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Wittlager Köpfe Sonja Hellbaum aus Schwagstorf ist Bio-Bäuerin mit Leib und Seele

Von Christa Bechtel

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<em>Sie sorgt für gesundes Gemüse:</em> Sonja Hellbaum im ihrem Gewächshaus. Foto: Christa BechtelSie sorgt für gesundes Gemüse: Sonja Hellbaum im ihrem Gewächshaus. Foto: Christa Bechtel

Schwagstorf. „Ich habe als Kind bereits die Möhren gesät, und Kühe waren immer meine Herzensangelegenheit.“ – Sonja Hellbaum war schon früh klar, dass sie Landwirtin werden wolle. Auf ihrem Biohof in Schwagstorf übt sie ihren Traumberuf aus.

In Schwagstorf ist Sonja auf dem elterlichen Hof aufgewachsen. Als sie in der zehnten Klasse war, hat sie bereits ihren Lehrbetrieb, den Demeter Hof Bünte in Venne, klargemacht. Dort hat sie nach dem Abitur den Beruf des Landwirtes von der Pike auf gelernt. „Für mich war gerade dieser Hof ein gutes Vorbild, weil es ein bäuerlicher Gemischtbetrieb ist und ich sehen konnte, was an Landwirtschaft alles möglich ist“, erklärt sie.

Es war eine turbulente Zeit, damals: Zwischen schriftlicher und mündlicher Abiturprüfung brachte Sonja Hellbaum ihren Sohn Simon zur Welt, nach der Lehre wurde Tochter Judith geboren. 1996 stieg sie in den elterlichen Betrieb ein, hat diesen auf Biolandwirtschaft umgestellt und parallel ihre Meisterprüfung abgelegt. „Und danach ist Maria geboren“, sagt sie lächelnd.

Die Umstellung auf Biolandwirtschaft sei schon eine schwierige Phase gewesen, räumt sie ein, denn: „Der Betrieb musste sich an die neue Wirtschaftsweise gewöhnen – bis die Fruchtfolge einmal durchlaufen war oder sich die Kühe auf die veränderte Fütterung ohne Kraftfutter umgestellt hatten. Gemüsebau findet Sonja Hellbaumbesonders spannend, „weil man auf kleiner Fläche sehr intensiv wirtschaften kann“. Die Kreislaufwirtschaft sei das Grundprinzip des organisch-biologischen Landbaus. Das bedeute beispielsweise, „dass man auf dem Acker das Futter für die Tiere anbaut.“ Der zweite große Punkt sei, „durch Fruchtfolge die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, ohne den Einsatz von künstlichem Mineraldünger. Wir holen den Stickstoff über Gründüngung in den Boden“, erklärt Sonja Hellbaum.

Die Fruchtfolge sei sechsjährig: drei Jahre Kleegras, ein Jahr Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, die als Schweinefutter dient, danach eine Zwischenfrucht, dann ein Hafer-Gerste-Erbsen-Gemenge, das als Sommergetreide und Kraftfutter für die Kühe im Winter angebaut wird. Als Sechstes folgen Kartoffeln und Feldgemüse. „So hat man nur alle sechs Jahre die gleiche Frucht auf dem Acker. Probleme wie Pilzkrankheiten oder Schädlinge kann man sich dadurch ersparen“, weiß die Landwirtin aus Erfahrung. Der Hof Hellbaum arbeitet fast ausschließlich für die Direktvermarktung.

„Dadurch liefern wir nicht nur ab, sondern haben Kontakt zu unseren Kunden“, sagt sie. Beliefert werden beispielsweise der Bioladen „Pusteblume“ und das Restaurant „plan b“ in Ostercappeln. „Unsere Milch geht an die Bio-Molkerei Söbbeke, Fleisch, Gemüse und Kartoffeln verkaufen wir auf dem Wochenmarkt in Ostercappeln. Ein wichtiger Vermarktungsweg ist die Auslieferung von Abonnement-Kisten im Raum Bohmte/Ostercappeln“, berichtet Sonja Hellbaum. Dabei liefert der Hof seinen Kunden jeden Samstagmorgen Kisten mit saisonalem Gemüse, Obst, Eiern und Kartoffeln zum Festpreis, sodass ein kontinuierlicher Absatz gewährleistet ist und die Kunden regionale Produkte der Saison frei Haus erhalten.

Auch die Tierhaltung unterliegt auf Hof Hellbaum den strengen Auflagen der ökologischen Landwirtschaft. „Die Tiere, die wir artgerecht halten, gehören zu den alten Haustierrassen, wie das Altdeutsche Schwarzbunte Niederungsrind oder das Schwäbisch-Hällische Landschwein.“ Diese Rassen seien zwar nicht so hochleistend wie moderne Rassen, dafür aber robuster und nicht so anspruchsvoll und empfindlich. „Zum Beispiel“, so Hellbaum, „haben die Schweine eine dickere Speckschicht, wodurch sie im Außenklimastall gehalten werden können.“

Hof Hellbaum ist ein echter Familienbetrieb: Mutter Edith „schmeißt“ den Bioladen, Vater Jürgen ist für den Ackerbau zuständig. Ehemann Frank Buskotte arbeitet bei der Katholischen Erwachsenenbildung in Osnabrück. Jetzt, zum Saisonbeginn, hat Familie Hellbaum alle Hände voll zu tun: Das Hafer-Gerste-Erbsen-Gemenge muss gesät werden, die Kartoffeln gehören in die Erde, die Kühe können nach dem langen Winter endlich wieder nach draußen, und der Gemüseanbau darf auch nicht vernachlässigt werden.

Open-Air-Kino im Mai

Und was macht Sonja Hellbaum ganz privat, wenn sie einmal Zeit und Muße hat? „Lesen, Doppelkopf spielen, mich meinem Ziergarten widmen, Bekannte treffen, abends mal ausgehen“, zählt sie auf. Wichtig ist der Landwirtin: „Mit der Natur zu wirtschaften und nicht gegen sie.“ Am Samstag, 25. Mai, findet auf dem Hof Hellbaum übrigens wieder das Open-Air-Kino „Sommerflimmern“ statt. In diesem Jahr zeigt der veranstaltende Landschaftsverband Osnabrücker Land dort den Film „Chicken Run“.


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