Urlaubstrend Camping auf dem Bauernhof

Von Jessica Weiser

Nicht nur für Bulli-Fahrer: Stadt Land Bus Camping vermittelt Stellplätze abseits der großen Campingplätze.Nicht nur für Bulli-Fahrer: Stadt Land Bus Camping vermittelt Stellplätze abseits der großen Campingplätze.
Stadt Land Bus Camping

Osnabrück. Urlaub mit Bulli, Wohnmobil oder Wohnwagen? Ein Trend, der aktuell viele neue Fans gewinnt. Dass der Weg dabei nicht immer auf traditionelle Campingplatz führen muss, beweisen zwei kreative Jungunternehmer.

Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie erfreut sich Campingurlaub wachsender Beliebtheit. Schließlich ist man auf dem Campingplatz unabhängig von Essenszeiten und flexibel genug, um die Zelte abzubrechen und einfach weiterzufahren. Quasi Urlaub in den eigenen vier Wänden. Kein Wunder also, dass das Statistische Bundesamt 2019 insgesamt 35,8 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen zählte. Und 2020 wurden in Deutschland rund 28.600 Caravans und 48.200 Reisemobile neu zugelassen. Doch nicht jeder möchte auf dicht gefüllten Campingplätzen urlauben. Da ist guter Rat teuer, denn Wildcampen ist zwar bei Individualisten bliebt, doch in den meisten europäischen Ländern entweder verboten oder nur mit Einschränkungen erlaubt. Eine Alternative könnte da das Angebot von Online-Vermittlungsplattformen wie „Stadt Land Bus Camping“ aus Quakenbrück oder „Schau aufs Land“ aus dem österreichischen Graz bieten.

Was wird angeboten?

Die beiden Anbieter bringen Camper mit Privatanbietern von Stellplätzen zusammen. Für Privatpersonen ist nämlich das Betreiben von maximal drei Stellplätzen auf einem privaten Grundstück erlaubt. Urlaub auf dem Bauernhof statt Campingplatz-Feeling. „Ich wollte ursprünglich selbst einen naturbelassenen Campingplatz eröffnen“, sagt Marco Guido, Gründer des Start-up-Unternehmens „Stadt Land Bus Camping“. „Das hat die Stadt untersagt und so habe ich mich nach Alternativen umgeschaut.“ Beim Studium der Gesetzestexte stieß er auf die Drei-Stellplatz-Regel. „Statt eines einzigen, großen Campingplatzes biete ich nun also viele kleine an.“ Voraussetzung für Gastgeber, die auf der Webseite gelistet werden: „Der Gastgeber muss Gastgeber sein wollen und Lust auf Gäste haben“, so Guido. „Wir schauen natürlich, dass der Platz zudem noch eine gute Lage hat, also zum Beispiel in Stadtnähe oder eben in einer schönen Naturlandschaft.“ Dusche, Toilette, Wasser oder Strom müssen nicht zwangsläufig angeboten werden. „Viele Camper sind ja autark unterwegs und legen darauf nicht unbedingt Wert.“ Gegen einen kleinen Aufpreis – zusätzlich zur Miete für den Stellplatz – böten viele Gastgeber aber diese Extras auch an.

Trip-Tipps

Das Angebot des österreichischen Unternehmens „Schau aufs Land“ geht in eine ähnliche Richtung. Leonard Röser und sein Team vermitteln Campern Stellplätze auf Bio-Bauernhöfen. Dabei steht das Thema Nachhaltigkeit im Fokus. „Wer campen geht, der will raus in die Natur“, stellt Röser, der seinen Master in Umweltsystemwissenschaften mit Schwerpunkt auf nachhaltigkeitsorientiertes Management absolviert hat. Einfach rauskommen, ganz ohne Menschenmassen für sich sein und die Ruhe genießen. „Unsere Plattform ist die Alternative zum verbotenen Wildcampen.“ Das Netzwerk von „Schau aufs Land“ besteht aktuell aus 350 Partnerbetrieben in Österreich. Alle haben einem Kriterienkatalog für nachhaltiges Wirtschaften zugestimmt. „Wir fördern damit das bewusste und nachhaltige Reisen, unterstützen nachhaltige Landwirtschaft und nachhaltige Ernährung.“ Auch bei der österreichischen Plattform werden Stellplätze für jeden Geschmack angeboten – für Zelte, aber auch für große Wohnmobile.

Stadt Land Bus Camping
Marco Guido ist das Gesicht hinter Stadt Land Bus Camping

Besonders in Corona-Zeiten seien ihre Angebote gefragt, bestätigen die beiden Jungunternehmer. „Der Lockdown wurde ja erst im Mai aufgehoben und trotzdem haben wir Kunden, die nun schon zum fünften Mal bei uns gebucht haben“, berichtet Marco Guido. Eine Erfahrung, die auch Leonard Röser gemacht hat. Der große Vorteil ihres Angebots? „Auf den gängigen Campingplätzen steht man oft dicht an dicht“, so Röser. Sanitäranlagen, Einkaufsläden, Restaurants – alles teile man sich mit anderen Campern. Bei den Konzepten von Guido und Röser ist das anders – es gibt ja auch nur maximal drei Stellplätze. „Und die liegen meist nicht mal direkt nebeneinander“, so die Anbieter.

