Städtetrip Gastronomisches Dresden: Schlemmen und staunen

Von Franz Michael Rohm

Rustikale Location für Foodies: das Speisewerk.Rustikale Location für Foodies: das Speisewerk.
Franz M. Rohm

Dresden. Von der berühmten Eierschecke über vegane Bowls, grandiose Sterneküche und rustikale Gerichte bis zum Absacker in der Karl-May-Bar: Zehn kulinarische Empfehlungen aus der sächsischen Landeshauptstadt und Umgebung.

Was eint alle Touristen beim Reisen? Richtig: Sie essen und trinken in den Lokalen der besuchten Städte und Regionen. Beim Besuch von Sachsens Hauptstadt heißt es neben der Visite von Frauenkirche, Residenzschloss, Zwinger, Elbufer und Villa Shatterhand auch, Speis und Trank zu sich nehmen. Guten Appetit.

Sterneküche in der Äußeren Neustadt

Zu den besten Häusern Dresdens zählt seit zehn Jahren das "Elements" mit dem Mittagsableger "Deli" in historischen Lagerhallen am Rande der Äußeren Neustadt. Seit 2015 verteidigt Chefkoch Stephan Mießner in den im Chippendale-Industrial-Stil eingerichteten Räumen seinen Stern. Im Fine-Dining-Bereich bestimmt Saisonales die Karte. Sehr beliebt ist der Lunch unter der Woche. Die gute Qualität ist seinen Preis wert, zwischen zwölf und 16 Euro kosten die Speisen, etwa feine Königsberger Klopse oder ein butterweicher, tempuragebackener Oktopusarm mit Miso-Mayonnaise und asiatisch-scharfem Gurkensalat.

Königsbrücker Straße 96, kein Hinweisschild an der Straße, Haus 25-26, Tel. 0351/2721696, Deli: Mo-Sa 11-23 Uhr, Fine Dining im Elements, Mo-Sa 18-23 Uhr.

Veganes Bistro im Szenekiez

Im Szeneviertel Dresden-Neustadt finden sich zahlreiche gute Restaurants, darunter auch solche mit vegetarisch-veganem Angebot wie das "Sprout!" von Luise Koenitz. Die 33-Jährige hat sich auf ein gesundes Tagesangebot spezialisiert, das in Bowls im Selbstbedienungsmodus angeboten wird. 6,90 Euro kostet die kleine Portion, die bestens sättigt. Täglich werden fünf warme und fünf kalte Speisen in Bio-Qualität angeboten. Bei gutem Wetter genießt man das Grün eines kleinen Gartens, ansonsten munden Hirse-Pilz-Eintopf, gerösteter Wirsing, Süßkartoffel-Pommes oder Linsen-Tofu-Salat im ahornholzhellen Schankraum. Im Anschluss genießen Gäste fair gehandelten Bio-Kaffee und selbstgebackenen Kuchen.

Rothenburger Straße 12, Tel. 0351/21093510, Mo-Sa 11.30-18 Uhr.

Rustikale Location für Foodies

Ähnlich gesund ist das Angebot im "Speisewerk", ein paar Straßen weiter. In dem mit viel Holz neo-rustikal eingerichteten Gasthaus werden täglich nicht mehr als drei Gerichte angeboten. Aber die haben es durchaus in sich, und sind zudem preiswert. Etwa ein Pulled Pork Burger im Vollkorn-Brötchen, Gemüse-Risotto oder Kalbstafelspitz auf Rote-Bete-Quiche mit Gurkenmarmelade, Spinatblättern und Pfirsich-Schnitzen. Dazu passt eine hausgemachte Himbeer-Ingwer-Limo.

Bautzener Straße 71, Tel. 0351/33 94 89 25, Mo-Fr 11-15 Uhr.

Klassiker in der Neustadt

Zu den spannendsten Neustadt-Restaurants zählt das "Raskolnikoff". Besitzer Ralf Hiener übernahm es 2014. Ihn faszinierte das Ensemble von zwei Häusern aus dem Jahr 1836, der uralte Hof, die unterschiedlichen Schankräume. Sogar acht Pensionszimmer gibt es. An den Feuerstellen steht seit mehr als 20 Jahren Heike Schirmer, die für ihren Borschtsch und ihre "innerdeutsche Landhausküche" bekannt ist. Dazu trinkt man süffiges Bier und ausgesuchte Weine aus der Region und Europa.

Böhmische Straße 34,Tel. 0351/8045706, tägl. 12-22 Uhr.

