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Bohnenkamp-Stiftung: Kraftvoll wie die Firma

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Mit ihrer Unterschift besiegelte Gisela Bohnenkamp im Friedenssaal die Gründung der Bohnenkamp-Stiftung. Augenzeugen waren (von links) Franz-Josef Hillebrandt, Hans-Wolf Sievert, Albert Scherger und Boris Pistorius. Foto: Elvira PartonMit ihrer Unterschift besiegelte Gisela Bohnenkamp im Friedenssaal die Gründung der Bohnenkamp-Stiftung. Augenzeugen waren (von links) Franz-Josef Hillebrandt, Hans-Wolf Sievert, Albert Scherger und Boris Pistorius. Foto: Elvira Parton

Osnabrück ist um eine bedeutende Stiftung reicher. Gisela Bohnenkamp, Seniorchefin der Bohnenkamp AG, hat mit einem Kunstgriff eine Stiftung geschaffen, die Gewinne des Unternehmens steuerfrei für gute Taten nutzen kann.

Die „Friedel-und-Gisela-Bohnenkamp-Stiftung“ gehöre zu den großen Stiftungen in Osnabrück, sagte Oberbürgermeister Boris Pistorius während der Unterzeichnung der Stiftungsurkunde im Friedenssaal. Die Stadt sei „sehr, sehr dankbar“ für das außerordentliche Engagement der Familie. Das Stiftungskapital beträgt zehn Millionen Euro.

Üblicherweise kann eine Stiftung den Zinsertrag des Kapitals für ihre Zwecke ausschütten. Bei der Bohnenkamp-Stiftung ist es anders. Ihr steht viel mehr Geld zur Verfügung. Sie kann aufgrund der besonderen Konstruktion zusätzlich zu den Zinseinnahmen die Hälfte der jährlichen Unternehmensgewinne steuerfrei ausschütten. Die Beträge können, wenn die Geschäfte gut laufen, durchaus in die Millionen gehen.

„Ich würde gern Mäuschen spielen und nachsehen, was in hundert Jahren mit der Stiftung alles geschaffen worden ist“, sagt Gisela Bohnenkamp. Der Stiftungszweck sei weit gefasst, um Projekte aus vielen Bereichen unterstützen zu können. Schwerpunkt sei die Förderung von Kunst, Kultur, Wissenschaft, Bildung und Erziehung. Besonders am Herzen liege ihr die Unterstützung leistungsbereiter Kinder von Betriebsangehörigen, sagte die Seniorchefin.

Die 72-Jährige will mit der neuen Gesellschafterstruktur auch das Unternehmen langfristig sichern und vor Fremdeinflüssen schützen. Denn eine Stiftung ist prinzipiell auf „Ewigkeit angelegt“, wie der ehemalige Sparkassen-Vorstand Franz-Josef Hillebrandt erklärt.

Hillebrandt hat das Stiftungsmodell mit ersonnen. Ähnliche Konstrukte gibt es bislang nur in Großkonzernen wie Bosch und Bertelsmann. Das Stammkapital der Bohnenkamp Aktiengesellschaft wird aus den Rücklagen auf 20 Millionen Euro aufgestockt. Daraus sind zehn Millionen für die Stiftung bestimmt. Die Bohnenkamp GmbH halten in Zukunft die Stiftung zu 49,5 Prozent und die Familie Bohnenkamp ebenfalls zu 49,5 Prozent. Das letzte Prozent liegt bei einer Management-Stiftung, die alle Stimmrechte besitzt und das Unternehmen leitet. Den Vorstand der Management-Stiftung bilden Gisela Bohnenkamp, Franz-Josef Hillebrandt, Hans-Wolf Sievert (Sievert AG) und Albert Scherger (ehemals KME).

Bohnenkamp ist der europaweit führende Händler für Landwirtschaftsreifen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 170 Mitarbeiter. In den letzten Jahren erzielte Bohnenkamp jeweils zweistellige Zuwachsraten.


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