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Klar und aktiv im Ruhestand

Neun Frauen und Männer im Alter zwischen 50 und 77 Jahren sitzen bei Kaffee und Kuchen, erzählen und lachen viel. Was diese muntere Gruppe zusammengeführt hat, war die Leere ihres Lebens. Jetzt pflegen sie ihren Kontakt und freuen sich über ihre wiedergewonnene Lebensqualität. Sie sind Mitglieder der Selbsthilfegruppe, die aus der Therapie „KlarAktiv“ der Diakonie-Suchtberatung, einem speziellen Angebot für suchtmit telabhängige ältere Menschen, entstanden ist.

„Die Entscheidung für KlarAktiv war wie eine Erlösung“, berichtet ein 65-Jähriger, und sein gleichaltriger Tischnachbar erzählt aus seinem früheren, vernebelten Leben. Die meisten Jahre seines Lebens habe er getrunken und erst jetzt im Alter den eigentlichen Sinn des Lebens entdeckt. „Ich habe nicht gewusst, welche Fähigkeiten ich besitze“, meint die 61-jährige Margret und berichtet von ihrer neuen Kreativität und vom Reisen. Für alle war „KlarAktiv“ der Start in ein klares Lebensgefühl ohne Alkohol oder Medikamente und in neue Aktivität. Meistens war es die Einsamkeit, die in die Sucht geführt hatte. Anna, mit 77 Jahren die Älteste in der Selbsthilfegruppe, pflegte über viele Jahre ihren krebskranken Mann. Nach seinem Tod fiel sie in ein tiefes Loch und betäubte sich mit Alkohol. Bei Margret war es ebenfalls die plötzliche Leere, als die Kinder das Haus verlassen hatten, die pflegebedürftige Mutter und der Partner gestorben waren. Fritz ging mit 55 Jahren in den Ruhestand. Viel zu früh, wie er heute weiß. Es fehlten Aufgaben, Anerkennung, soziale Kontakte und schließlich auch der Druck, leistungsfähig bleiben zu müssen.

„Das größte Problem ist, sich zu outen“, versichert Manfred aus Bissendorf. Endlich mit jemandem sprechen zu können, brachte für Hilde aus Bad Iburg die Erleichterung.

Die Männer und Frauen wagten den Schritt, meldeten sich zur Therapie „KlarAktiv“ an. Sie durchlebten Höhen und Tiefen, auch Rückfälle wie den von Anna. Sie beschlossen, sich auch nach der Therapie zu treffen, und gründeten eine private Selbsthilfegruppe. Einen Treffpunkt erhielten sie in den Räumen der Suchtberatungsstelle in Georgsmarienhütte und eine vorläufige Begleitung mit den Therapeutinnen Beate Plöger und Jaqueline Glasmeyer. „Jetzt übernimmt Margret die Leitung“, beschließen die Mitglieder. Beate Plöger verspricht Unterstützung, wenn sie gebraucht wird.

Die Selbsthilfegruppe ist zwar eine starke Gemeinschaft, aber immer offen. Offen für gemeinsame Unternehmungen. Man geht ins Theater oder zum Frühstücken, Marianne und Margret machten Urlaub in Schottland, und alle zusammen genießen ihren klaren und aktiven Ruhestand. Offen ist die Gruppe auch für neue Mitglieder. „Jeder ist willkommen. Wir haben uns gegenseitig geholfen und können auch andere unterstützen“.

Die Selbsthilfegruppe „KlarAktiv“ trifft sich jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat von 9.30 bis 11 Uhr in der Suchtberatungsstelle GMHütte, Am Kasinopark 13. Neue Teilnehmer sind willkommen. Kontaktaufnahmen und Infos auch über die Suchtberatungsstellen GMHütte, Telefon 05401/3658710, Belm, Telefon 05406/880496, oder Dissen, Telefon 05421/932332.