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Talente sollen besser gefördert werden – Diskutanten einig: Nur in Meppen möglich Fußballkreis will Leistungszentrum

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Estringen. Auch in Estringen war er zu sehen: Thilo Leugers, Fußball-Talent aus Andervenne, gab am Dienstag sein Debüt in der Champions League – für Twente Enschede, gegen Bremen. In einem Saal, wenige Meter entfernt von dem Fernseher, bat unterdessen der Fußballkreis zur Diskussion. Es ging um Jungs wie Leugers und die Frage: Wie können solche Talente im Emsland besser gefördert werden? Die Idee: ein Leistungszentrum in der Mitte des Landkreises – in Meppen.

Vertreter jener Vereine, die mit ihren Jugendmannschaften zumindest in der Bezirksliga vertreten sind, hatte der Fußball-Kreis geladen, um ihnen zu präsentieren, welche Lösung sich der Verband vorstellt. „Unser hehres Ziel ist es, dass alle Vereine davon profitieren“, sagte Kreisvorsitzender Hubert Börger, der betonte: „Es ist ein einstimmiger Beschluss des Kreisvorstandes, dass wir das umsetzen wollen. Aber es geht nur mit euch: Ich hoffe, dass ihr mitmacht.“

Ansgar Lammers, Lehrausschuss-Vorsitzender des Fußball-Kreises, skizzierte die derzeitige Situation im emsländischen Jugendfußball und einen Lösungsansatz. 28 Jugendteams spielten derzeit auf Bezirksebene oder darüber, so Lammers. „Das ist sehr, sehr wenig.“ Ein Grund: Viele Vereine stoßen sehr früh an ihre Grenzen, wenn es darum geht, Talente ab einem bestimmten Punkt weiterzuentwickeln.

Früh zieht es die Hochveranlagten deshalb derzeit über die Landkreisgrenze hinaus. Etwa zum niederländischen Meister Twente Enschede, bei dem unter anderen in der Jugend Mirco Born, Peter Gebben (beide U-17-Nationalmannschaft) und Jannik Jesgarzewski (NFV-Auswahl, DFB-Lehrgangsmaßnahmen) ausgebildet werden – und eben Leugers nunmehr sein Champions-League-Debüt feierte. „Eine leistungsgerechte Ausbildung für Top-Talente ist derzeit im Emsland nicht vorhanden“, sagte Lammers. Jürgen Betzold, als Koordinator für die DFB-Stützpunkte in Sögel und Baccum verantwortlich, betonte, dass ein „Mittelzentrum“ dem Emsland für die Fußballausbildung guttäte, und unterstrich: „Als Verbandstrainer möchte ich einem Spieler raten können: Geh zum regionalen Verein, da wird richtig gut gearbeitet – aber momentan habe ich da meine Bedenken.“

Als Lösungsansatz stellte Lammers das Konzept der Fußball-Kreise in Osnabrück und des VfL Osnabrück vor: Der Zweitligist kooperiert mit den DFB-Stützpunkten vor Ort, wo die Talente bis zur U13 gefördert werden, während sie für den Heimatverein spielen. Den Top-Talenten wird der Weg in den VfL-Leistungsbereich empfohlen.

Im Gegenzug verzichtet der Bundesligist auf Jugendteams unterhalb der U 14. Vorteil: Die Kinder sind lange Zeit in ihrem gewohnten Umfeld. Und: Sie werden gefordert. Eine zu frühe Konzentration der Leistungsstarken sei der Entwicklung abträglich, erläuterte Lammers: „Wie entwickelt sich ein D-Jugend-Torwart bei einem Torverhältnis von 158:3? Gar nicht.“

Die notwendigen Punkte für ein Leistungszentrum im hiesigen Landkreis, so Lammers, seien: eine zentrale Lage im großflächigen Emsland, das Nutzen von vorhandenen Strukturen und die Sicherung der Finanzierung von z.B. hoch qualifizierten Trainern, Fahrdiensten, Infrastruktur und medizinischer Betreuung. Im Zentrum müssten eine vielseitige Bewegungsschulung, altersgemäße und ganzheitliche Ausbildung, Spezialisierung zum richtigen Zeitpunkt, partnerschaftlicher Umgang der Ausbilder sowie Klarheit und Transparenz für alle Beteiligten gewährleistet sein. Zudem müsste das Leistungszentrum bzw. der Verein, bei dem dieses angesiedelt ist, Kooperationen mit Schulen suchen und auch mit Bundesliga-Vereinen, um Talenten die Chance geben zu können, Profi zu werden.

Börger betonte, dass seitens Werder Bremen bereits Bereitschaft für eine solche Partnerschaft (und finanzielle Unterstützung) signalisiert worden sei. Zudem müssten Landkreis, Wirtschaft, die Stadt Meppen, Sporthilfe und andere Förderer ins Boot geholt werden: „Das wäre unsere Aufgabe – ohne Sponsorengeld von Vereinen abzuziehen.“

Die Vorteile für alle Vereine im Emsland, so Lammers, wären die Ausbildung der Spieler auf hohem Niveau (auch jener, die den Sprung in den Leistungsfußball nicht schaffen), kein sinnloses Abwerben mehr sowie klare Regeln für Wechsel und die Vergütung der Ausbildung.

In der Diskussion nach Lammers’ Ausführungen herrschte bei den Vereinsvertretern Einigkeit, dass es sich um eine gute Idee handele und ein solches Leistungszentrum nur beim SV Meppen umsetzbar sei. Auch Börger betonte: „Ich bin kein Meppener – aber es ist nun einmal der SV Meppen.“


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