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Mittelstand sucht immer stärker Fachkräfte – Pflichtpraktika für Lehrkräfte gefordert Wirtschaft rechnet mit weiterem Wachstum

Mario Ohoven Foto: actionpressMario Ohoven Foto: actionpress

dapd Köln. Nach der kräftigen Wirtschaftserholung im laufenden Jahr blicken die deutschen Unternehmen mehrheitlich auch optimistisch auf 2011.

„Die deutsche Wirtschaft hat die Krise überwiegend gut gemeistert und gehörte 2010 im Industrieländervergleich zu den Wachstumsgewinnern. Die Stimmung ist dementsprechend so positiv wie lange nicht, und die meisten Branchen blicken aus gutem Grund zuversichtlich nach vorne“, sagte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, unter Verweis auf die gestern veröffentlichte IW-Verbandsumfrage. Zugleich dämpfte er allzu optimistische Erwartungen. Das internationale Umfeld bleibe 2011 schwierig. Ferner kehrten viele Wirtschaftsbereiche noch nicht auf das Vorkrisenniveau zurück.

Laut Umfrage hat sich lediglich in 3 der 46 Branchen die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt. Vor allem der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) berichtete von trüben Aussichten. Die Krise im Schiffbau sei weder national noch international vorüber, hieß es in der Umfrage. Auch die Mineralölwirtschaft zeigte sich zurückhaltend. Sie leide unter anderem unter weltweiten Überkapazitäten, geringen Margen im Tankstellenmarkt sowie dem Trend zu effizienteren Motoren und Ölheizungen. Zur Begründung für die trüberen Aussichten der Baubranche verwies das IW dagegen auf die hohen Erwartungen zum vorhergehenden Jahreswechsel wegen der Konjunkturpakete, die nun aber ausliefen. Bei 41 Wirtschaftszweigen hat die Zuversicht binnen Jahresfrist dagegen zugenommen. In der Folge rechnen 35 Verbände mit einer höheren Produktion und einem steigenden Umsatz. „Damit ist die Basis für eine stärkere Investitionstätigkeit gelegt, die sich ebenfalls in einer steigenden Beschäftigtenzahl niederschlagen sollte“, sagte Hüther. Vor dem Hintergrund der überwiegend positiven Aussichten geht laut IW mehr als die Hälfte der Befragten davon aus, dass die Beschäftigtenzahl in ihren Unternehmen zulegt.

Auch der deutsche Mittelstand blickt „ausgesprochen positiv“ auf das kommende Jahr. Der Aufschwung werde anhalten, sagte der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, in Berlin. Der Mittelstand werde weiter investieren und einstellen. In einigen Regionen werde es praktisch Vollbeschäftigung geben, sagte Ohoven. Insgesamt rechnet mehr als die Hälfte der rund 1000 befragten Betriebe mit höheren Umsätzen. Knapp ein Viertel erwartet Erlöse auf Vorjahresniveau. Ein zunehmendes Problem ist den Angaben zufolge hingegen die Einstellung geeigneter Fachkräfte. Mehr als ein Drittel finde jedoch kein geeignetes Personal und habe daher bereits Aufträge ablehnen müssen, sagte Ohoven.

Vor diesem Hintergrund plädierte der BVMW für Arbeitgeberzusammenschlüsse. Dabei teilen sich Firmen Fachkräfte. Zugleich forderte der Verband eine einjährige Zusatzausbildung für Erwachsene, um sie für die geänderten Anforderungen in diversen Berufsfeldern fit zu machen. Darüber hinaus sprach sich Ohoven für ebenso verbindliche Pflichtpraktika für Lehrkräfte aus. An den Schulen und Hochschulen werde nach wie vor am Bedarf der Wirtschaft vorbei ausgebildet, sagte er.Nach einer Umfrage des Verbands der Familienunternehmer rechnen zwei Drittel der Betriebe mit wachsenden operativen Geschäften im kommenden Jahr. Sorgen bereitet dagegen mehr als der Hälfte der Befragten die wachsende Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Zugleich warnte Verbandspräsident Patrick Adenauer vor weiteren Belastungen. Als Unsicherheitsfaktoren seien zudem Steuererhöhungen, die Stabilität des Euros sowie der Fachkräftemangel genannt worden.


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