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Über Nacht ein Müllberg vor der Haustür

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Aus Kleinteilen entwickelte sich vor Regina Schulzes Haustür eine Müllhalde. Foto: Stefan BuchholzAus Kleinteilen entwickelte sich vor Regina Schulzes Haustür eine Müllhalde. Foto: Stefan Buchholz

Aus ein paar überschaubaren Gegenständen für eine bestellte Sperrmüllabfuhr entwickelte sich über Nacht eine wilde Müllablagerung. Geschehen ist das dieser Tage in Eversburg. Wird es solche Vorfälle im nächsten Jahr öfter geben, wenn die Abholung 29 Euro kostet?

Regina Schulze meldete in der vergangenen Woche einen Schuhschrank, Übertöpfe und einen Wäscheständer als Sperrmüll an. Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) sagte ihr mündlich den 15. Dezember als Abholtag zu. Doch daraus wurde nichts, denn beim AWB merkte man die Bestellung für den 29. Dezember vor. So schildert Regina Schulze den Sachverhalt aus ihrer Sicht.

Was jedoch viel übler ist: Aus den wenigen Dingen, die sie zwei Tage vor dem vermeintlichen Abfuhrtermin an die Straße stellte, entwickelte sich mithilfe von Unbekannten ein Schuttabladeplatz. Ein ausgeschlachteter Fernseher, eine mannshohe Kühlkombination, Stühle sowie Bretter und Batterien, Küchenkacheln neben Lattenrost mit Matratze blockierten schließlich am Abfuhrtag zwei Parkplätze auf dem Grundstück des Mietshauses.

„Mich traf fast der Schlag. Ich finde das eine Sauerei und typisch deutsch – einfach die Sachen hinschmeißen, ohne zu fragen“, ärgert sich Regina Schulze. Noch dachte sie aber, dass die Sperrmüllabfuhr die Sachen mitnehmen wird, doch die missverständliche Terminierung verhinderte das. „Man hat mir beim AWB geraten, meine eigenen Dinge wieder herauszunehmen. Der Rest soll über Weihnachten und bis zum nächsten Abfuhrdatum da liegen bleiben.“ Mit Blick auf die 29 Euro Sperrmüll-Gebühr im kommenden Jahr meint sie: „Ich vermute, dass sich solche Geschichten wiederholen oder man dann den Sperrmüll im Wald wiederfindet.“

Gegen einen solchen „Mülltourismus“ ist man vonseiten der Stadt zumindest rechtlich gewappnet. Je nach Größe einer wilden Müllkippe beträgt die Höhe des Bußgeldes bis zu 5000 Euro, sagt Heiko Brosig vom ordnungsbehördlichen Umweltschutz. „Bei Gefahrstoffen wie Öl ist man dann sofort im strafrechtlichen Raum.“ Neben den Kontrollen der Polizei während ihrer Streifendienste sucht Brosig in den Müllhaufen nach Zeitschriften, Schulheften oder Kontoauszügen, um die Verursacher ausfindig zu machen. „Manchmal gibt es auch Hinweise von Nachbarn.“

Mit konkreten Überlegungen, was man ab 2010 bei vermehrten Meldungen über eskalierende Situationen an der Sperrmüllfront tun will, hält man sich beim AWB noch zurück. Man gehe nicht davon aus, dass es viele Extremfälle geben wird, heißt es. „Im Grunde hat sich ja beim Sperrmüll nichts geändert, außer dass ab kommendem Januar Gebühren fällig sind“, meint Anita Maskos, die für Öffentlichkeitsfragen beim AWB zuständig ist.

Die eingeholten Erfahrungen anderer Kommunen, die schon auf kostenpflichtige Sperrmüllabfuhr umgestellt haben, berichteten von keinem nennenswerten Anstieg wilder Müllkippen. Um zu verhindern, dass es künftig vielen geht wie jetzt Regina Schulze, rät Maskos: den Sperrmüll so spät wie möglich an die Straße stellen und ihn, wenn möglich, auf dem eigenen Grundstück lagern.

Die Schutthalde vor Schulzes Mietshaus räumt der AWB übrigens in ihrem Fall. Einmalig und aus „Kulanzgründen, weil Weihnachten vor der Tür steht“.


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