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Kommentar Löws Entscheidung: Eine strategische Meisterleistung

Von Dirk Fisser



Von Dirk Fisser

Was für eine strategische Meisterleistung von Bundestrainer Joachim Löw! Nach seiner Entscheidung zur K-Frage bleibt auf den ersten Blick alles beim Alten, schaut man aber genauer hin, hat Löw eine neue Zeitrechnung in der Nationalmannschaft eröffnet. Der Kapitän der DFB-Elf hat nicht länger qua Amt einen Anspruch auf einen Stammplatz.



Der Spielführer muss sich dem allgegenwärtigen Leistungsprinzip unterwerfen. Bringt Michael Ballack keine Leistung, muss er sowohl auf Kapitänsbinde als auch auf eine Nominierung für die Startelf verzichten - richtig so! Das bedeutet letztlich nichts anderes als eine Entwertung der Rolle des Spielführers und ein Umverteilen der Verantwortung auf mehrere Schulten - ganz so, wie es schon während der WM ohne den „Capitano“ praktiziert wurde.

Löw hatte zwei Optionen zur Wahl: Ballack durch Degradierung zum Spieler unter Gleichen (beziehungsweise deutlich Jüngeren) quasi aus dem Nationalteam drängen oder aber alles beim Alten belassen und dem verdienstvollen Mittelfeldspieler die Kapitänsbinde überlassen. Der Bundestrainer wählte nach reiflich langer Überlegung den Mittelweg. So wahrt er sein Gesicht und geht Kritik aus dem Weg, die ihn beispielsweise im Fall des Außerachtgelassenen Kevin Kuranyi harsch traf.

Löws Lösung ließe sich in Kurzform so umschreiben: Die altbackene Aufgabe des Spielführers geht im modernen System Löw auf, die Mannschaft bleibt wie bei der WM vorgelebt der Star. Und Michael Ballack darf sozusagen als Trostpflaster die Kapitänsbinde behalten und den ein oder anderen Wimpel gegnerischer Nationalteams in Empfang nehmen - wenn seine Leistung denn stimmt.