zuletzt aktualisiert vor

Klinikum will Ex-Chefarzt Goeschen abmahnen

Darf der ehemalige Klinikum-Chefarzt Prof. Dr. Klaus Goeschen neben seiner überwiegenden Tätigkeit in einer Hannoveraner Klinik auch in Osnabrück tätig sein?

Goeschens Anwalt Jens-Peter Winkler sagt Ja, weil es sich dabei ausschließlich um eine Vertretung des dann abwesenden Praxisinhabers Dr. Werner Schallenberg handele. Nein sagt Klinikum-Geschäftsführer Werner Ukas, der darin eine nicht genehmigte Zweigpraxis sieht. Pikant auch, dass Winkler am Dienstag einen von Ukas beauftragten Düsseldorfer Anwalt angezeigt hat. Goeschen war über Winkler in die Offensive gegangen: Demnach erhielt der Gynäkologe am 27. Februar vom Düsseldorfer Anwalt Dr. Ulrich Baur, der sich auf Arzt-und Krankenhausrecht spezialisiert hat, eine Abmahnung. Inhalt: Er halte unzulässigerweise in Osnabrück Privatsprechstunden ab. Gefordert wurden eine Unterlassungserklärung und die Zahlung von 620 Euro für die Abmahnung, für die das Mandat eine Oberarztes aus dem Klinikum vorliege.

Goeschen schaltete Winkler ein. Da der trotz mehrfacher Aufforderung von seinem Düsseldorfer Kollegen keine Vollmacht des Oberarztes zu sehen bekam und dieser Mediziner zudem erklärte, nie ein Mandat erteilt zu haben, erstattete Winkler Strafanzeige und informierte die Anwaltskammer: "Für mich steht fest, dass der Anwalt ohne die behauptete Vollmacht tätig geworden ist, das ist eine Ungeheuerlichkeit", so Winkler. Inzwischen präsentierte Baur eine Vollmacht der Klinikum-GmbH Osnabrück, die von Ukas unterschrieben ist und am 25. Februar ausgesetllt worden war. "Merkwürdig, dass eine Vollmacht zu einem Zeitpunkt vorgelegen haben soll, zu der Baur noch von einer Vollmacht des Oberarztes schrieb", so Winkler.

In der Sache selbst übernehme sein Mandant die Praxisvertretung bei Schallenberg in dessen Abwesenheit. Dagegen habe auch die Osnabrücker Ärztekammer keine Einwände. "Den Vorwurf, er halte private Sprechstunden ab, weise ich daher zurück", so Winkler. Die Art und Weise aber, wie "aus Reihen des Klinikums" gegen seinen Mandanten agiert werde, sei inakzeptabel. Klinikum-Geschäftsführer Werner Ukas sieht das ganz anders. "Dem Anschein nach betreibt Goeschen zwei Praxen und das ist unzulässig". Da dies zum Nachteil des Oberarztes geschehe, habe er Baur eingeschaltet. Der habe bei der Vollmacht wohl zunächst einen "inhaltlichen Fehler" gemacht. "Für uns war es nämlich undenkbar, dass der Oberarzt selbst kein Mandat erteilen wollte", so Ukas. Da dieser Fall aber eingetreten sei, habe er sich als Geschäftsführer in der Pflicht gesehen.

Die von Goeschen jetzt angegebene Vertretung eines Kollegen wäre zwar zulässig, sei aber unglaubwürdig. Goeschen selbst nämlich habe in seinen schon zuvor umstrittenen Werbebriefen von der Abhaltung "privater Sprechstunden" in Osnabrück geschrieben, so Ukas weiter. Außerdem läge eine eidesstattliche Erklärung einer Privatpatientin vor, wonach Behandlungstermine bei Goeschen unmittelbar mit der Praxis Schallenberg vereinbart werden könnten. Dort sei seines Wissens übrigen auch die frühere Klinikums-Sekretärin Goeschens angestellt. Anwalt Baur hatte eine vorbereitete Presseerklärung parat, in der er die Rechtsauffassung von Ukas stützt. "Ich möchte niemandem über eine Pressekampagne zur Publizität verhelfen, der meint, dass er Werbung zur Förderung seiner beruflichen Tätigkeit benötigt", heißt es darin.

Klinikums-Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Rainer Tenfelde erklärte gestern, der Aufsichtsrat sei über die Vorgänge nicht informiert worden und habe den Geschäftsführer auch nicht beauftragt, rechtliche Schritte einzuleiten. Seit gestern liege ihm eine erste Stellungnahme von Ukas vor. "Ich halte aber nichts von einer Auseinandersetzung des Klinikums mit niedergelassenen Ärzten, sondern eher etwas von einer guten Zusammenarbeit", machte Tenfelde deutlich.