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Umweltgerechte Altreifenentsorgung

Herrscher der Altreifenberge ist Ludwig Grabowski aus Venne. Foto: Marita KammeierHerrscher der Altreifenberge ist Ludwig Grabowski aus Venne. Foto: Marita Kammeier

Mit dem Einsammeln und Weiterverarbeiten von Altreifen und Gummiabfällen erwirtschaftete das mittelständische Familienunternehmen 70 Prozent des Jahresumsatzes. Mit 120 000 Tonnen sind die Containertransporte Wesseler GmbH der größte Altreifen-Entsorger in Deutschland.

Altreifen, die beim Reifenwechsel ersetzt werden oder bei der Fahrzeugverschrottung anfallen, werden zu circa 80 Prozent energetisch verwertet, also verbrannt. Durch die Altfahrzeug- und die Ablagerungsverordnung wurden Regelungen erlassen, um die Mengen für die stoffliche Verwertung und damit eine Wiederverwendung zu erhöhen.

Generell ergeben sich für Altreifen drei Sektionen, in die sie „weiterverarbeitet“ werden. Gebrauchtreifen eignen sich zur Weiternutzung zum Beispiel bei Gebrauchtwagen und Exportfahrzeugen (circa 60000 Tonnen in Deutschland) und als Karkassen für die Runderneuerung (78000 Tonnen).

Die größte Sektion mit abgefahrenen und beschädigten Reifen beträgt 424000 Tonnen. Diese Tonnage wird zum überwiegenden Teil in der Zementindustrie oder als Granulate und Gummimehl verwendet.

Bei Wesseler in Ostercappeln-Venne sorgen sieben Shredderanlagen für eine Granulierung von bis zu 10 mm Korngröße. Sogar die schwierige Weiterverarbeitung nicht vulkanisierter Gummi-Rohlinge wird perfekt durchgeführt. Dieses Material kann in herkömmlichen Anlagen nicht zerkleinert werden. Pfiffige Mitarbeiter entwickelten ein eigenes Zerkleinerungswerk, das diese Abfälle mühelos verarbeitet.

1995 übernahm Heinz Wesseler ein insolventes Unternehmen im Ortsteil Venne. Heute sind hier acht Mitarbeiter beschäftigt, darunter Norbert Kötter und Thomas Timmermann. Arbeiten sie gern hier? „Ja, denn hier gibt es jeden Tag was Neues“, kam die spontane Antwort. Und sie arbeiten rund um die Uhr, auch Heiligabend.

Jetzt gilt es, eine europaweite Ausschreibung von 28000 Tonnen zu gewinnen. „Wir sind nicht die Billigsten“, meinte der Chef. Aber schnell sind die Entsorgungsspezialisten. 11000 Tonnen innerhalb von drei Wochen aus Mecklenburg-Vorpommern holen, oft beträgt die Zeitspanne nur fünf Tage.

Heute ist das Gesmolder Unternehmen für die Werksentsorgung der gesamten Continental-Gruppe in Deutschland, Benelux und Frankreich verantwortlich. Ob Goodyear mit Standorten im In- und Ausland, Reifen Ehrhardt mit 29 Niederlassungen oder Reifenketten wie Euromaster mit 40 Filialen – alle nutzen den umfangreichen Service der Niedersachsen.

Seniorchef Josef Wesseler erinnerte sich: „Ich hatte in den Anfangsjahren einen Anruf von Conti, Hannover, und musste schnell reagieren. Innerhalb von sechs Stunden wurden 40 Container von Hand beladen, und ab ging die Fahrt. 15 Jahre haben wir ohne Vertrag gearbeitet. Bei uns gilt heute noch ein Wort!“ Die früher aufgebauten guten Kontakte halten ebenfalls bis heute. Und als verantwortungsbewusstes Unternehmen sponsert Wesseler Feuerwehr, Sportvereine, Kindergärten und Schulen.