Interview Nachhaltigkeit: Wie Hotelier Ewald Biemans neue Maßstäbe setzt

Von Jessica Weiser

Ewald Biemans eröffnete 1987 am Eagle Beach auf der Karibikinsel Aruba das „Bucuti & Tara Resort“.Ewald Biemans eröffnete 1987 am Eagle Beach auf der Karibikinsel Aruba das „Bucuti & Tara Resort“.
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Oranjestad. Das Bucuti & Tara Beach Resort auf Aruba ist das erste klimaneutrale Hotel der Karibik. Im Interview erzählt Betreiber Ewald Biemans, wie er das geschafft hat und welche Ziele er sich noch gesetzt hat.

Herr Biemans, Ihr Hotel, das „Bucuti & Tara Resort“, wurde 2020 von den Vereinten Nationen mit dem „Global United Nations Climate Action Award“ ausgezeichnet – als erstes Resort weltweit. Was bedeutet dieser Preis für Sie?

Sehr viel! Es ist unglaublich, diese Auszeichnung als erstes und einziges Hotel zu bekommen. Das motiviert uns, weiterzumachen und ist gleichzeitig eine Bestätigung, dass der Weg, den wir vor rund drei Jahrzehnten eingeschlagen haben, der richtige war.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Anfänge auf Aruba?

Ich bin 1970 auf die Insel gekommen, da mir jemand eine Arbeit angeboten hat. Damals steckte der Tourismus dort noch in den Kinderschuhen. Es gab eine Ölraffinerie auf der Insel und hier und da kamen mal ein paar kleine Kreuzfahrtschiffe vorbei. In den ersten Jahren kamen zunächst ein paar hundert Touristen pro Jahr, und heute zählen wir mehr als eine Million Übernachtungen jährlich. Ganz am Anfang gab es ein Hotel, heute sind es weit mehr als 20 – von kleineren Häusern wie unserem „Bucuti & Tara Resort“ bis hin zu großen Ketten.

Bucuti & Tara Beach Resort
Der Eagle Beach ist der weitläufigste Strand Arubas.

Das Resort haben Sie bereits 1987 gegründet. Spielten Umweltschutz und Nachhaltigkeit schon damals eine Rolle?

Ich bin auf einem Bauernhof in Österreich geboren und aufgewachsen. Die Liebe zur Natur und zu Tieren liegt mir also quasi in den Genen. Als der Tourismus anfing, konnte man beobachten, wie auch die Umweltverschmutzung auf Aruba zunahm. Die Leute haben Dinge einfach weggeworfen, statt sie wiederzuverwenden. Deshalb haben wir Anfang der 90er-Jahre damit begonnen, den Strand vor unserem Hotel sauber zu halten. Da hat man so einen schönen weißen Sandstrand vor der Tür, und dann liegt da überall Abfall . Das hat mich sehr geärgert.

Das war also das Schlüsselerlebnis, das Sie beeinflusst hat?

Nein, das Schlüsselerlebnis war ein anderes. Tatsächlich war es ein deutscher Gast, der mich wachgerüttelt hat. Auch das war Anfang der 90er-Jahre. Da haben wir an der Poolbar die Getränke noch in Plastikbechern ausgegeben. Einer meiner Mitarbeiter hat dem deutschen Gast also sein Bier in einem Plastikbecher serviert. Der Deutsche war so empört. Der kam mit dem Becher zu mir,er war ganz rot im Gesicht und fragte: „Was soll das? Das kann doch nicht sein.“ Ich habe mich dann bei ihm entschuldigt – und das war für uns der Auslöser, Einwegplastik abzuschaffen.

Dabei blieb es aber nicht?

Biemans: Richtig! Öl ist zum Beispiel in den vergangenen Jahrzehnten sehr teuer geworden. Dazu muss man wissen, dass Aruba Wasser und Elektrizität durch Turbinen, die mit Öl betrieben werden, gewinnt. Sie können sich vorstellen, wie teuer der Prozess ist. Deshalb sind auch hier Einsparungen notwendig gewesen. Wir haben zum Beispiel den Wasserverbrauch reduziert, Abwasser wird wiederaufbereitet. Zusätzlich haben wir Strom-erzeugende Geräte im Fitnessstudio und Bewegungssensoren in allen Hotelzimmern, die die Klimaanlage herunterfahren, sobald der Gast den Raum verlässt. Außerdem haben wir eine eigene Solaranlage und beziehen bereits 25 Prozent unserer Energie aus den Windfarmen und Solarparks auf der Insel – um nur ein paar unserer Bemühungen zu nennen.

Bucuti & Tara Beach Resorts
Bereits in den 90ern verbannte Ewald Biemans Plastik aus seinem Hotel.

Wie leicht beziehungsweise schwer war es für Sie, all das umzusetzen?

Es war natürlich nicht immer leicht – vor allem mit der Bürokratie vor Ort. In der Regierung hier auf Aruba sitzen meist ältere Politiker und die sind in ihren Ansichten noch sehr festgefahren. Mittlerweile läuft es mit der Kommunikation aber schon viel besser als früher, und das ist auch dringend nötig. Schauen Sie mal: 300 bis 400 Millionen Dollar werden hier jedes Jahr ausgegeben, allein um Öl einzukaufen. Und das, obwohl wir hier jede Menge Sonne und Wind haben. Deshalb werden nun verstärkt Windräder und Solarpaneele aufgebaut, um bis 2030 das ehrgeizige Ziel zu erreichen, vollkommen unabhängig von Öl und Gas sein. Sie wollen komplett fossil-fuel free werden. Das freut uns natürlich.

