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Hugo: Powerfrau, die bohrende Fragen stellt

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Die ehemalige Wallenhorster Ratsfrau Dr. Jutta-Barbara Lange-Quassowski hat aus der Hand des Landrates Manfred Hugo das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement erhalten.

'"'Warum ich?'"', fragte sich Jutta Lange-Quassowski, als ihr Ulrich Belde die Nachricht von der Verleihung des Verdienstkreuzes am Telefon überbrachte. '"'Träger des Verdienstkreuzes haben sich um den Bund und das Gemeinwesen verdient gemacht'"', beschreibt Belde in seiner Begrüßungsrede die Menschen, die vom Bundespräsidenten den Orden mit den umständlich anmutenden Namen verliehen bekommen.

Dem Bürgermeister fiel es nicht schwer, das konkrete Verdienst von Lange-Quassowski für das Wallenhorster Gemeinwesen mit Leben zu füllen. '"'Ihr Grundsatz war aktive Akzeptanz, also nicht nur zu dulden, sondern auf andere zuzugehen'"', beschreibt Belde das Credo der promovierten Historikerin. So gründete sie im Jahr 1991 den Verein '"'MEN'"' (Mittler für Einheimische und Neuhinzugezogene), der in Lechtingen Flüchtlinge bei Behördengängen und der Arbeitsplatzsuche unterstützte.

Daneben leistete sie 20 Jahre schulische Elternarbeit und gründete den Verein der Lechtinger Musik- und Malfreunde. Als wäre das alles nicht genug, kandidierte sie 1991 für die SPD für den Gemeinderat und den Kreistag - Gremien, denen sie zehn Jahre angehörte.

Manfred Hugo nennt sie wahrscheinlich nicht zu Unrecht eine '"'Powerfrau'"' und erinnert sich noch gut an ihre '"'richtigen und bohrenden Fragen'"' im Kreistag. Er beschrieb in seiner Rede eindrucksvoll ihre Arbeit in der Erich-Strassmann-Stiftung, die in die Friedrich-Ebert-Stiftung integriert ist. Die aus einer Widerstandsgruppe des Dritten Reiches hervorgegangene Stiftung widmet sich vornehmlich der Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland von 1933 bis 45. Sie vergibt Stipendien an Postgraduierte und Doktoranden sozialwissenschaftlicher Fächer und Absolventen von Kunst- und Musikhochschulen.

Die Mutter von inzwischen drei erwachsenen Söhnen sieht ihre federführende Arbeit, für die sie außer Reisekostenerstattung nie einen Cent erhalten hat, als glückliche Fügung: '"'Mit drei kleinen Kindern konnte ich diese Arbeit sehr gut zu Hause vom Schreibtisch aus erledigen. Ich habe mich reingearbeitet und damit identifiziert, und irgendwann war das meine Aufgabe.'"'

Nach einer Weile konnte sich Jutta Lange-Quassowski dann doch richtig über die besondere Ehrung freuen: '"'Das ist für mich eine Bestätigung, dass die Aufarbeitung der Zeit des Dritten Reiches durch die Stiftung gesellschaftlich akzeptiert wird.'"'


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