Wichtig

Aufgrund der dynamischen Entwicklung der Corona-Pandemie empfiehlt sich vor jedem Restaurant- und Barbesuch ein telefonischer Kontakt über die jeweiligen Öffnungszeiten und Hygieneregeln.

Eierschecke im Kuchenatelier

Zu den Dresdner Spezialitäten, die unbedingt probiert gehören, zählt die berühmte Eierschecke. Der Blechkuchen aus Hefeteig kann verschieden belegt werden, beispielsweise mit Obst und Mohn, auf jeden Fall jedoch mit Quark, Ei, Sahne, Zucker und Mehl. Eine der besten Eierschecken der Stadt wird im "Kuchen Atelier" angeboten.

Ringstraße 1 im Hotel Gewandhaus, 0351/49 49 36 36, Mi-So 13-18 Uhr, Filiale Prager Straße nahe Hauptbahnhof, täglich 11.30-23 Uhr.

Trendiger Gin-Cocktail in der Karl-May-Bar

Viele Bars hatten beim Besuch noch geschlossen. Bereits geöffnet hatte eine der traditionsreichsten der Stadt, die Karl-May-Bar im Taschenbergpalais Kempinski. Große Wandgemälden mit Indianermotiven und zahlreichen Devotionalien des berühmten Wildwest-Schriftstellers aus Radebeul bestimmen das Ambiente. 180 Sitzplätze standen vor der Corona-Pandemie zur Verfügung, etwa doppelt so viele Bouteillen warten auf Entleerung, allein mehr als 130 Whiskys stehen Barchef Niko Pavlidis und seinem Team zur Verfügung. Herbstempfehlung 2020: Gin aus Galizien, Limettensaft, Cranberry, Salbei. Nach dem dritten wird es gefährlich....

Kleine Brüdergasse 3-5, Tel. 0351/49120, Mi-Sa 18-2 Uhr.


Franz M. Rohm
Lokalmatador: der Dresdner Koch und Unternehmer Stefan Hermann.

Von der Bratwurst zum Sternemenü

Kurz vor seinem 50. Geburtstag hat Lokalmatador Stefan Hermann beschlossen, nur noch zwei Restaurants zu betreiben: die Ausflugsgastronomie am Konzertplatz Weißer Hirsch in Dresden und das Sternerestaurant "Atelier Sanssouci" in Radebeul. Dort, in einer wunderschönen Barockvilla aus dem Jahr 1752, hat Konrad Langer im Juni die Küchenchef-Position übernommen. Sein Sechs-Gang-Menü u. a. mit Gewürzkarotte, Seidentofu, Estragon, Quinoakrokant, Kalbstartar mit Eigelb, Belfer Knolle, gegrilltem Pulpo mit Romanesco-Soße und Lauch, Kurze Rippe vom Rind mit Kräuterjus, Cashewmousse und Gelber Bete überzeugte auf ganzer Linie, begleitet von sächsischen Weinen. Beim Besuch ist eine gut geladene Kreditkarte empfehlenswert...

Konzertplatz Weißer Hirsch, Stechgrundstraße, Tel 0351/26311950, Atelier Sanssouci in der Villa Sorgenfrei, Augustusweg Radebeul, Tel. 0351/7956660, Do-Mo 18.30-22 Uhr.

Über den Weinbergen

Zwei Kilometer entfernt thront über den besten Radebeuler Weinlagen, dem Goldenen Wagen, das Ausflugsrestaurant "Spitzhaus" mit fulminantem Blick ins Elbtal nach Dresden. Schon August der Starke habe ein altes Werkzeughaus der Weinbauern zur Verlustierung ausbauen lassen, berichtet Marco Stelter, seit 1998 Geschäftsführer des Hauses. Geboten wird solide bürgerliche Küche, wie geschmorte Ochsenbäckchen mit Kartoffelstampf etwa oder eine saftig gebratene Forelle aus Moritzburger Zuchtteichen, serviert mit süßlich angemachtem Salat, zum Preis von 18 Euro.

Spitzhaus, Spitzhausstraße 36, Radebeul, Tel. 0251/8309305, Mi-Mo 11-22.

Essen im Museum

Nicht nur für Foodies, sondern für alle Menschen, die sich für Ernährungsfragen interessieren, ist die Ausstellung "Future Food" im Deutschen Hygiene Museum Dresden zu empfehlen. Die Ausstellung beschäftigt sich informativ mit Produktion und Handel von Nahrungsmitteln von gestern, heute und morgen sowie dem Geschmack von Speisen. Die Ausstellung dauert noch bis Ende Februar 2021. In der Museumsküche werden leckere Kleinigkeiten und solide Hauptgerichte serviert.

Lingnerplatz 1, Tel. 0351/48460.


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