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Der leise Tod des großen Radoslav Momirski

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Es sollte eigentlich nur einer der gelegentlichen Anrufe bei einem der populärsten Trainer der VfL-Geschichte sein. Immerhin spielt sein alter Verein heute in der Stadt, die nach einer langen Wanderschaft durch Fußball-Deutschland zu seiner zweiten Heimat wurde. Doch Radoslav Momirski lebt nicht mehr, er verstarb nach langer, schwerer Krankheit bereits am 12. Februar dieses Jahres.

"Es war eine Erlösung für ihn", sagt seine Frau Gertrud, die ihren Mann bis zuletzt zu Hause pflegte. Auf eine Information der örtlichen Presse verzichtete sie, es erschien keine Traueranzeige: "In der Fußballszene Augsburgs kannte man meinen Mann doch nicht mehr."

Das mag sein, doch in Osnabrück ist "Momi" auf ewig unvergessen. Zweimal übernahm der Mann, am 4. September 1919 im serbischen Novisad geboren, das Traineramt in Osnabrück, beide Male schrieb er Klubgeschichte. 1968 war er der Regisseur des sensationellen Höhenfluges, zehn Jahre später der Vater des Sensationssieges in München.

"Ich will, dass Osnabrück jubelt, denn hier leben gute Menschen", sagte er in der ihm eigenen blumenreichen Sprache. Und wie sie jubelten: Auf dem Marsch zur Nordmeisterschaft 1969 erzielte der VfL 94 Tore, im Schnitt kamen zu jedem Spiel fast 16000 Zuschauer. Momirski war der Vater des Erfolges, er führte die Spieler mit leichter Hand und väterlicher Zuneigung. "Wo Vertrauen ist, das ist Erfolg. Wer an sich glaubt, ist schon fast ein Sieger...", dozierte er.

Nach zwei Nordmeisterschaften und zwei Teilnahmen an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga endete Momirskis erste Ära mit einem Rauswurf. Doch er kehrte zurück, im März 1978 übernahm er eine von der Abstiegsangst gezeichnete Mannschaft - und schaffte das Wunder des Klassenerhalts. Und am 23. September 1978 dirigierte er im Olympiastadion seine Nobodys aus der 2. Liga Nord zum legendären 5:4-Pokalsieg beim FC Bayern München.

"Er hat sich bis zuletzt für den Fußball interessiert und in der Tabelle immer nach dem VfL geschaut", erzählt Gertrud Momirski, die ihren Mann kennen lernte, als er bei Schwaben Augsburg Trainer war und sie in der Geschäftsstelle des FCA-Vorgänger-Klubs arbeitete. Geheiratet haben sie am 8. August 1968 - in Osnabrück. "Das war eine wunderbare Zeit", sagt sie am Ende des Telefonats und macht eine kleine Pause: "Schreiben Sie ruhig etwas über Momi - es würde ihn sehr, sehr freuen."


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