Norwegen Hurtigruten: Mit neuem Konzept auf der Postschiffroute

Von Michael Juhran


Michael Juhran

Hamburg. Lange galt eine Reise mit den Hurtigruten-Postschiffen entlang der norwegischen Küste als schönste Seereise der Welt. Die norwegische Schifffahrtsgesellschaft legt mit einer Expeditionsreise noch einen drauf.

Schöner geht es nicht? Doch es geht! Mit ihrer Expeditionsreise „Auf den Spuren der Postschiffroute“ tritt Hurtigruten den Beweis an, dass selbst eine der schönsten Seereisen noch besser werden kann. Ein Fest für die Augen war die Fahrt durch eine Bilderbuchlandschaft von Inseln, Schären und Fjorden schon immer. Das neue Kreuzfahrtangebot ab Hamburg ermöglicht nun deutschen Gästen auch eine bequeme Anreise und ein nachhaltigeres Urlaubserlebnis all inclusive. „Während die regulären Postschiffe ab Bergen 34 Häfen anlaufen und meist nur kurze Aufenthalte ermöglichen, beschränkt sich unsere Tour auf 14 bis 15 Stopps mit je vier bis acht Stunden Verweildauer“, umreißt Kapitän Björn-Ivar Pedersen das neue Konzept. Dank eines ausgefeilten Hygienekonzepts und fachkundiger deutschsprachiger Guides gibt es bei den Landgängen keine Abstriche.

Auf den Spuren der Postschiffe

Mitte September hat bereits der Herbst Einzug gehalten. Frühaufsteher erfreuen sich am Bug des Schiffes einer mystischen und von Nebelschwaden bedeckten Berglandschaft und spektakulärer Sonnenaufgänge. Gemeinsam mit dem Expeditionsteam beobachten sie Robben, Schweinswale und Seevögel. Langschläfer erblicken bei einem ersten Gang auf den Balkon oder an Deck bunte Herbstwälder und glitzernde, sich im Meer spiegelnde Bergketten, an denen das Schiff ruhig entlangzieht. Vereinzelt tauchen kleine Fischerboote und Fähren auf und an der Küste komplettieren rotbraune, gelb-, blau- und ockerfarbene Holzhäuser die Idylle. Urlaubsstimmung macht sich unter den etwa 270 Passagieren breit, die es mit doppelter Impfung, PCR-Test und zusätzlichem Antigentest im Hamburger Hafen an Bord geschafft haben, um in den nächsten zwei Wochen komfortabel, aber auch mit Entdeckerlust die norwegische Küste zu erkunden.

Michael Juhran
Stavanger ist der erste Hafen, der in Norwegen von der Otto Sverdrup angelaufen wird.

Erst 2020 war das ehemalige Postschiff zu einem luxuriösen Kreuzfahrtschiff mit dem neuen Namen des Polarforschers „Otto Sverdrup“ umgebaut worden. Geräumige Kabinen, drei Restaurants, eine Panoramalounge mit Bar sowie Fitness- und Massageräume inklusive Sauna – allesamt mit Meerblick – verwöhnen die Gäste. Ein Hybridantrieb mit Biodiesel und Akkukraft sorgt für deutlich geringere Emissionen, so dass man auch mit gutem Umweltgewissen unterwegs sein kann.

Nach einem Zwischenstopp im dänischen Esbjerg steuert das schwimmende Hotel mit Stavanger den ersten norwegischen Hafen an. Kaum eine andere Stadt Norwegens steht derart symbolisch für die Veränderungen im Land. Vor 50 Jahren begann von hier aus die Erschließung der Öl- und Gasressourcen im norwegischen Kontinentalsockel. Einkommen und Wohlstand stiegen, aber auch Umweltprobleme ließen nicht lange auf sich warten, erfährt man in einer Ausstellung im modern eingerichteten Ölmuseum der Stadt. Von einem traditionellen Fischereiort wandelte sich Stavanger zur zentralen Energiemetropole Norwegens. Wo einst die Fischkonserven auf Transportbändern klapperten, schossen Glaspaläste aus dem steinigen Boden.

