Einer von 237.000? Was nach dem BWL-Studium kommt

Nach dem BWL-Studium stellt sich vielen Absolventen die Frage, wie es weitergeht.Nach dem BWL-Studium stellt sich vielen Absolventen die Frage, wie es weitergeht.
iStock/stockfour

Osnabrück. Kein Fach wird so oft studiert wie BWL. Betriebswirten stehen viele Türe offen – aber durch welche sollten sie gehen?

Auf Nummer sicher gehen – das haben sich vielleicht die grob 237.000 Studierenden gedacht, bevor sie sich für Betriebswirtschaftslehre eingeschrieben haben. Kein Fach ist in Deutschland so beliebt wie BWL. Das Studium gilt schließlich als zukunftsfeste Option. Zahllose Jobangebote, gute Bezahlung, passable Karrierechancen winken nach dem Abschluss. So heißt es zumindest, aber ist da auch etwas dran? Zwei Antworten:

Einerseits jaAndererseits nein
Unternehmerisches Denken ist praktisch überall gefragt. Keine Branche kommt ohne BWL-Experten aus, entsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten. Und der Bedarf ist groß: Allein zwischen 2008 und 2018 stieg das Jobpotenzial für Wirtschaftswissenschaftlern um 60 Prozent. Neben den klassischen Berufen wie Sales Manager oder Controller fassen Betriebswirte auch in neuartigen Feldern Fuß, etwa im Klimaschutz oder im IT-Bereich.Wenn jedes Jahr mehrere Hunderttausend BWL’ler auf dem Arbeitsmarkt strömen, ist das Gedrängel groß. Dazu kommt, dass je nach Branche auch Bewerber aus anderen Fächern um den Traumjob buhlen. PR und Marketing ziehen beispielsweise Geisteswissenschaftler an, den Personalbereich beanspruchen auch Psychologen und Juristen für sich. Es wird also immer schwerer, sich von der 237.000-köpfigen Masse abzuheben.


Verzwickte Lage – was also tun? Erst mal durchatmen, denn jeder Betriebswirt findet einen Arbeitsplatz. Laut Bundesagentur für Arbeit hatten 2018, also vor Corona, schlappe 1,7 Prozent BWL’er keinen Job. Das ist, wie alle wissen, die in Makroökonomie aufgepasst haben, Vollbeschäftigung. Spätestens nach der Pandemie dürfte die Zukunft rosig aussehen.

Vier Entscheidungshilfen mit Profilschärfe:

Das Wichtigste, um aus der BWL-Masse herauszustechen, ist zu wissen, was man wirklich will. Finanzen oder Personal? Beratung oder Management? 9 to 5 oder New Work? Herausfinden kann man das so:

  1. BWL-Studierende können ein Praktikum in einem Unternehmen absolvieren, das sie interessant finden. Für die Berufswahl zählt jede Entscheidung. Wenn man zum Schluss feststellt, dass der Job wohl doch nichts für einen ist, hat man wenigstens das herausgefunden und kann sich anderweitig umschauen. Dasselbe gilt für Nebenjobs als Werkstudent.
  2. Perspektivisch kann man das Profil auch mit einem Master schärfen. Oft sind Bachelor-Studiengänge in BWL eher generalistisch ausgelegt. Vorteil: Man lernt viele Facetten kennen. Nachteil: Man erwirbt eher oberflächliches Wissen. Wer allerdings entdeckt, dass zum Beispiel Nachhaltigkeitsmanagement genau das Richtige ist, sich in einem entsprechenden Master spezialisieren.
  3. Weiterbildung ist ohnehin ein wichtiger Punkt für BWL’ler. Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung meldet, wandelt sich die Arbeitswelt rasant in Richtung Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Für BWL’ler heißt das: am Ball bleiben! Schon heute bieten Weiterbildungsinstitute Zertifikate in Bereichen wie CSR- oder Social Media-Management an.
  4. Ob Master oder Bachelor: Absolventen können außerdem mit einem Traineeprogramm punkten. Dieses richtet sich an BWL’ler, die gerade frisch von der Hochschule kommen oder sich umorientieren wollen. Traineeships sind entweder generalistisch oder fachgebunden, am Ende des Programms sollte sich eine Stelle herauskristallisieren. Auf diese Weise kommt man auch mit recht wenig Praxiserfahrung an einen Job, der einem wirklich Spaß macht.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Winterausgabe des NOZ-Hochschulmagazins "Quo Vadis?".

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