Anzeige Ernährungsmythen bei Krebs – Was tut der Gesundheit wirklich gut?

Von Theresa Boenke


iStock/AlexRaths

Osnabrück. Angeblich können bestimmte Diäten und spezielle Ernährungsweisen Krebs vorbeugen oder verhindern, dass sich die Krankheit im Körper ausbreitet. Aber halten sie der wissenschaftlichen Überprüfung stand? Die Ernährungsmanagerinnen Kathrin Middendorf und Carina Sieker vom Klinikum Osnabrück werden in ihrem Berufsalltag oft mit diesen Ernährungsmythen bei Krebs konfrontiert – und haben Antworten.

Mythos 1: Zucker ernährt den Krebs 

Seit Langem wird diskutiert, wie Krebszellen auf zuckeradaptierte Ernährung reagieren. Doch aussagekräftige Studien zur Auswirkung des Zuckerverzehrs auf Krebserkrankungen fehlen. „Für Krebspatientinnen und -patienten wird eine ausgewogene Ernährung mit allen Nährstoffen empfohlen – und dazu gehören auch ausdrücklich Kohlenhydrate, die aus Zuckermolekülen bestehen“, sagt Carina Sieker. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM) weise in ihrer Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ darauf hin, dass Krebspatienten durch eine angemessene Ernährungstherapie bei Kräften bleiben und Therapien besser vertragen. Dadurch fördern sie auf indirektem Wege einen günstigeren Krankheitsverlauf und steigern ihre Lebensqualität. „Wenn Krebspatienten auf die Energiezufuhr aus Kohlenhydraten verzichten, kann sich ihr Ernährungszustand verschlechtern, was mit einer schlechteren Krankheitsprognose einhergeht“, mahnt die Ernährungsmanagerin. Zudem schränke ein Verzicht auf Kohlenhydrate die Lebensmittelauswahl in der ohnehin schon belastenden Situation weiter ein.

Fazit: „Eine ketogene oder zuckerreduzierte Ernährung ist aus ernährungstherapeutischer Sicht für Krebspatienten nicht empfehlenswert.“

Mythos 2: Bei Krebs benötigt man mehr Vitamine und Mineralstoffe

Hier haben die Ernährungsexpertinnen Kathrin Middendorf und Carina Sieker eine klare Meinung: „Bei einer bedarfsdeckenden, also abwechslungsreichen und vollwertigen oralen Energie- und Nährstoffzufuhr bedarf es keiner Nahrungsergänzung.“ Wer ausreichend trinkt und sich regelmäßig bewegt, fördere die gesundheitliche Wirkung der aufgenommenen Nährstoffe und unterstütze den Aufbau und Erhalt aller wichtigen Körperfunktionen.

Fazit: „Ein erhöhter Bedarf an Energie- und Nährstoffen besteht per se nicht“, sagt Kathrin Middendorf. Allerdings könne eine Nahrungsergänzung bei unzureichender oraler Ernährung sinnvoll sein, „sollte aber mit dem behandelnden Arzt und/oder einer Ernährungsfachkraft abgesprochen werden.“

Mythos 3: Krebsdiäten sind sinnvoll

„Nach allen bisherigen Erkenntnissen gibt es keine Ernährungsform mit der sich eine Krebserkrankung gezielt heilen lässt“, sagt Carina Sieker. Darüber hinaus sei ebenfalls nicht belegt, dass Krebsdiäten den Betroffenen keine Schäden zufügen.

Fazit: „Experten warnen vor Krebsdiäten, weil sie häufig einseitig und unausgewogen sind. Dies kann zu einer Mangelernährung führen oder eine bereits bestehende Mangelernährung verstärken, was mit einer schlechteren Therapieverträglichkeit und Prognose einhergeht“, sagt die Ernährungsmanagerin.

