Mittelmeer Malta – klein und abwechslungsreich

Von Michael Juhran

Von den Upper Barrakka Gardens in Valletta hat man eine beeindruckende Sicht auf Teile der Festung, die Three Cities und den Großen Hafen.Von den Upper Barrakka Gardens in Valletta hat man eine beeindruckende Sicht auf Teile der Festung, die Three Cities und den Großen Hafen.
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Valletta. Besonders groß ist die Mittelmeerinsel nicht – trotzdem hat Malta einiges zu bieten: Atemberaubende Küsten, faszinierende Architektur und eine Geschichte die über 6.000 Jahre zurück reicht.

Wer zum ersten Mal die kleinste Hauptstadt der EU besucht, ist von der Vielzahl und Pracht ihrer mittelalterlichen Bauten schier überwältigt. Kathedralen, Kirchen, Paläste, reich verzierte Villen – als habe man gerade ein riesiges Freilichtmuseum oder eine Filmkulisse betreten. Für geschichts- und kulturinteressierte Reisende tut sich eine wahre Fundgrube auf, denn jedes dieser aus gelbem Malta-Kalkstein errichteten Gebäude hat spannende Geschichten aus der Zeitperiode zwischen 1530 und 1798 zu berichten, als die Johanniter das Gesicht der Stadt prägten und Valletta in eine strategisch bedeutende Festungsstadt verwandelten. Die christlichen Ritter schrieben Geschichte, als sie im Jahr 1565 eine Einnahme durch osmanische Truppen verhinderten. Allerdings hatten sie den Angriff selbst durch Piratenüberfälle auf deren Schiffe provoziert, durch die sie ihren Reichtum zu vermehren suchten. Beutezüge und Handel zählten neben dem Eigenkapital der aus Adelsfamilien stammenden Ritter zu den Hauptquellen des Wohlstandes Vallettas.

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Die Hafenfront von Valletta mit ihren Festungsmauern.

Valletta erkunden

Der einstige Palast der Großmeister des Johanniterordens ist zwar gerade aufgrund von Renovierungsarbeiten unzugänglich, doch auch bei einem Besuch der 1577 fertiggestellten St.-John's-Co-Kathedrale erhält man einen markanten Eindruck vom Reichtum des Ordens. Gold, wertvolle Gemälde und Reliquien, kunstvolle Intarsien und Wappen zieren das Gotteshaus und die Seitenkapellen der einzelnen Landsmannschaften (Zungen) in einer Opulenz der Superlative. Stunden könnte man allein in dieser einen der vielen Kirchen der Stadt verbringen, um die Gemälde und Fresken zu betrachten, Details zu studieren, Inschriften zu übersetzen oder einfach das Flair auf sich wirken zu lassen. Erst das emsige Treiben auf der Hauptstraße Republic Street versetzt den nahezu in Ehrfurcht erstarrten Besucher zurück in die Gegenwart. Einheimische und Touristen gleichermaßen schwelgen hier zwischen Luxusbutiken, Markenshops, Andenkenläden und Delikatessgeschäften im siebenten Shoppinghimmel. Andere genießen in sonnigen Straßencafés und Restaurants die Atmosphäre der Altstadt und in nahezu jeder kleinen Gasse trifft man auf Gruppen älterer Frauen, die sich zum alltäglichen Klatsch und Tratsch in maltesischer Sprache treffen.

„Das maritime Klima wirkt ungemein entspannend auf die Menschen.“Sabine Attard

„Das maritime Klima wirkt ungemein entspannend auf die Menschen“, merkt die Wahlmalteserin Sabine Attard an, die seit 1995 als Guide auf den Inseln des Kleinstaates unterwegs ist. Die nahezu ganzjährige Sonne hat es ihr angetan und sie weiß die Freiheit zu schätzen, nach getaner Arbeit am Meer die Seele baumeln zu lassen und ins warme Wasser zu tauchen, erzählt sie während eines Rundganges auf den mächtigen Festungsmauern, die von der St. Michel's Bastion über das Fort St. Elmo bis zu den Upper Barrakka Gardens führen. „Die Bollwerke wurden unter Führung der Johanniter errichtet, nachdem sie sich gegen die Armada des osmanischen Sultans behaupten konnten“, berichtet Sabine und zeigt auf das gegenüber liegende Fort St. Angelo, in dem die zahlenmäßig weit unterlegenen Ritter lange der Belagerung standhielten.

Den Grand Harbour überquerend, ist man mit gondelähnlichen Dghajsa-Booten in wenigen Minuten am Fuße der legendären Festung und damit in den Three Cities Vittoriosa, Senglea und Cospicua, die es bereits vor Ankunft der Johanniter gab. Enge Gassen, gesäumt von traditionellen Häusern mit ihren bunten, arabisch geprägten Erkern, kleine Plätze mit Tavernen und Cafés vermitteln ein Bild historischer Authentizität. Im Gegensatz dazu wimmelt es in den Hafenbuchten von privaten Jachten und Segelschiffen vor der Kulisse altehrwürdiger Bauten. Angesprochen auf ihre herrliche Panoramaaussicht am Hafen antwortet eine ältere Dame mit herzlicher Offenheit: „Kommen sie doch hoch zu einem Tee und genießen sie ihn mit mir“. Wenige Meter weiter lädt ein Bauunternehmer dazu ein, eine der alten Wohnungen zu besichtigen, die gerade renoviert und mit einem Bad ausgestattet wird. Abseits der Touristenströme in Valletta erlauben derartige Begegnungen in den Three Cities Einblicke in das Alltagsleben der Malteser.