Warum?

Wir im Bucuti & Tara haben natürlich schon viel früher angefangen zu investieren und Maßnahmen zu ergreifen. Immer so, wie es finanziell gerade möglich war. Wir produzieren im Hotel mittlerweile rund 20 Prozent unseres Strombedarfs selbst. Mehr dürfen wir nicht, da das Monopol bei der Elektrizitätsgesellschaft liegt und die wollen natürlich auch noch was verdienen. Verzichten können wir auf die Gesellschaft aber nicht, denn wenn mal Knappheit herrscht, sind wir auf sie angewiesen. Aber wie heißt es so schön: Notwendigkeit ist die Mutter der Erfindung. Und so langsam kommt Bewegung in die Sache.

Was sagen denn die Gäste zu Ihrem Konzept?

Vor allem die Europäer haben von Anfang an mitgemacht und langsam, aber sicher findet sogar bei den Amerikanern ein Umdenken statt. Unser Konzept wurde schon immer sehr gut angenommen. Ganz viele Umstellungen sind den Gästen auch gar nicht aufgefallen, weil sie hinter den Kulissen stattfinden. Wir recyceln zum Beispiel einen großen Teil unseres Abfalls. Das merken die Leute nicht. Wir haben auch die Essensportionen reduziert. Früher haben wir amerikanische Portionen serviert, die sind riesig und meist bleibt viel zu viel übrig. Wir haben sie deshalb kleiner gemacht. Sie glauben das vielleicht nicht, aber den Gästen ist das nicht aufgefallen. Aber durch diese kleine Anpassung haben wir den Abfall um 30 Prozent verringert. Auch beim Import von Waren achten wir darauf, wo sie herkommen, um lange Transportwege zu vermeiden.

Stehen Sie im Kontakt mit anderen Hoteliers? Was halten die von Ihrem Konzept?

Ich bin Mitglied und im Vorstand der Caribbean Hotel & Tourism Association und ich habe natürlich allen angeboten, dass sie gerne herkommen können, um sich ein Bild von unserer Arbeit zu machen. Wir schicken auch gerne unser Informationsmaterial raus. Unser größtes Problem sind nun einmal der Klimawandel und die Erderwärmung. Das hat schlimme Folgen für Aruba, für die Karibik und alle Küstenregionen weltweit. Was haben wir schon von unserem Traumstrand, dem Eagle Beach, wenn hier irgendwann alles unter Wasser steht und man auf unserem Hotelgelände nur noch schnorcheln und tauchen kann? Umweltschutz hat die höchste Priorität. Darum arbeiten wir so begeistert daran und versuchen, jede Menge Leute mitzunehmen, denn allein schaffen wir das nicht. Zum Glück findet gerade überall ein Umdenken statt, auch in der Karibik. Das Problem sind noch die großen Hotelketten. Die Investoren und Betreiber, die dahinterstehen, sind daran interessiert, Geld zu verdienen. Das macht es schwierig. Natürlich haben auch die Ketten Umweltprogramme, aber nicht in dem Umfang wie wir.

Bucuti & Tara Beach Resorts
Bewegungssensoren in den Zimmern schalten zum Beispiel die Klimaanlage ab, sobald ein Gast das Zimmer verlässt.

Sie sprechen gerade über die Regierung, über Gäste und Kollegen, aber wie wichtig ist es auch, die Bevölkerung bei der Umsetzung der Ideen mitzunehmen?

Wir haben in den vergangenen 30 Jahren unsere Mitarbeiter in Sachen Umweltschutz aus- und weitergebildet. Die machen auch gerne mit. Im Großen und Ganzen muss aber auch hier noch ein Umdenken stattfinden. Wir gehen da mit gutem Beispiel voran und säubern einmal im Monat zum Beispiel den Strand. Ich sage immer: "Aruba is not in the tourism industry - Aruba is in the nature business." (dt.: Aruba ist nicht im Tourismus tätig, sondern im Naturgeschäft). Ohne die Natur hätten wir auch keinen Tourismus. Diese Nachricht müssen wir immer und immer wiederholen, denn wenn wir nicht beschützen, was wir hier haben - also das saubere Wasser, die schönen Strände, unsere Kakteenhaine -, was sollen die Leute dann hier? Warum sollten sie dann kommen? Ist alles verdreckt und tot, dann gehen sie woanders hin.

Sie lassen sich also nicht entmutigen?

Auf keinen Fall. Der Tourismus macht rund 90 Prozent des Einkommens der Insel aus. Wovon sollen die Menschen hier leben, wenn keine Touristen mehr kommen? Sie wären gezwungen, die Insel zu verlassen. Ich mache also weiter, obwohl ich schon seit einiger Zeit in Rente gehen könnte. Aktuell stehe ich in Kontakt mit dem Unternehmen, das die Windräder baut, denn ich möchte noch mehr Windenergie einkaufen. In Zukunft soll das „Bucuti & Tara“ nämlich nicht nur CO2-neutral sein, sondern CO2-negativ.


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