Mythos 4: Fleischkonsum fördert das Krebsrisiko

Schon lange bekannt ist, dass ein hoher Verzehr von Fleisch mögliche negative gesundheitliche Effekte haben kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt seit vielen Jahren, wöchentlich nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Fleischwaren zu verzehren. Doch: die deutsche Bevölkerung isst im Schnitt deutlich mehr. „Weniger bekannt ist die Unterscheidung zwischen verarbeitetem und unverarbeitetem Fleisch im Hinblick auf die Gesundheit“, sagt Kathrin Middendorf. Verarbeitetes Fleisch werde durch Salzen, Fermentieren, Räuchern oder Pökeln haltbar gemacht. „Und diese Produkte werden als krebserregend eingestuft.“ Diese Einstufung bedeute aber lediglich, dass es aus Sicht der Forschung ausreichende Beweise für eine negative Wirkung gibt. „Wie stark die Wirkung und damit das Risiko an Krebs zu erkranken ist, wird durch diese Einstufung nicht beschrieben.“

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Erhöht Fleischkonsum das Krebsrisiko?
Fazit: „Letztlich ist es eine Frage der Verzehrmenge und des gesamten Lebensstils, ob die Gesundheit positiv oder negativ beeinflusst wird.“ Krebsforscher fordern keinen Fleischverzicht, weisen aber ausdrücklich auf die Relevanz der altbekannten Verzehrempfehlungen hin. „Unverarbeitetes Fleisch sollte bevorzugt werden – und zudem nicht zu hoch erhitzt werden“, sagt Carina Sieker.


Mythos 5: Soja beeinflusst die Krebsentstehung bzw. das Wachstum

Sojaisoflavone ähneln in ihrer Struktur dem weiblichen Sexualhormon Östrogen. Daher wird diskutiert, ob Sojaprodukte bei Brustkrebs die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls erhöhen könnten. Im Gegensatz zu Ländern in Südostasien ist Soja in Europa meist kein Hauptbestandteil der Ernährung. „Nahrungsergänzungsmittel mit Sojaextrakten können aber hohe Konzentrationen isolierter Sojaisoflavone enthalten. Sie werden zum Beispiel zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden angeboten und beworben“, erklärt Carina Sieker. Auch Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, nehmen häufig größere Mengen an Sojaprodukten zu sich. „In der Zusammenschau weisen epidemiologische Studien bisher aber nicht darauf hin, dass der Konsum von Sojaisoflavonen die Prognose von Brustkrebspatientinnen verschlechtert.“ Die Ergebnisse vorklinischer Studien seien dagegen uneinheitlich. Bei Zelllinien und Versuchstieren wurden sowohl krebsfördernde als auch krebshemmende Effekte von Sojaisoflavonen beschrieben. „Es ist aber fraglich, ob sich diese experimentellen Daten auf den Menschen übertragen lassen“, sagt Carina Sieker.

Fazit: Nach Einschätzung nationaler und internationaler Fachgesellschaften sind ein bis zwei Portionen sojahaltiger Nahrungsmittel pro Tag (Isoflavongehalt ca. 25 - 50 mg) auch für Brustkrebspatientinnen und Brustkrebsüberlebende unbedenklich. Eine Portion entspricht etwa 100 Gramm Tofu oder 250 Milliliter Sojamilch.  

Ernährungsempfehlungen bei Krebs 


Eine individuell angepasste Ernährung kann die Verträglichkeit einer Krebsbehandlung und damit die Lebensqualität verbessern. Die Ernährungsmanagerinnen Carina Sieker und Kathrin Middendorf empfehlen daher, den Ernährungszustand bei Krebskranken so früh wie möglich zu erfassen, „um mögliche Energie- und Nährstoffmängel frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.“ Auch während und nach der Therapie seien regelmäßige Kontrollen wichtig. Spezielle Krebsdiäten würden aber nicht empfohlen. „Liegen nach Abschluss einer Krebstherapie keine Ernährungsprobleme vor, sind ein normales Körpergewicht, eine Ernährung reich an pflanzlichen Lebensmitteln und ein aktiver Lebensstil zu empfehlen“, erklärt Kathrin Middendorf. Eine Nahrungsergänzung sei lediglich bei nachgewiesenen Nährstoffdefiziten notwendig.

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