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„Der Windpark hat zu kurze Flügel“

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Vor zwölf Jahren wurde der Windpark Renkenberge/Sustrum/Fresenburg in Betrieb genommen. Es stehen dort 32 Anlagen mit einer Nennleistung von je 1,5 Megawatt. Foto: Aloys SchulteVor zwölf Jahren wurde der Windpark Renkenberge/Sustrum/Fresenburg in Betrieb genommen. Es stehen dort 32 Anlagen mit einer Nennleistung von je 1,5 Megawatt. Foto: Aloys Schulte

D er Windpark Renkenberge/Sustrum in der Samtgemeinde (SG) Lathen zählt zu den ersten, die im Emsland in Betrieb genommen wurden. Er ist, was Leistung und Ertrag angeht, allerdings nicht mehr auf dem neuesten Stand. Das will die Betreibergesellschaft BVT mit einem sogenannten Repowering ändern – aber es gibt Schwierigkeiten mit einigen Grundeigentümern, die Flächen an das Unternehmen verpachtet haben.

Vor drei Jahren hatte die BVT nach Angaben von SG-Bürgermeister Karl-Heinz Weber überlegt, den Park zu verkaufen. Daraufhin gründete sich die Windpark-Fresenburg-Renkenberge GmbH (WFR), die unter Führung der AgRo GmbH aus Twist den Park übernehmen und repowern wollte. Rund 30 der 70 Verpächter schlossen sich laut Weber der neuen Gesellschaft an. Viele von ihnen seien auch nicht mit den bis dahin von der BVT gezahlten Vergütungen einverstanden gewesen. Weber: „Die Zahlungen entsprechen zurzeit sechs Prozent der Stromeinspeisevergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Leider waren die Erträge nicht so hoch, wie erwartet.“

Das bestätigte auf Anfrage Dr. Claus-Eric Gärtner, bei der BVT-Unternehmensgruppe Leiter des Bereichs Energie und Umwelt. „Wir haben nicht die 1998 erhofften Erlöse erzielt. Bis heute haben wir nur in zwei Jahren die prognostizierte Windausbeute gehabt.“ Zudem hätten sich die Anlagen für das Binnenland als zu klein erwiesen. Gärtner: „Der Windpark hat zu kurze Flügel.“ Die Rotoren der Firma N-E-C MICON seien für stärkeren Wind an der Küste ausgelegt. „Bei 100 Prozent Wind kommen wir in Renkenberge auf eine Energieausbeute von 85 Prozent. In Emlichheim, unserem zweitgrößten Park mit 21 Anlagen, sind es bei gleichem Wind aber 103 Prozent.“ Deshalb sei ein Repowering für alle Beteiligten die beste Lösung. Dabei gehe es um eine Investitionssumme von rund 110 Millionen Euro. Mit den neuen Anlagen könne die Nennleistung von jetzt 48 auf 78 Megawatt erhöht werden. Dies werde sich natürlich auch in den prozentualen Anteilen der Verpächter niederschlagen. Diese bekommen nach Informationen unserer Zeitung momentan 600 Euro pro Jahr und Hektar, im Falle eines Repowerings könnte sich der Betrag aber durchaus verdoppeln.

Ein Verkauf des Parks ist Gärtner zufolge inzwischen endgültig vom Tisch. Dies habe nicht zuletzt mit dem Einstieg von zwei Energiever-sorgern aus der Schweiz zu tun. Wie berichtet, hatten die Wasserwerke Zug AG und die Energie Thun AG zusammen 31 Prozent am Windpark Sustrum/Renkenberge/Fresenburg übernommen. Die Absicht, im Emsland weiterzumachen, belege auch, dass die BVT einen Bauantrag für drei neue Windanlagen gestellt habe. Sie sollen eine Nennleistung von je 2,3 oder 3,0 Megawatt haben. Die 32 existierenden Rotoren kommen auf eine Leistung von je 1,5 Megawatt.

Gärtner: „Wir wollen das Repowering für den ganzen Park. Das ist aber nur möglich, wenn die Gemeinde, die Kommanditisten und die Verpächter mitziehen.“ Ob dann auch neue Verträge abgeschlossen werden müssen, ist laut Gärtner zurzeit noch nicht abschließend geprüft. Die alten Pachtverträge haben eine Laufzeit von 30 Jahren. Sollte sich keine Einigung erzielen lassen, werde der Park eben unter den bisherigen Bedingungen weitergeführt, so Gärtner.

Für die AgRo-Energie aus Twist sagte Geschäftsführer Wilhelm Pieper, es gehe nicht darum, aus den bestehenden Verträgen auszusteigen. „Das ist nicht unser Ziel. Wenn sich aber eine neue Situation ergibt, stehen wir bereit.“ Es gehe letztlich um zukünftige Projekte, bei denen vor allem auch die Bürger beteiligt werden sollen. Das sei 1996 versäumt worden.

Bei einer Informationsveranstaltung für die Verpächter hatte SG-Bürgermeister Weber allerdings darauf hingewiesen, dass damals sehr wohl für alle Bürger der SG die Möglichkeit bestanden habe, Anteile zu erwerben. Das sei aber nicht geschehen.

Die BVT-Unternehmensgruppe setzt nach den Worten von Gärtner auf eine einvernehmliche Lösung, aber es werde kein Repowering um jeden Preis geben.


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