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Große Show mit 600000 Flieger-Fans

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Große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus. Arglose, die es am Samstag in die Nähe von Hopsten verschlagen hatte, stießen schnell auf Grenzen in Form von Straßensperren. Weiträumig waren die Zufahrtswege für Otto Normalverbraucher abgeriegelt. Die mussten ihre Pkw auf der Wiese parken, denn der Fliegerhorst Rheine-Hopsten und das Jagdgeschwader 72 "Westfalen" hatten ihre Pforten geöffnet: Tag der offenen Tür zum 40-jährigen Bestehen. Bis zum Nachmittag fanden sich rund 60000 Schaulustige ein. Unter anderem sorgten Hubschraubervorführungen und Fallschirmspringer für reichlich Abwechslung.

Alle Besucher kamen voll auf ihre Kosten und staunten nicht schlecht – nicht nur über die saftigen Preise, die Privatanbieter des Pendelbusverkehrs für ihre Dienste verlangten. Auch luftige Darbietungen à la "Top-Gun" gab es da von den "Jungs" vom Jagdgeschwader 72 "Westfalen" zu sehen. Und glücklich konnten sich die Zaungäste schätzen, die an den Regenschirm gedacht hatten. War es Zufall oder die besonderen Beziehungen der Flieger nach oben? Während ringsum dunkle Wolken bedrohlich tief am Himmel hingen, strahlte direkt über der Geschwader-Startbahn ein beständiges Himmelblau. Abgesehen von einigen kräftigen Schauern erwies sich Petrus zum 40. als echter Flieger-Freund und zwang die Zuschauer nicht zu oft, ihre Schirme aufzuspannen und ein Dach bunter Farbtupfer zu bilden.

Nicht minder bunt ging es auf dem übrigen Gelände zu. Da gab es einen Flugsimulator, Pommes-Buden und Bier-Stände: Volksfeststimmung. Schlange stehen am Euro-Fighter und einer Phantom. Sich einmal wie ein Flieger fühlen und Platz nehmen in den Respekt einflößenden Flugzeugen, den Blick auf das Wirrwarr der Konsolen-Knöpfe und -schalter gerichtet: Die Niedrigflug- und Überschallwarnleuchte, den Sauerstoffbedarfsregler. Kopfschütteln bei einem Feldjäger, der such wohl nur noch wunderte über die Neugierde der Besucher. Einige waren für bessere Sicht aufs Fluggeschehen auf die Shelter, das sind mit einem Grasdach getarnte Hallen, gekraxelt. Gibt es nicht, hieß es. Kopfschütteln aber auch bei Besuchern angesichts einiger Flieger, die am Boden schon einmal in einem Cabriolet vorüberrollten.

"Das sind Highlights, die man sonst nicht überall zu sehen bekommt", sagte Oberst Hans-Henning Pradel, Kommodore des Ganzen. Gemeint waren damit aber nicht die Cabriolet fahrenden Flieger, sondern die einzelnen Show-Acts. Acht Jubiläumsmaschinen standen da in ihrem prächtigen Farbenkleid parat, mit denen mehr oder minder waghalsige Manöver in der Luft vorgeführt wurden. Der Fallschirmsprungclub Rheine-Eschendorf ließ seine Mitglieder in die Tiefe stürzen, und ein Hubschrauber vollführte einen Looping.

Gern gesehen und gut bestaunt waren auch die Militärflugzeuge der Fliegerstaffeln aus Italien, Belgien, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und Griechenland. Erstmals mit dabei: die Schweizer Luftwaffe mit einer F-18 Hornet. Und dann gab es da noch das Rennen Dragster Bikes gegen Flieger. Auf 400 Metern toppten die Dragster die Flieger mit 11 zu 13 Sekunden. Aber Wettrennen hin oder her – anhand der Stimmung auf dem gesamten Gelände war eines spürbar: "Das Jagdgeschwader 72 Westfalen ist tief in dem Bewusstsein der Bevölkerung verwurzelt", so Kommodore Pradel. Und er steht wohl nicht alleine da, wenn er angesichts der Schließung 2006 mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht.


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