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Zahl der Straftaten im Emsland nahezu unverändert

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Lingen (pe).
Die Zahl der angezeigten Straftaten im Emsland ist im vergangenen Jahr mit 18 998 Fällen im Vergleich zu 1999 um lediglich 13 Fälle (plus 0,07 Prozent) gestiegen, während die Straftaten im ganzen Land Niedersachsen um drei Prozent auf 564 469 zunahmen. ,,Wir liegen im Emsland im grünen Bereich", interpretierte gestern Kriminaloberrat Carsten Denneburg, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Emsland, die Zahlen für das Jahr 2000. Die Aufklärungsquote lag bei 50,8 Prozent. Sorgen macht der Polizei die Internetkriminalität im Emsland im Bereich Kinderpornographie.

Die statistische Wahrscheinlichkeit, zwischen Papenburg und Salzbergen Opfer eine Straftat zu werden, ist nach Angaben Denneburgs in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Die Häufigkeitszahl (Fälle bezogen auf 100 000 Einwohner) lag im vergangenen Jahr im Emsland bei 6309, im Regierungsbezirk Weser-Ems dagegen bei 7271.

Eine ausgesprochen positive Entwicklung beobachtete die Polizeiinspektion Emsland im Bereich des Polizeikommissariates Lingen. Den Ausführungen von Denneburg zufolge sank die Zahl der angezeigten Straftaten kontinuierlich von 6070 im Jahre 1995 auf 4802 im letzten Jahr. ,,In der Vergangenheit ist in Lingen sowohl im organisatorischen Bereich des Kommissariates, als auch in der Vorbeugung (Gründung eines Präventionsrates) viel geschehen", nannte der Kriminaloberrat mögliche Gründe für diesen erfreulichen Trend.

Besorgniserregend ist nach seinen Angaben und denen von Kriminalkommissar Peter Diehm, zuständig für Internetkriminalität, die Zunahme von Straftaten im Bereich Internetpornographie. Wurde 1997 noch kein einziger Fall im Emsland registriert, waren es ein Jahr später 5, 1999 waren es 19 und im vergangenen Jahr bereits 74. In überwiegender Anzahl ging es dabei um Kinder- und Tierpornographie. Diehm recherchiert in diesem Zusammenhang nicht selbst, sondern geht Hinweisen aus der Bevölkerung nach.

Wie der Kriminalkommissar zu diesem Themenkomplex ausführte, macht sich nicht nur derjenige strafbar, der etwa pornographische Bilder von Kindern per E-Mail versendet, sondern auch jener, der sie auf seine Festplatte speichert. Wie zum Beispiel ein tatverdächtiger Mann aus dem Emsland, gegen den ermittelt wird. Er soll über 1000 solcher Fotos auf seinen PC heruntergeladen haben.

Als Strafmaß nannte Diehm für solche Delikte eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. ,,Der Strafrahmen bei einer Sachbeschädigung ist höher", sah der Beamte hier dringenden Handlungsbedarf beim Gesetzgeber.

Diehm stellte insgesamt zwölf Straftaten im Emsland im Zusammenhang mit der Verbreitung pornographischer Schriften im Internet fest. Gegen 13 Bürger, darunter zwölf Männer, im Alter zwischen 17 und 51 Jahren werde ermittelt. ,,Die Tatverdächtigen kommen aus allen Gesellschaftsschichten", ergänzte Denneburg, der für diesen Straftatsbereich ein ,,enormes Dunkelfeld" ausmachte.

Was die Fälle der Sexualdelikte im Emsland anbelangt, sah Denneburg im Emsland in den letzten zehn Jahren bei einem Durchschnitt von etwa 200 Fällen eine gleichbleibende Entwicklung. ,,In der Regel geschahen diese Taten im Beziehungsumfeld, ganz selten waren Fremde die Täter", sagte Kriminalhauptkommissar Joachim Brinkhaus in diesem Zusammenhang. Im August/September letzten Jahres konnte die ,,Ermittlungsgruppe Dankern" des Zentralen Kriminaldienstes in Lingen zehn Fälle von sexuellem Kindesmißbrauch in den vergangenen Jahren im Emsland aufklären und einen mutmaßlichen Täter festnehmen. Gegen ihn beginnt am Montag die Verhandlung vor dem Landgericht Osnabrück.

Dass die Region trotz stabiler bis rückläufiger Fallzahlen ,,keine Insel der Seligen" ist, machte Denneburg auch am Beispiel der organisierten Kriminalität deutlich. ,,Die haben wir im Emsland", betonte der Kriminaloberrat und wies auf umfangreiche Ermittlungen gegen litauische Tätergruppen im Zusammenhang mit Prostitution, Menschenhandel und Autoschiebereien hin.

Zum Thema Rechtsextremismus und von diesem Täterkreis begangene Straftaten erläuterte Denneburg, dass es aus polizeilicher Sicht im Emsland keine organisierte rechte Szene gebe. ,,Es gibt aber einzelne junge Leute mit rechtem Gedankengut", sagte der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Die Polizeiinspektion Emsland werde daher auch diesem Thema weiterhin große Aufmerksamkeit widmen.


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