 Exkursionen, Museumsbesuche und Stadtrundgänge

So wie der Besuch des Ölmuseums samt Stadtführung sind alle Landausflüge im Buchungspaket von Hurtigruten enthalten. Bei Exkursionen, Museumsbesuchen und Stadtrundgängen lernt man in relativ kurzer Zeit viele Seiten des gesellschaftlichen Lebens des Landes, seiner Geschichte, Traditionen und Kultur kennen, was an Bord durch Vorträge zu Geographie, Geologie, Kultur und Geschichte ergänzt wird. Aber auch die Unternehmungslust kommt nicht zu kurz. Nahe der Ortschaft Brönnöysund führt eine Bergwanderung zu einem 35 Meter hohen und 160 Meter langen Loch inmitten des 258 Meter hohen Torghatten.

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Der Torghatten ist mit seinem Loch in der Mitte ein beliebtes Ausflugsziel.

In Reine und Svolvaer auf den Lofoten gibt es vor einer prächtigen Gebirgskulisse einen Schnupperkurs in Sachen Trockenfisch. Hier dörren seit Jahrhunderten tausende Tonnen von Kabeljau und Dorsch auf Holzgestellen, bevor sie in den Export gehen. Lange Zeit wichtigster Fisch, musste er seinen Rang inzwischen an den Lachs abtreten, dessen Zuchtanlagen oft von Bord auszumachen sind. Auf Kapitän Pedersen wartet auf den Lofoten eine besondere Herausforderung. Bei der Fahrt durch den malerischen Trollfjord bleibt nur wenig Platz zwischen Schiffsrumpf und steil aufragenden Felswänden. Spannungsgeladen verfolgen die Gäste das Manöver und sind sich bald einig, mit einem der denkbar besten Kapitäne unterwegs zu sein.

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Als Wahrzeichen der Stadt begrüßt die Eismeerkathedrale in Tromsö die Kreuzfahrtgäste.

Bis hoch zum Nordkap

Der Küstenlinie folgend schlängelt sich die „Otto Sverdrup“ auch auf dem Weg nach Tromsö durch enge Passagen zwischen Inseln und Schären – eine Traumlandschaft, die viele entspannt von ihren Liegestühlen auf den Balkonen und auf dem Deck bewundern. Tromsö beheimatet die nördlichste Universität, die nördlichste Kathedrale und die nördlichste Brauerei der Welt, gegründet 1877 von einem deutschen Bäcker. Geschichtlich bedeutender waren allerdings die vielen Polarexpeditionen, die von Tromsö aus starteten. Das Polarmuseum gibt Einblicke in die bahnbrechenden Forschungsreisen von Fridtjof Nansen, Roald Amundsen, Otto Sverdrup und weiterer Polarpioniere.

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Mit dem Nordkap erreichen die Reisenden den nördlichsten Punkt der Kreuzfahrt.

Mit Honningsvaag am Nordkap erreicht die „Otto Sverdrup“ den nächsten Höhepunkt der Reise. Mit Bussen geht es vorbei an Rentieren an den (fast) nördlichsten Punkt Festlandseuropas. Besonders eifrig klicken die Fotoapparate vor dem Globus hoch oben auf dem Felsplateau, von dem nahezu jeder Reisende ein Selfie mit nach Hause nehmen möchte. Im Besucherzentrum begeistert eine moderne Ausstellung mit Aufnahmen vom Nordlicht und weckt Erwartungen.

