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Nur kleine Chance auf Olympia DVV-Team geht die Luft aus

Von dpa

Muss sich ganz schön strecken: Die deutsche Corina Ssuschke-Voigt (links) versucht, den Ball gegen Nana Iwasaka zu platzieren. Foto: dpaMuss sich ganz schön strecken: Die deutsche Corina Ssuschke-Voigt (links) versucht, den Ball gegen Nana Iwasaka zu platzieren. Foto: dpa

dpa Tokio/München. Kurz ärgern, dann sammeln – und einfach nur hoffen: Zum Ausklang eines total verrückten Turniers dürfen die deutschen Volleyball-Frauen trotz eines neuen Rückschlags weiter von einem Happy End im Showdown um die ersten Olympia-Tickets träumen.

In einem Fünf-Satz-Krimi unterlag die Auswahl von Bundestrainer Giovanni Guidetti am Donnerstag in Tokio zwar unglücklich Gastgeber Japan mit 2:3 (20:25, 25:23, 27:25, 17:25, 12:15). Trotz der vierten Niederlage bewahrten sich Angelina Grün und Co. aber vor dem letzten Spieltag am Freitag dank des Punktgewinns immerhin eine kleine Chance auf das dritte Ticket für die Sommerspiele in London.

„Nach zehn Spielen werden wir nun versuchen, morgen zu gewinnen“, sagte Grün nach der unglücklichen Niederlage, durch die die Frauen des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) ihre gute Ausgangsposition im Kampf um den dritten Olympia-Startplatz einbüßten. „Und dann werden wir sehen, was passiert.“

Am Freitag gegen den Tabellendritten China muss nun auf jeden Fall ein klarer Sieg her. Zugleich müssen die DVV-Schützlinge auf einen Erfolg der USA hoffen, die gegen Japan antreten. Nur dann ist die Olympia-Teilnahme noch drin.

Von solchen Rechenspielen wollte Guidetti nach der unglücklichen Niederlage gegen Japan aber erst einmal nichts wissen. Nach mehreren fragwürdigen Entscheidungen gegen sein Team war der Bundestrainer in seinem Ärger zunächst kaum zu bremsen. „Was heute passiert ist, ist schrecklich. Nach fünf Jahren Arbeit ist so ein Spiel mit so vielen unglaublichen Fehlern des Schiedsrichters sehr, sehr schlecht für mich und mein Team.“

Auch Mittelblockerin Corina Ssuschke-Voigt war über die Leistung der Unparteiischen entsetzt: „Was die Schiedsrichter heute gepfiffen haben, war in jeder Hinsicht nicht in Ordnung, nicht nur beim Matchball. Da ist echt Wut da, dass niemand der Verantwortlichen von offizieller Seite den Mumm hat, diese krasse Fehlentscheidung zu korrigieren. In Polen gibt es schon den Videobeweis, den man in kritischen Situationen anfordern kann. Es wird höchste Zeit, dass dies auch bei so wichtigen Turnieren eingeführt wird.“

Doch auch so war das erste Finale um den dritten Olympia-Platz hinter den bereits qualifizierten Teams der USA und Italien so verrückt wie das gesamte Turnier. Erst dominierte Japan, dann hatte das deutsche Team Oberwasser – und am Ende des mehr als zwei Stunden dauernden Thrillers hätten beide Teams den Sieg verdient gehabt. Am Ende entschieden die Schiedsrichter mit ihrer krassen Fehlentscheidung: Nachdem das deutsche Team den ersten von drei japanischen Matchballen abgewehrt hatte, schlugen die Japanerinnen den zweiten ins Aus – die Unparteiischen aber gaben den Ball gut.

Am letzten Spieltag ist für die Deutschen nun alles möglich – vom Olympia-Ticket bis zum Abrutschen auf Rang sechs noch hinter dem tief gestürzten Olympiasieger Brasilien. Damit Grün und Co. am Ende jubeln dürfen, sind sie auf Schützenhilfe der Amerikanerinnen angewiesen. „Unser erstes Ziel war die Olympia-Qualifikation, aber jetzt wollen wir dieses Turnier auch gewinnen“, versprach US-Spielführerin Lindsey Berg. Dann dürfte auch Guidetti wieder strahlen.