Google, wie weit kann ich noch fahren? Der neue elektrische Volvo XC40 erfordert Disziplin

Windschnittig sieht anders aus - Volvo setzt nicht auf eine stromlinienförmige Karosserie, sondern auf die Disziplin der Fahrer.Windschnittig sieht anders aus - Volvo setzt nicht auf eine stromlinienförmige Karosserie, sondern auf die Disziplin der Fahrer.
iStock/Tramino

Osnabrück. Die Zulassungszahlen für Strom-Autos gehen steil nach oben, viele Hersteller kündigen bereits das Ende der Verbrennungsmotoren an. Auch Volvo verfolgt solche Pläne. Der erste Schritt dahin ist der rein elektrische Volvo XC40.

Von außen betrachtet unterscheidet sich der elektrische XC40 nicht großartig von seinen konventionell angetriebenen Modellgeschwistern. Bedeutet: Auch wenn die Zeiten der kastenförmigen Kombis, die vorrangig auf Lehrerparkplätzen zu finden sind, natürlich schon lange vorbei sind, steht der XC40 recht steil im Wind. Das ist schon ungewöhnlich, da bei vielen Konkurrenten lange und intensiv an einer möglichst stromlinienförmigen Karosserie gefeilt wird, um den Stromverbrauch irgendwie noch zu senken.

Nicht, dass Volvo bewusst verschwenderisch mit dem Fahrstrom umgehen würde. Zumal es ja zu einem Großteil am Fahrer liegt, wie weit man mit einer Batterieladung kommt. Aber die Form des XC40 ist schon mal nicht dazu geeignet, um das letzte Kilometerchen noch aus der Batterie zu quetschen.

Um auf Reichweiten von um die 400 Kilometer zu kommen, muss man sich als Fahrer schon ein wenig disziplinieren. Was gar nicht so einfach fällt, angesichts der üppigen Motorisierung: Zwei jeweils 204 PS starke E-Motoren sitzen an der Vorder- und Hinterachse, der Antritt des elektrischen Schweden beim Betätigen des Gaspedals ist ziemlich beeindruckend.

Schnell geladen, schnell entladen

Ohne dass man den Startknopf drücken müsste (das Fahrzeug ist direkt nach dem Einsteigen fahrbereit) und ohne jegliche Verzögerung oder Unterbrechung durch Gangwechsel (wie bei E-Autos üblich, gibt es lediglich einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang), prescht das Fahrzeug nach vorn, drückt die Insassen förmlich in die bequemen Sitze.

Wer das regelmäßig macht, vielleicht auch noch auf der Autobahn die maximale Geschwindigkeit von 180 km/h regelmäßig ausreizt, der wird eher nach 200 als nach 400 Kilometern wieder an die Steckdose, Wallbox oder Schnelllader müssen. Auch wenn das Laden relativ zügig vonstattengeht: Das ist natürlich nicht die Gangart, die eines Elektromobils auch nur annähernd angemessen ist.

Wer sich allerdings auf der Landstraße und der Autobahn einigermaßen zügelt und einen höheren Anteil im Stadtverkehr absolviert, der schafft im Alltag einen Durchschnittsverbrauch, der unter dem angegebenen Wert liegt: 24,1 kWh auf 100 Kilometern wurden im Schnitt auf dem Prüfstand ermittelt, der Bordcomputer zeigte am Ende unseres Tests 19,9 kWh an. Im besten Fall – nämlich an der 150-kW-DC-Schnellladesäule – dauert es rund 40 Minuten, um von 0 auf 80 Prozent aufzuladen.

iStock/y_carfan
Navigation inklusive: Als erster Hersteller hat Volvo die Google-Suchmaschine ins Auto geholt.

Der elektrische XC40 erfordert Eingewöhnungzeit

Auch wenn viele Dinge mit einem Elektroauto im Alltag schnell ihren Schrecken verlieren, an eine Sache muss man sich als Fahrer erst einmal gewöhnen: Es gibt keine Anzeige, die die Restreichweite angibt. Stattdessen wird nur der prozentuale Füllstand der Batterie angezeigt – vergleichbar mit einem Smartphone, bei dem auch nicht die Dauer der restlichen Telefonierzeit angezeigt wird, sondern eben auch nur der prozentuale Wert.

Darüber stolpert man zu Beginn, kann aber dann doch nach einer gewissen Einarbeitungszeit einschätzen, wie weit man eben mit der Restladung noch kommt. Wer unbedingt wissen will, kann den Google-Assistenten per Sprachsteuerung nach der Restreichweite fragen.

Als erster Hersteller hat Volvo die Suchmaschine – inklusive Navigation – ins Auto geholt, was gut funktioniert: „Hey Google, wie groß ist meine Reichweite?“ liefert stets eine präzise Antwort. Gut, hätte man am Ende natürlich auch etwas einfacher haben können, indem man die Restreichweite als Anzeige ins Display integriert.

Auf einen Blick:

VOLVO XC40 RECHARGE PURE ELECTRIC
MOTOR 
  • 2 Elektromotoren (300 kW/408 PS)
  • max. Drehmoment: 660 Nm, Effizienzklasse: A+
  • Verbrauch: 24,1 kWh, CO2: 0 g/km (Werk)
  • 0-100 km/h: 4,9 Sek., Vmax: 180 km/h
  • 1-Gang-Getriebe, Allradantrieb
MASSE 
  • Länge: 4,43 m
  • Leergewicht: 2188 kg, zul. Gesamtgewicht: 2650 kg
  • Kofferraumvolumen: 414 Liter
  • Testverbrauch: 19,9 kWh
  • Preis: ab 59.250 Euro

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