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Wie entsteht und warum zerfällt ein Weltreich?

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Von Spanien bis Kleinasien und von England bis Nordafrika erstreckte sich in seiner größten Ausdehnung das Römische Reich. Wie wurde es zusammengehalten, was verband die unterschiedlichen Völker – und woran scheiterte das römische Zentralreich? Diesen Fragen geht der wissenschaftliche Kongress nach, den die Uni Osnabrück zusammen mit der Stadt Osnabrück und der Göttinger Akademie der Wissenschaften im Varusjahr veranstaltet.

Vom 14. September, ein Montag, bis zum darauffolgenden Freitag, 18. September, finden die Vorträge und Diskussionen zumeist im Juridicum der Uni am Heger-Tor-Wall statt. Exkursionen nach Kalkriese, Detmold und Haltern schließen dann die Tagung ab.

Militärisch wurde die „Pax Romana“ nur an den Außengrenzen des Reiches gesichert. Nach innen hin setzte Rom auf die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Integration der lokalen Bevölkerung. Die Mittel und Wege zum Erfolg waren vielfältig: Die lokalen Oberschichten wurden gefördert und bekamen Aufstiegsmöglichkeiten. Selbst Gallier oder Nordafrikaner machten Karriere, ethnische Abgrenzung oder gar Rassismus war bei dieser Politik eher kontraproduktiv.

Freier Handel über große Entfernungen, standardisierte Produkte für einen riesigen Markt führten zu Wohlstand. Zugleich kam es auch zu einer kulturellen Globalisierung: Die Bürger des römischen Reiches wurden sich bewusst, Teil eines großen Ganzen zu sein. Architektur, Münzen, der Kaiserkult transportierten diese Ideologie und sicherten den ideologischen Zusammenhalt.

Grundsätzlich praktizierte Rom diese Integrationspolitik in allen Provinzen des Reiches, auch in Germanien diesseits des Limes. Ziel des Kongresses sei es deshalb, „über den Tellerrand zu schauen und die Ereignisse in Germanien besser zu verstehen“, sagte Organisator Dr. Günter Moosbauer gestern zum Konzept der von ihm organisierten Tagung. Damit werde dann auch erkennbar, warum die Varusschlacht zwar einen Wendepunkt in der Germanien-Politik Roms darstellte, aber bei Weitem noch nicht das Ende der Aktivitäten zwischen Rhein und Elbe bedeutete.

„Rom – Imperium zwischen Widerstand und Integration“, die Fragestellung dieses Kongresses reicht damit weit über das historische Ereignis des Jahres 9 und den Untergang des glücklosen Varus in den Sümpfen von Kalkriese hinaus. „Integration von fremden Völkern und Kulturen ist ja auch ein aktuelles Problem“, so Dr. Günter Moosbauer, „denn als es nicht mehr gelingt, kommt das Ende des Zentralreiches.“


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