Service Reisen und Corona: Welche Rechte haben Reisende?

Von Magnus Horn

Trotz Impfungen und Tests gibt es viel zu beachten, wenn es auf Reisen geht. Gerade was die Rechte von Reisenden angeht.Trotz Impfungen und Tests gibt es viel zu beachten, wenn es auf Reisen geht. Gerade was die Rechte von Reisenden angeht.
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Osnabrück. Aufgrund der Corona-Pandemie ist Reisen so kompliziert wie selten zuvor. Welche Regeln gelten? Wie kann ich meine Rechte geltend machen? Im Vorfeld heißt es also: gut informieren.

Nach einem unübersichtlichen Reisesommer 2020 sind die Voraussetzungen in diesem Jahr etwas anders. Zumindest teilweise. Denn auch trotz Impfungen und Tests gibt es viel zu beachten, wenn es auf Reisen geht. Gerade was die Rechte von Reisenden angeht, ist es gar nicht so leicht, den Durchblick zu haben. Das weiß auch Nicole Mutschke, Anwältin aus Düsseldorf. Im vergangenen Jahr hat ihre Kanzlei allein mehr als 3.000 Anfragen bearbeitet, die im Zusammenhang mit Corona standen.

Frühe Stornierung nicht immer sinnvoll

Damals wie heute geht es oft um eine mögliche Stornierung einer Reise. Hier seien Pauschalreisende etwas im Vorteil, erklärt Mutschke. „Eine Pauschalreise kann man kostenfrei stornieren, wenn außergewöhnliche, unvermeidliche Umstände auftreten, die die Reise erheblich beeinträchtigen.“ Ein starkes Indiz hierfür ist beispielsweise die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Bei Individualreisen stellt sich das etwas anders da. „Solange das Hotel geöffnet hat und das Flugzeug fliegt, muss man zahlen“, erklärt die Expertin. „ Während 2020 die weltweite Lage im Frühjahr allerdings noch nicht abzusehen war und die Gerichte hier etwas großzügiger waren, ist die Vorhersehbarkeit heute etwas besser“, sagt Mutschke. Im Normalfall gilt: Je näher der Reisetermin rückt, desto höher sind die Stornogebühren. „Jetzt aber wegen der möglichen Umstände schon Monate vorher zu stornieren, ist nicht so sinnvoll. Man muss dann schon auch erkennen, dass zum Zeitpunkt der Reise eine Beeinträchtigung vorliegt. Das wird drei Monate vorher aktuell so nicht möglich sein“, sagt Mutschke.

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Nicole Mutschke ist Expertin für Reiserecht

Bei Krankenversicherungen auf Pandemie-Bedingungen achten

Pauschalurlauber seien auch auf der besseren Seite, falls es aktuell im Urlaub zu unerwarteten Vorfällen komme– wie beispielsweise eine Corona-Erkrankung. „Der Veranstalter hat eine sogenannte Fürsorgepflicht“, sagt Mutschke. Er müsse sich um die ärztliche Versorgung und die Bezahlung des weiteren Aufenthalts bemühen. Grundsätzlich müsse man schauen, wie weit die eigene Krankenversicherung reiche. Im nicht europäischen Ausland habe eine Auslandskrankenversicherung Sinn, meint Mutschke. „Hier muss man aber gucken, ob die einen Pandemiefall oder eine Reisewarnung als Teil der Versicherung nicht ausgeschlossen haben. Das haben viele.“ Für Reiserückkehrende gelten die Bestimmungen zum Zeitpunkt der Heimreise: Wer aus einem Hochinzidenzgebiet kommt, der muss laut aktueller Regelungen für zehn Tage in Quarantäne. Nach fünf Tagen besteht die Möglichkeit, diese durch einen negativen Test zu verlassen. Geimpfte und Genesene sind hiervon ausgenommen. „Wer aus einem Virusvariantengebiet kommt, der muss 14 Tage in Quarantäne. Da hilft auch kein Test.“

Entschädigungen sind meist gering

Ist man dann erst einmal im Urlaub, kann es immer wieder vorkommen, dass etwas stört. Nicht immer gibt es eine Entschädigung dafür. Die „Frankfurter Tabelle“ bündelt Urteile zu diesem Thema. „Die zieht man im Reiserecht heran, um ungefähr zu schauen, wie eine Entschädigung aussehen könnte oder ob es überhaupt eine gibt“, erklärt Mutschke. Viel zu erwarten haben Reisende hier in der Regel allerdings nicht. Mutschke: „Wenn ich jetzt beispielsweise nicht den mir versprochenen Meerblick habe, dann sind das so fünf Prozent des Reisepreises. Bei einer 500-Euro-Reise wären das 25 Euro.“ Bei Ungeziefer, so die Expertin weiter, seien es um die zehn bis 15 und fehlendem Pool zehn bis 20 Prozent des Gesamtpreises. „Das ist alles noch überschaubar und da sagen auch viele, dass sich der Aufwand dafür nicht lohnt.“ Aber klar: Je luxuriöser und teurer die Reise ist, desto höher ist entsprechend die Entschädigung.

Es gilt, was im Vertrag steht

Wenn man Mängel registriert, sei es wichtig, unmittelbar zur Reiseleitung zu gehen und „es nicht aushalten und zu Hause erst beschweren“. Am besten direkt hingehen, sagen, dass beispielsweise das Zimmer dreckig ist, und auch eine Frist setzen, bis wann das behoben werden soll. „Am Ende ist man immer beweispflichtig, insofern sollte man das auf jeden Fall dokumentieren“, sagt Mutschke. Ändert sich kurzfristig etwas an Leistungen, dann gilt, was vertraglich zugesichert gewesen ist. In Corona-Zeiten sei es schon oft dazu gekommen, meint sie, dass man ein anderes Hotel bekommen habe. Bei Pauschalreisen steht dann oft im Kleingedruckten, dass ein gleichwertiges Hotel gebucht wird, falls es mit dem ursprünglichen nicht klappt. „Da muss man dann gucken, ob das auch wirklich gleichwertig ist. Bei drei Sternen anstelle von fünf Sternen ist das sicher nicht.“

Bei Flugreisen gibt es viel zu beachten

Bei Flugreisen kommt es auf viele verschiedene Bedingungen an, wenn es um mögliche Entschädigungen geht. Bei unerwarteten und nicht gewöhnlichen Umständen, wozu neben Unwetter oder Streik auch die Corona-Pandemie zählen kann, seien Ausgleichszahlungen nicht zu erwarten. Ansonsten haben Pauschalreisende automatisch 14 Tage nach Absage einer Reise Anspruch auf Erstattung des Reisepreises gegen den Reiseveranstalter, erklärt Mutschke. Bei reinen Flugbuchungen hingegen müsse man zunächst das Wahlrecht gegenüber der Airline ausüben. Hier heißt es dann Geld zurück oder anderweitige Beförderung. „Entscheidet man sich hier für die Erstattung, dann muss die Fluggesellschaft die Kosten binnen sieben Tagen erstatten.“ Wichtig, so die Expertin weiter, sei aber, dass hier die EU-Regeln gälten, der Flug also aus der EU starte oder mit einer europäischen Airline ein EU-Ziel anpeile. So oder so, ob Flugreise, Hotelbuchung und Aufenthalt: Ganz ohne vorherige Informationsbeschaffung, auch zur Frage, inwieweit Impfungen die Reise erleichtern, wird es auch in diesem Jahr nicht funktionieren.


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