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Auf dem Weg nach Cirkewwa kommen Kinder und Junggebliebene ganz nebenbei im Vergnügungspark Popeye-Village auf ihre Kosten.

Abstecher nach Gozo

Wer die ganze Vielfalt Maltas erkunden möchte, sollte sich einen Abstecher vom Hafen Cirkewwa auf die Insel Gozo nicht entgehen lassen. Auf dem Weg zum Hafen kommen Kinder und Junggebliebene ganz nebenbei im Vergnügungspark Popeye-Village auf ihre Kosten, das aus den Kulissen für den gleichnamigen Film Robert Altmans entstand. Von Cirkewwa nach Mgarr benötigt die Fähre dann lediglich 25 Minuten. Wie auf der Hauptinsel, dominieren auch auf Gozo stattliche Kirchenbauten die besiedelten Flächen, die in der Inselhauptstadt Victoria durch eine monumentale Zitadelle eine Ergänzung finden. Dennoch sind es die kleinen Strände, die das gerade 67 Quadratkilometer große Eiland besonders für Einheimische als Urlaubsdomizil attraktiv machen. Sonnenhungrige treffen sich in der Ramla-Bay, die wie nur wenige Strände auf Malta über einen schönen Sandstrand verfügt. Taucher zieht es in die Dwejra-Bay zum berühmten Blue Hole und zu den Xwejni Salzpfannen, zu abenteuerlichen Unterwassergrotten, Riffen, gesunkenen Schiffen und in das Reich von Barrakuda, Kardinal- und Skorpionfisch.

Trip-Tipps

Malta
Anreise: Direktflüge nach Malta gibt es mit Air Malta, Lufthansa und Ryanair ab sechs deutschen Flughäfen: Berlin-Brandenburg BER, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München.
Corona: Reisende müssen sich vor ihrer Einreise nach Malta digital mit dem EU digital Passenger Locator Form (dPLF) anmelden. Aktuelle Informationen zu Hygieneprotokollen unter malta.reise/staysafe und häufig gestellte Fragen rund um Malta-Urlaub unter malta.reise/faq.
Touren: Die deutsche Wahlmalteserin Sabine Attard bietet individuelle Führungen an, attard.sabine@gmail.com.
Währung: Euro, Kreditkarten werden landesweit akzeptiert. EC-Karten werden noch nicht überall akzeptiert, man kann jedoch an den Bankautomaten Bargeld ziehen.

Baden auf Comino

Das mit Abstand beliebteste Badeziel ist jedoch die Blaue Lagune an der Küste der Insel Comino, die mit ihrem türkisblauen Wasser zu den angesagtesten Badebuchten des Mittelmeeres gehört. Doch es gibt ein Problem: bei starkem Wind findet sich im Hafen von Mgarr kein Bootsführer, der Gäste von Gozo aus zur ausgesetzten Bucht befördert. Doch Skipper Mario Buttigieg weiß trotz der vom steifen Wind gepeitschten See Abhilfe. Obwohl sein Motorboot auf den ersten hundert Metern wie eine Nussschale auf den hohen Wellen tanzt, bringt er seine Gäste als Trostpflaster sicher an die Klippen, Felsentore und Grotten der St. Maria Caves. Abenteuerlich wird es erneut, wenn er mit dem kleinen Boot in die Grotten hineinfährt.

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Ghar Lapsi ist eine beliebte Badebucht.

Zurück auf der Hauptinsel Malta geht es mit Sabine zu weiteren Höhepunkten, wie den 5000 Jahre alten Katakomben im Hal Saflieni Hypogeum, den mit bunten Fischerbooten drapierten Hafen von Marsaxlokk, den aus dem 19. Jahrhundert stammenden Palazzo Parisio mit seinen wunderschönen Gärten, die römisch-katholische Domkirche von Mosta und die hoch über der Landschaft gelegene alte Hauptstadt Medina, die schon die Römer als Kolonialniederlassung nutzten. Eine Weinverkostung im Weingut Marsovin rundet die Besichtigungstour ab. In den vor 500 Jahren von den Rittern gebauten Kellergewölben reifen köstliche Weine. 700 Tausend Flaschen, darunter Antonin Weißwein, Odyssee-Rosé und Marnisi Rotwein, produziert das Weingut jährlich, gerade genug für den heimischen Verbrauch in Malta.

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Bei einem Sonnenuntergang an den Dingli Cliffs, dem höchsten Punkt Maltas, heißt es Abschied nehmen.

Ein Panorama zum Abschied

Die Reise geht ihrem Ende entgegen und so stellt sich die Frage nach einem besonderen Ort des Abschieds. Sabine empfiehlt die Dingli Klippen zum Sonnenuntergang. Und wie immer sollte sie Recht behalten. Eingerahmt vom Meer, 250 Meter hohen Kalksteinklippen und einer dunklen Wolkenwand taucht der glühende Sonnenball am fernen, noch hellen Horizontstreifen ins Wasser – dramatischer und beeindruckender kann ein Lebewohl kaum ausfallen.


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