Vom Theater in den Zoo Warum die Schauspielerin Denise Matthey von der Bühne an den Schreibtisch wechselt

Neu im Zoo: Online-Redakteurin Denise Matthey mit einer Tasse aus ihrer Heimatstadt Wuppertal, auf der die Schwebebahn und das Elefantenmädchen Tuffi zu sehen sind.Neu im Zoo: Online-Redakteurin Denise Matthey mit einer Tasse aus ihrer Heimatstadt Wuppertal, auf der die Schwebebahn und das Elefantenmädchen Tuffi zu sehen sind.
Philipp Hülsmann

Osnabrück. Drei Jahre lang hat die aus Wuppertal stammende Schauspielerin Denise Matthey im Theater Osnabrück an mehr als einem Dutzend verschiedener Produktionen mitgewirkt. Nun arbeitet sie als Online-Redakteurin für den Osnabrücker Zoo.

Frau Matthey, haben Sie keine Lust mehr auf die Schauspielerei?

Naja, so lässt sich das nicht sagen. Als ich nach meiner Ausbildung in Düsseldorf und Frankfurt und Engagements in Ingolstadt, Bielefeld, Krefeld und Essen in Osnabrück gelandet bin, habe ich mich hier schnell zuhause gefühlt. Das Theater und die Stadt haben Vieles vereint, was ich gesucht habe. Die künstlerische Qualität hat gestimmt und es war ein tolles, kollegiales Ensemble. Als in der Pandemie ein Großteil des Ensembles, mich eingeschlossen, durch die neue Leitung nicht verlängert wurden, hat das meinen Glauben ans Theatersystem stark erschüttert. Deshalb nehme ich mir jetzt mal eine Pause, um diese Erfahrung zu verarbeiten. Osnabrück ist ja eine sehr lebenswerte Stadt, die es mir nach meinen häufigen Standortwechseln ermöglicht, zur Ruhe zu kommen.

Wie sind Sie denn dann ausgerechnet auf den Zoo gekommen?

Schon als Kind bin ich immer gern im Zoo gewesen und Tiere üben bis heute eine große Faszination auf mich aus. Und ich liebe digitale Medien und Gestaltung. Vor meinem Schauspielstudium habe ich einen Bachelor in Medien- und Kulturwissenschaften gemacht und mich im Lockdown weitergebildet. Als dann ausgerechnet am Abend des letzten Drehtags für das „Narrenschiff“ am Theater Osnabrück in meinem Computer die Stellenanzeige des Zoos aufgeploppt ist, habe ich alles daran gesetzt, den Job zu bekommen. Das war, neben Schauspiel, tatsächlich mein Traumjob: Öffentlichkeitsarbeit für einen Zoo. Zumal die meisten heute „organischer“ und tiergerechter gestaltet sind als früher.

Haben Sie denn einen persönlichen Bezug zu Tieren oder gar welche zuhause?

Haustiere durfte ich leider nie haben und in meinem Beruf mit den vielen Ortswechseln wäre das auch schwierig gewesen. Aber ich habe mich stets sehr für Tiere interessiert. Neben Zoobesuchen habe ich viel über Tiere gelesen und gelernt. Es ist toll, dass ich durch meinen neuen Job dieser Leidenschaft wieder nachgehen kann: Im Zoo spreche ich mit Fachleuten, stelle Fragen und lerne eine Menge dazu.

Worin unterscheidet sich die „Konferenz der Tiere“ im Zoo von der im Theater?

Einerseits natürlich in so grundlegenden Dingen wie den Arbeitsverträgen: Die Künstlerverträge schränken Arbeitnehmerrechte stark ein. Als ich im Zoo angefangen habe, wusste ich nicht, wie ich mir Urlaub nehme, Feierabend mache oder wie sich ein regelmäßiges Wochenende anfühlt. Ähnlich wie am Theater gleicht jedoch im Zoo kein Tag dem anderen: Es gibt immer neue Herausforderungen und Ereignisse und es wird nie langweilig. Mein Job ist sehr vielfältig und erfordert einerseits Fachkenntnisse, aber auch eine Menge Kreativität. Ich genieße den Austausch mit Kollegen und die Abstimmung der Inhalte auf Augenhöhe. Auch das Schreiben an sich und das Recherchieren macht mir Spaß. Im Mittelpunkt stehen die Inhalte - nicht ich. Anders als am Theater, wo es für eine Frau mit Mitte Dreißig schwer ist, ein neues Festengagement zu bekommen. Es ist günstiger, wenn jüngere Kolleginnen „älter“ spielen. Die Ensembles sind auch häufig mit mehr Männern als Frauen besetzt. Das liegt daran, dass es in der klassischen Theaterliteratur mehr männliche Hauptrollen gibt als weibliche. Ich hoffe, dass sich da in Zukunft etwas ändern wird.

Im Familienstück spielten Sie die Elefantendame Oska. Hilft das beim neuen Job?

Na ja, Elefanten sind einfach tolle und vor allem sehr soziale Tiere. Als wir für die „Konferenz der Tiere“ Pressefotos im Zoo gemacht haben, wurden wir mit ihnen fotografiert. Da schließt sich auf gewisse Weise ein Kreis. Und bereits in meiner Rolle als Oska war ich als Teamleiterin mit Laptop unterwegs und habe Videokonferenzen organisiert, um für mehr Umwelt- und Klimaschutz zu sorgen. Das passt also ganz gut. Ich empfinde es aber auch einfach als sehr beruhigend, Elefanten zu beobachten.

Gibt es ein Lieblingstier oder haben Sie sich schon eines ausgeguckt?

Momentan ist es auf jeden Fall der Polarfuchs. Ich finde es faszinierend, wie diese Tiere permanent ihre Fellfarbe wechseln. Ein Kostümwechsel, sozusagen! Schon toll, was die Natur so alles drauf hat. In der Pause gehe ich gern zu den Polarfüchsen. Eine besondere Verbindung habe ich zur Füchsin Lisa, deren Bild mir quasi die Stelle ermöglicht hat. Es ist schön, dass ich die Tiere jetzt im Verlauf des ganzen Jahres beobachten kann.

Was schätzen Sie an Osnabrück so sehr, dass sie hier erstmal bleiben wollten?

Die Stadt kannte ich bereits, bevor ich hergezogen bin, weil meine Schwester hier studiert hat. Ich habe mich sofort zuhause gefühlt und keinen Grund gesehen, nochmal umzuziehen – vor allem nicht mitten in der Pandemie. Osnabrück ist eine sehr lebenswerte Stadt und ich mag die Menschen und ihre nordisch direkte Art. Ich wohne am Fuße des Westerbergs und gehe von dort aus gern in den Botanischen Garten. Aber auch die Altstadt mit ihren Cafés und Kneipen mag ich. Den Piesberg finde ich mit seiner speziellen Atmosphäre sehr interessant.

Wird es Sie denn früher oder später zurück auf die Bühne ziehen?

Im Moment fühlt es sich so, wie es ist, genau richtig an. Ich bin sehr dankbar, dass ich im Zoo diese andere Seite von mir ausleben kann. Klar vermisse ich das Theaterspielen. Es ist ein großer Teil von mir, ganz losgelöst vom Theatersystem, bei dem ich großen Reformbedarf sehe. Bis da eine grundlegende Umstrukturierung stattfindet, brauche ich deshalb erstmal Abstand. Aber eine Rückkehr auf die Bühne schließe ich natürlich nicht aus.

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