An wen richten sich die Plattformen?

Der Trend zum Campingurlaub wachse stetig, da sind sich die beiden Jungunternehmer einig. „Weg vom Massentourismus hin zur individuellen und nachhaltigen Reise“, beschreibt Marco Guido die aktuelle Stimmungslage. Gerade durch Corona habe sich dieser Trend noch einmal verstärkt, kann auch Leonard Röser nur bestätigen. „Durch Corona und die damit verbundenen Reisewarnungen haben sich die Menschen nach Alternativen umgeschaut.“ Urlaub im eigenen Land habe an Attraktivität gewonnen. „Den Camping-Trend gibt es schon länger, aber durch die Pandemie entdecken nun auch viele Menschen, die vorher nichts mit Camping am Hut hatten, diese Form des Reisens“, so Röser.

Schau aufs Land
Team von "Schau aufs Land".

Die Plattformen richten sich an alle, die einen Stellplatz für Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt suchen – und zwar abseits der großen Campingplätze. Wem ein Stellplatz nicht reicht, der kann bei „Stadt Land Bus Camping“ im Vorfeld nach weiteren Extras suchen. „Zusatzleistungen wie Frühstücksservice, Fahrradvermietung oder eine Gästebox für das eigene Pferd können im Vorfeld dazugebucht werden“, sagt Marco Guido, der sich 2020 selbstständig gemacht hat. Im Kalender suchen sich Interessierte dann ihren Reisezeitraum aus und buchen.

Bei Leonard Röser geht es dagegen spontaner zu. „Was viele an dieser Form des Reisens lieben, ist die Freiheit auf vier Rädern“, sagt Röser, der selbst begeisterter Camper ist. „Sie wollen flexibel und vor allem spontan sein.“ Deshalb gibt es auf der Webseite keine langfristigen Buchungen. „Sie erfolgen kurzfristig ein bis zwei Tage vor der Anreise.“ Anschließend können Nutzer der Plattform von „Schau aufs Land“ dann 24 Stunden lang auf dem Stellplatz des landwirtschaftlichen Betriebes bleiben.

Schau aufs Land
Schau aufs Land vermittelt Campern Stellplätze auf Bio-Bauernhöfen.

Es sind aber nicht nur die Camper, die angesprochen werden sollen: „Die Online‐Plattform richtet sich auch an Landwirte und Privatgrundbesitzer, die Camping‐Stellplätze für Urlauber zur Verfügung stellen wollen“, sagt Marco Guido, der ebenfalls schon so manchen Campingurlaub gemacht hat. Die Gastgeber verdienen durch die Vermietung der Stellplätze etwas dazu und können ihren Gästen das Leben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb näherbringen. „Für sie bleibt der Aufwand gering“, so Guido, der nach seinem Studium zunächst bei einem Unternehmen in Hamburg Berufserfahrung sammelte. „Betreuung, Beratung sowie Kommunikation, Vermarktung und die finanzielle Abwicklung übernimmt Stadt Land Bus Camping gegen eine kleine Provision.“

Bei „Schau aufs Land“ funktioniert das System ein wenig anders. „Die nachhaltigen Betriebe können sich kostenlos listen lassen, ihre Produkte und Angebote vorstellen, neue Kunden dazugewinnen und durch den Verkauf ab Hof die Direktvermarktung stärken“, erklärt Gründer Leonard Röser das Konzept. Der Bauernhof profitiere unter anderem durch Einkäufe im Hofladen oder Buchungen von Führungen oder Workshops. „Eine Win-Win-Situation für Gastgeber und Gäste“, findet Röser. Es sei sehr schade, wenn manche glaubten, es gebe einfach alles umsonst und dass man sich nicht bei Gastgebern revanchieren müsse. „Das kommt aber zum Glück nur sehr selten vor.“

Was kosten die Angebote und wie funktionieren sie?

Die Preise für einen Stellplatz bestimmen die Gastgeber bei „Stadt Land Bus“ selbst. Los geht es bei etwa 10 Euro pro Nacht für einen einfachen Stellplatz ohne Dusche, Toilette, Strom oder W-Lan. Plätze mit mehr Komfort und Extras sind dementsprechend teurer. Gebucht werden kann aktuell online über die Webseite. „Wir arbeiten an einer App, die Buchungen auch per Handy ermöglicht“, so Marco Guido. Außerdem könne man sich in der App dann auch ein eigenes Profil anlegen, Höfe favorisieren und vieles mehr.

Für die Nutzung der österreichischen Seite „Schau aufs Land“ wird ein Mitgliedschaftsbeitrag von 34,90 Euro pro Jahr fällig. Damit erhält man Zugang zum digitalen Stellplatzführer mit allen Infos, Bildern und Kontaktdaten. Die Stellplätze werden dabei von den Partnerbetrieben in erster Linie unentgeltlich angeboten. „Wir sagen immer kostenlos aber im Sinne von Wertschätzung“, so Leonard Röser. „So sollen sich die Reisenden mit einem Einkauf ab Hof, der Nutzung von Angeboten oder einer freiwilligen Spende für die Gastfreundschaft erkenntlich zeigen.“


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