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Kommentar: Nur eine Fata Morgana

Von Dr. Berthold Hamelmann

Hilfe. Die Politik will den Verbraucher schützen. Das neue Bewertungssystem, das die Ergebnisse amtlicher Lebensmittelkontrollen in Restaurants sichtbar machen soll, ist ein hehrer Ansatz. Für die Initiatoren mag es ein Meilenstein sein. Produziert wird eine Fata Morgana, die nur eines schafft – mehr Bürokratie.

Nach jedem Lebensmittelskandal überbieten sich Politiker mit Forderungen nach besserem Verbraucherschutz. In der Tat liegt manches im Argen. Aktuell registrieren Lebensmittelkontrolleure bei rund einem Viertel der 545000 überprüften Betriebe Verstöße. Das ist beachtlich.

Die „Hygiene-Ampel“ soll Transparenz bringen und Schmuddelbetriebe kenntlich machen. Ein wunderbarer Ansatz mit Macken.

Für die Mehrarbeit stellen die zuständigen Länder kein zusätzliches Personal bereit, obwohl schon jetzt Notstand bei den Lebensmittelkontrolleuren herrscht. Angesichts leerer Kassen war das aber auch nicht zu erwarten. Die Umsetzung der guten Idee hakt in der Praxis. Wettbewerbsverzerrungen drohen.

Und was nützt vor dem Blick in die Speisekarte ein Infoblatt an der Tür, das eine rote Mängelwarnung ausspricht? Nichts. So ein Restaurant gehört schnellstens geschlossen. Das ist Verbraucherschutz und wird heute schon so gehandhabt.

Wird der unausgegorene Länderbeschluss umgesetzt, dann bitte die Ergebnisse auch ins Internet. Das hilft vor einem Restaurantbesuch und wäre nützlich.