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Krematorium in Lingen?

Ein Krematorium an der Meppener Straße zwischen Holthausen und Altenlingen südlich der ehemaligen Hofstelle Kühlenborg? Mit diesem Gedanken konnte sich der Ortsrat Holthausen in seiner jüngsten Sitzung nicht anfreunden.

Helmut Höke, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Lingen, versuchte vergeblich, den Ortsrat für diesen Standort zu gewinnen. Nach seiner Darstellung handelt es sich bei der Feuerbestattung um eine uralte und traditionsreiche Bestattungsform. Seit 1934 wird die Feuerbestattung der Erdbestattung im Feuerbestattungsgesetz gleichgesetzt.

Die katholische Kirche erkennt nach den Worten von Höke seit 1963 Feuerbestattungen an. Bundesweit nimmt die Zahl der Feuerbestattungen jährlich um zirka ein Prozent zu. 51 Prozent der in ganz Deutschland erfolgten Bestattungen sind Einäscherungen. Höke: „Auch in Lingen hat die Zahl, betrachtet man den Zeitraum der letzten 20 Jahre, um mehr als das Vierfache zugenommen.“

Höke verwies darauf, dass es die Friedhofskommission Lingen für wichtig erachte, möglichst am Standort Lingen eine Feuerbestattungsanlage zu errichten. Dadurch sei es auch möglich, die Wartezeit für die Angehörigen vom Sterbefall bis zur Beisetzung der Urne erheblich zu reduzieren. Auch das Bischöfliche Generalvikariat befürworte diese Einrichtung.

Zwei Investoren hätten Interesse bekundet, eine Anlage in Lingen zu bauen. Anfänglich seien 1000 Einäscherungen jährlich zu erwarten, die sich bis auf 3000 steigern könnten. Zum Einzugsgebiet einer Anlage in Lingen würden die Landkreise Emsland, Grafschaft Bentheim sowie Teile von Steinfurt, Borken, Osnabrück und Cloppenburg gehören. Nach Darstellung von Höke sind Geruchs- und Lärmbelästigungen ausgeschlossen. Wegen der unmittelbaren Nähe zur Wohnbebauung komme diese Einrichtung beim Neuen Friedhof in Lingen nicht infrage. Auch Standorte in Darme und Estringen seien verworfen worden.

Der Ortsrat hatte sich kürzlich eine Feuerbestattungsanlage in einem Wohngebiet in Emden angeschaut und sieht durchaus die Notwendigkeit einer Feuerbestattungsanlage in Lingen. Allerdings sei der Standort an der Meppener Straße nicht geeignet, zumal hier künftig die Entlastungsstraße mit einer entsprechenden Verkehrsbelastung entlangführen solle. Für Hajo Wiedorn (SPD) wäre hingegen der vorgeschlagene Standort akzeptabel. DerOrtsrat beauftragte die Verwaltung damit, weitere Standorte zu prüfen.

Gegen das Votum von Reinhold Diekamp und Gerhard Hofschröer (beide CDU) hob der Ortsrat den am 4. Juni diesen Jahres gefassten Beschluss auf, der die Planungen für eine Friedhofskapelle auf Eis gelegt hatte.

Gegenüber unserer Zeitung betonte Ortsbürgermeister Uwe Dietrich (CDU), dass jetzt wieder der Beschluss vom 9. Oktober 2008 gelte. Seinerzeit hatte sich der Ortsrat bei einer Enthaltung für einen Neubau der Kapelle ausgesprochen.

Dietrich erklärte sich bereit, über die in der Bürgerversammlung am Dienstag vorgebrachten Anregungen (zum Beispiel Drehung des Baukörpers) im Arbeitskreis „Friedhofskapelle“ zu beraten. Diesem Gremium gehören der Ortsbürgermeister, sein Stellvertreter Karl-Heinz Schneider sowie der SPD-Fraktionsvorsitzende Hajo Wiedorn an.


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