Service Was ist eine Pauschalreise?

Von Carsten Blumenstein

Alles aus einer Hand: Pauschalreisen sind beliebt.Alles aus einer Hand: Pauschalreisen sind beliebt.
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Osnabrück. Eine Kombination von mehreren Reiseleistungen führt zur Pauschalreise – dann gilt das Reiserecht.

Pauschalreisen sind beliebt. Rein in den Flieger, ab ins Hotel, Strand und Sonne genießen – ohne sich um weitere Details zu kümmern. Alles aus einer Hand.

Das geht meistens gut und verläuft ohne Probleme. Aber halt nicht immer – egal ob mit oder ohne Corona. Die Flugdaten ändern sich kurzfristig, das Hotel sieht nicht so aus wie im Katalog und überhaupt: Es ist laut rund um die Unterkunft und der Weg zum Strand ist viel zu weit. Oder der Rückflug fällt aus – aus welchem Grund auch immer. Oder im schlimmsten Fall: Der Veranstalter ist zahlungsunfähig. Aber dazu später mehr.

Eine wichtige Frage: Wann ist eine Reise eine Pauschalreise? Die genaue Definition ist wichtig, weil bei einem Pauschalurlaub das Reiserecht zur vollen Anwendung kommt. EU-einheitlich werden die Pauschalreise und die damit verbundenen Reiseleistungen geregelt. Im Reiserecht hat der Pauschalurlauber einen Vertragspartner. Für den Verbraucher ist das sehr wichtig, denn so ist er im Fall der Fälle rechtlich abgesichert. Wesentliche Regelungsgehalte betreffen Mindestanforderungen an die reisevertragsspezifischen Kündigungs- und Rücktrittsrechte, Schadensersatz-, Minderungs- und Aufwendungsersatzansprüche des Reisenden im Falle von Reisemängeln.

Verschiedene Arten von Reiseleistungen

Eine Pauschalreise ist dann gegeben, wenn verschiedene Arten von Reiseleistungen zusammenkommen. Im Reiserecht gibt es drei Arten von Reiseleistungen sowie touristische Leistungen. Zu den drei „echten“ Reiseleistungen gehören die Beförderung von Personen, die Beherbergung von Personen sowie die Vermietung von Autos und vierrädrigen Krafträdern der Fahrerlaubnisklasse A. Touristische Leistungen sind zum Beispiel Eintrittskarten für Konzerte, Führungen oder Skipässe für den Winterurlaub.

Eine Pauschalreise ist dann eine Pauschalreise (und damit ein Fall für das Reiserecht), wenn eine Kombination von zwei verschiedenen Reiseleistungen oder einer Reiseleistung und einer touristischen Leistung vorliegt. Ein Flug in die Sonne mit einem Hotelaufenthalt ist die klassische Form einer Pauschalreise, eine Busfahrt in den Bayrischen Wald in Zusammenhang einer Wellnessbehandlung ist auch ein Pauschalurlaub. Allerdings muss im zweiten Fall der Wert der touristischen Leistung mehr als 25 Prozent des Gesamtwerts ausmachen, um das Reiserecht anwenden zu können.

Das heißt im Umkehrschluss: Eine Hotelübernachtung mit einer Wellnessbehandlung, die weniger als 25 Prozent des Gesamtwerts ausmacht, erfüllt nicht die Kriterien einer Pauschalreise. Ebenfalls keine Pauschalreise ist es, wenn nur Einzel-Leistungen angeboten werden. Auch Tagesreisen (weniger als 24 Stunden, keine Übernachtung, weniger als 500 Euro) sind keine Pauschalreisen.

Absicherung im Falle einer Insolvenz

Für den speziellen Fall, dass ein Reiseveranstalter Insolvenz angemeldet hat, gibt es demnächst eine Absicherung. So soll das künftig weder den Kunden noch den Steuerzahlern teuer zu stehen kommen. Am 1. Juli 2021 ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, das Pauschalurlauber über einen millionenschweren Fonds besser gegen eine Insolvenz des Reiseveranstalters absichern soll. In diesen Sicherungsfonds müssen die Veranstalter selbst einzahlen. Hintergrund ist die Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook im September 2019. Die Versicherung hatte damals nur einen Bruchteil der Kosten ersetzt, weshalb schließlich der Staat einsprang.

Der Fonds soll künftig die Vorauszahlungen der Kunden erstatten, den Rücktransport gestrandeter Urlauber sowie deren Unterbringung bis zum Rücktransport garantieren. Er löst grundsätzlich die bisherige Absicherung durch Versicherungen oder Bankbürgschaften ab. Von der Pflicht, in den Reisesicherungsfonds einzuzahlen, werden nur kleinere Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter zehn Millionen Euro ausgenommen. Wie das Bundesjustizministerium mitteilte, soll die Neuregelung nach einer Übergangsphase für Reisebuchungen ab dem 1. November 2021 verpflichtend sein.


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