas Höltermann, Vorstandsmitglied der Steuerberaterkammer Niedersachsen aus Osnabrück, sieht es ähnlich. Es gebe immer mal Streit, zum Beispiel um Abgabefristen. Aber die Zusammenarbeit der Steuerberater mit der Behörde sei viel problemloser, als es oft aussieht: "Das Finanzamt Osnabrück Stadt ist besser als sein Ruf." Die regelmäßig stattfindenden "Klimatagungen" hätten sich bewährt, um kleinere Unstimmigkeiten zwischen Amt und Beratern aus dem Weg zu räumen. Nicht ganz so freundlich fällt die Beurteilung von Steuerberater Karl Fasel aus, Ortschef des Steuerberaterverbandes. Sicher: Auch die Beamten litten unter dem "Steuerchaos". Aber im direkten Vergleich mit den Finanzämtern in Nordrhein-Westfalen, in Ibbenbüren oder Steinfurt zum Beispiel, machten die Niedersachsen eindeutig die schlechtere Figur.


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