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Strobl bedauert Attacke gegen Sittler Stuttgart 21: CDU-Mann empört mit Nazi-Vergleich

Von dpa

Stuttgart. Der Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 nimmt an Schärfe wieder zu: Baden-Württembergs CDU-Generalsekretär Thomas Strobl nannte den Schauspieler und Projektgegner Walter Sittler einen „S21-Propagandisten“ und verwies darauf, dass dessen Vater bereits Stimmung für die Nazis gemacht habe. Später entschuldigte er sich in einer E-Mail an den Schauspieler und bedauerte seine Aussagen. Sittler sieht in den Äußerungen den Beleg dafür, dass den Befürwortern des Milliarden-Vorhabens die Argumente ausgehen. Die SPD zeigte sich empört.

Strobl, der auch Chef der baden-württembergischen CDU-Landesgruppe im Bundestag ist, hatte Sittler in seinem Newsletter „Berlin aktuell“ am Freitag ein „mangelndes Demokratieverständnis“ vorgeworfen. Dazu stellte er ein Foto des Schauspielers und die Bildzeile: „Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S21-Bewegung“. Der Newsletter war gestern auf Strobls Internetseite abrufbar. Die „Südwest Presse“ in Ulm berichtete als erste Zeitung darüber. Sittler hatte 2007 in einer ZDF-Dokumentation offengelegt, wie sein Vater zu „einer stählernen Stimme des Reiches“ wurde.

„Jetzt geht das los, dass sie wieder mit Sachen um sich werfen, weil sie keine Argumente haben – nur um auf jeden Fall Schaden anzurichten“, sagte Sittler. Nach ersten Gefühlen der Verletzung sei ihm aber klar geworden: Strobl habe mit der Veröffentlichung ein Eigentor geschossen: „Das vergiftet weiterhin die Atmosphäre, anstatt Friedenspflicht einzuhalten, damit man miteinander redet.“Er will das gar nicht. Das sind keine guten Voraussetzungen für die Gespräche.“In einer Mail habe er Strobl auf sachliche Fehler hingewiesen, sagte der Schauspieler. „Denn mein Vater hat ja für das Auswärtige Amt gearbeitet und nicht für das Reichspropagandaministerium. Er war auch nicht Funktionär, sondern Parteimitglied - das habe ich ihm nur der Vollständigkeit halber geschrieben“, sagte Sittler.SPD-Generalsekretär Peter Friedrich warf Strobl vor, er stelle Sittler in eine Reihe mit Nazi-Propagandisten. „Diese Aussagen sind eine blanke Unverschämtheit. Strobl versucht sich hier als verbaler Wasserwerfer“, sagte Friedrich der dpa. Der Grünen- Landtagsabgeordnete Werner Wölfle sagte: „Da verrohen die Sitten. Das ist irgendwas zwischen peinlich und eklig“. Die Schlichtungsgespräche zwischen Gegnern und Befürwortern des Bahnprojekts, die an diesem Donnerstag fortgesetzt werden sollen, werde das aber nicht belasten.