Rückfahrt gen Süden

Auf der Rückfahrt gen Süden stoppt das Schiff in Finnsnes, wo eine Tagesrundfahrt auf der malerischen Insel Senja beginnt. Senja ist mit ihren majestätischen Bergrücken, wunderschönen Buchten und Südsee anmutenden Sandstränden ein landschaftliches Juwel, das lange im Schatten der benachbarten Lofoten versteckt blieb. Und auf der Weiterfahrt nach Trondheim ist es dann tatsächlich soweit. Als die Passagiere gerade im Begriff sind, sich für die Nacht auf ihre Kabinen zurückzuziehen, überrascht der Kapitän mit der Durchsage „Nordlichter steuerbord voraus“. In hellem Grün tanzen sie über den nächtlichen Himmel, ballen mal Wolken, um sich dann wieder streifenförmig über dem Meer zu erheben. Man kann sich an dem Farbspiel gar nicht sattsehen.

Trip-Tipps

Expeditionskreuzfahrt
Anreise: Sie erfolgt z.B. mit der Bahn oder eigenem Auto bis Hamburg, dem Start- und Endpunkt der Reise. Vom Bahnhof kann ein Transfer zum Schiff gebucht werden.
Einreise: Für die Teilnahme an der Reise sind aktuell eine komplette Impfung sowie ein PCR-Test erforderlich, der nicht länger als 72 Stunden zurückliegt. Vor dem Boarding erfolgt ein zusätzlicher Antigentest im Hamburger Hafen. Zudem ist ein gültiger Reisepass Voraussetzung für die Reise.
Reiseveranstalter: Hurtigruten bietet ganzjährig die 15-tägige Expeditionsfahrt “Auf den Spuren der Postschiffroute” mit der “Otto Sverdrup” an, im Sommer ab 3.699 €, ab Januar 2022 ist auch das neueste Expeditionsschiff “Fridtjof Nansen” auf dieser Route “Nordlichter und Perlen der norwegischen Küste” ab 4.290 € unterwegs, Tel.: 040 87409265.

Auch in Trondheim wartet mit einem Orgelkonzert im Nidaros-Dom ein beeindruckendes Erlebnis auf die Reisenden. Die gotische Kathedrale ist eine Art Nationalheiligtum, denn unter ihrem Boden soll der heilige König Olav seine letzte Ruhestätte gefunden haben, nachdem er Norwegen zu einem Königreich vereinte. Bis 1906 wurden die norwegischen Könige in dieser nördlichsten mittelalterlichen Kathedrale der Welt gekrönt.

In Aalesund sind deutsche Touristen besonders willkommen, seit Kaiser Wilhelm II. den Wiederaufbau der Stadt nach einem verheerenden Brand im Jahr 1904 finanziell unterstützte. Viele Jugendstilhäuser künden von dieser historischen Kraftanstrengung. Noch tiefere Eindrücke von der deutsch-norwegischen Geschichte erhalten die Kreuzfahrtgäste in Bergen, dem letzten Haltepunkt auf norwegischem Territorium. Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert betrieb die deutsche Hanse hier ein großes Handelskontor in einem eigenen Stadtteil direkt am Hafen. Hunderte Händler, Handwerker, Lehrlinge und Gesellen lebten vom Handelsmonopol für Stockfisch aus dem Norden und Mehl, Korn und Bier aus dem Süden. Wandelt man durch die etwa 60 originalgetreu wiedererrichteten Gebäude, kommt dies einer Zeitreise ins Mittelalter gleich. Harte Handarbeit und beengte ungeheizte Behausungen erwarteten die Neuankömmlinge, doch diejenigen, die dies jahrelang aushielten, konnten bald in der Hierarchie aufsteigen und als gemachter Mann nach Deutschland zurückkehren.

Michael Juhran
Unterwegs lässt sich ab und an auch eine Robbe sehen.

Nach Hamburg zurückkehren müssen auch die Kreuzfahrer an Bord. 14 eindrucksvolle Tage, gespickt mit landschaftlichen und kulturellen Highlights, nehmen sie im Gepäck mit nach Hause und für viele wird dieser intensive Exkurs entlang der norwegischen Küste Anlass sein, eine weitere Reise in dieses wunderschöne Land zu planen.


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